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| Franz Werfel, Der
veruntreute Himmel |
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Franz Werfel
Der veruntreute Himmel
Fischer-TB.-Vlg, 1992
Taschenbuch
ISBN: 3596294592 |
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Franz Werfel
Der veruntreute Himmel
S. Fischer, 1992
gebundene Ausgabe
ISBN: 3100910389 |
"Der veruntreute Himmel ist der große Fehlbetrag unserer Zeit,
seinetwegen kann die Rechnung nicht in Ordnung kommen." F. Werfel
Theta Linek ist eine fromme Frau. Und sie hat einen Plan. Als Köchin im herrschaftlichen Dienst ist sie praktisch genug veranlagt, ihre eigene
Himmelfahrt ebenso umsichtig zu planen wie sonst nur ein vielgängiges Menü. Ihr Neffe Mojmir soll das Mittel sein, die Seligkeit zu gewinnen.
Schon seit vielen Jahren finanziert sie von ihren Ersparnissen, die sie sich erknausert hat, seine Ausbildung zum Priester. Sie hat ihn nur ein
einziges Mal gesehen, aber sie will auf ihre alten Tage seine Haushälterin werden, damit ihr, wenn die Stunde kommt, ganz sicher
seine geweihten Hände die Augen schließen. Nur in dieser Funktion ist sie an ihm interessiert, sonst nicht.
So kennt sie den Mojmir nur aus Briefen an das "liebe Tantchen", und was für Briefen. Da ist viel die Rede von den Widrigkeiten, denen ein
junger Semnarist und Student ausgestzt ist, später - ja, es ist erreicht! - von den Gefahren, die auf einen Missionar lauern, von einem
gefährlichen Insektenstich in den Tropen, der zur Heimkehr nötigt, leider auch von Mißgunst und Neid unter den Mitbrüdern ... und immer
wieder von Geld. Nun, die würdige Einkleidung und Behausung eines Gottesmannes mag schon
kostspielig sein, das sieht Theta ein, und so läuft Anweisung nach Anweisung über die Post.
Plötzlich bricht über Thetas Herrschaft, ein wohlhabendes, gebildetes Bürgerhaus, das Verhängnis herein: Der Unfalltod des Sohnes und die
schwere Erkrankung der Tochter. Der Haushalt muss aufgelöst werden, und Theta beschließt, dass es Zeit ist, Pfarrersköchin zu werden - umso
mehr, als ihre eigene Gesundheit nachläßt und ihre Vorbereitungen langsam aktuell werden.
So macht sie sich denn auf, in den Ort, den der Neffe als Adresse genannt hat und wo er sich gerade den Pfarrhof herrichtet. Und als sie
ankommt - wirklich, das ist ein Prachtpfarrer. Nur leider, Mojmir heißt er nicht, und von einem Pfarrer Linek hat man am Ort nichts gehört.
Jetzt beginnt eine mühsame und quälende Suche an allen möglichen Adressen, bis Theta ihren Neffen in einem schäbigen Viertel der
Hauptstadt endlich aufstöbert. Und wenn sie sich bis dahin noch ein bisschen Hoffnung bewahrt hat, jetzt ist es klar: Sie ist betrogen,
über viele Jahre hinweg böswillig betrogen. Doch von einem schlauen Teufel, das muss man sagen, seinen süßen Beschwichtigungen kann sie
sich nur durch Flucht entziehen.
Aber was nun? Ihr gesamter Lebenstraum liegt in Trümmern, sie bricht zusammen. In dieser Situation kommt ihr das Angebot einer Pilgerfahrt
nach Rom unter die Augen. Rom! Die ewige Stadt! Den Heiligen Vater sehen ...
Durch die Abfindung von ihrer Stellung kann sie sich die Reise leisten, sogar erster Klasse. Das war aber ein Fehler. Sie fühlt sich bald
völlig verloren unter den Leuten, die sie bisher nur als "Herrschaft" kannte und weiß mit sich, mit ihnen und mit dem bildungsbürgerliche
Programm nicht viel anzufangen. Die jüngste ist sie auch nicht mehr. Wenn da nicht der junge Kaplan Seidl wäre, der die Reise begleitet und
sich um sie annimmt, wenn dei Führungen wieder zu lange dauern, wäre es ganz schlimm. Ja, der Kaplan Seidl! Wär' doch der Mojmir so geworden... Und hätt' sie selber sich doch mehr gekümmert ...
Es naht der Höhepunkt der Reise, die Audienz bei Seiner Heiligkeit, Papst Pius XI., der in dieser Zeit am Ende der dreißiger Jahre mit
brennender Sorge nach Norden blickt und trotz seines hohen Alters den Pilgern aus Österreich Mut zusprechen will. Er überwindet die
Gebrechlichkeit seines greisenhaften Leibes und erscheint zur Audienz, die lange Reihe der Teilnehmer abschreitend, gute Worte spendend. Als
er endlich bei Theta anlangt, ein Schwächeanfall. Er stützt sich auf sie, man bringt ihn weg.
Aber Theta sinkt zu Boden. Reiseanstrengung, Aufregung, Krankheit - sie hat eine Schlaganfall erlitten. Die Ärzte des Papstes können nichts
mehr tun. Sein Segen wird überbracht, sie nimmt ihn nur noch dämmernd wahr ... aber etwas macht ihr den Aufbruch so leicht.
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Das Buch ist meines Wissens zweimal verfilmt worden, einmal am Ende der 50er Jahre, mit Anni Rosar in der Hauptrolle und Hans Holt, und einmal
viel später, mit Gertraud Jesserer, Elisabeth Epp und Paulus Manker. Ich persönlich bevorzuge die neuere Verfilmung. Anni Rosar war eine der
beliebtesten Volksschauspielerinnen ihrer Zeit, deshalb war sie vom Typus für die Rolle der geizigen, lieblosen, sogar den Himmel kleinlich
berechnenden Frau zu 'nett'.
Die Schuld der Theta Linek auf Erden liegt darin, dass sie sich nie um ihren Neffen gekümmert hat, er war nur Mittel. Und im Himmel steht
eingeschrieben, dass sie sich nur auf Eigenes, nicht auf die Gnade gestützt hat. Die literarische Gerechtigkeit läßt sie daher mit den
eigenen Mitteln grausam scheitern, um ihr dann in die leeren Hände viel mehr zu legen, als sie sich je erträumt hat.
"Der veruntreute Himmel" ist einer von Franz Werfels letzten Romanen. Er kreist um das Verhältnis von eigener Leistung und Gnade und zeigt
einmal mehr, dass dieser große Dichter, er lebte 1890 - 1945, bis unmittelbar an die Schwelle der katholischen Kirche gelangt ist. (Dass
er nicht eintrat, liegt vor allem daran, dass er als Untreue betrachtet hätte, während der äußersten Verfolgung sein Judentum zu verlassen.)
(chb)
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