P. Ildefons Fux, Exezitien für Leginäre Mariens

Exerzitien für Legionäre in Neulengbach
vom 28. 04. – 01. 05. 2000  
Geistl. Leiter: P. Ildefons Fux OSB

9 Betrachtungen 
mitgeschrieben von Barbara Ebner, 
gehalten und zur Verfügung gestellt von P. Ildefons Fux.
Vergelt's Gott! 


1. Betrachtung

Während der Exerzitien gilt „Heiliges Schweigen“.

Die Liebe verträgt nicht das Laute, unser Bräutigam will uns ja mit Liebe begegnen!

Jedes Wort würde dem Herzen Jesu weh tun! Es ist zwar manchmal ein Opfer, zu schweigen, aber Jesus hat viel größere Opfer für uns erbracht.

Die Stille und das Schweigen sollen wir auch in unsere Gewissenserforschung miteinbeziehen. Habe ich Stille gehalten? Habe ich andere in ihrer Stille gestört?

Begegnung Jesu mit Martha und Maria (Lk 10, 38 - 42):

Beide Schwestern machen sich Gedanken, wie sie Jesus eine Freude machen können. Martha richtet ihm eine Jause, sie übersieht, dass Jesus ganz andere Wünsche im Herzen hat. Jesus hat Freude daran, wenn man ihm zuhört. Was Jesus in seinem Herzen trägt, ist Großes! Nie ist Jesus so glücklich, wie wenn er jemanden gefunden hat, dem er die Botschaft des Vaters, die er im Herzen trägt, bringen kann. Die Freude des Lehrers ist ein aufnahmewilliger Schüler. Maria ist das Muster einer zuhörenden Jüngerin. Mehr noch als Maria v. Bethanien war Maria, seine Mutter, eine begierige, geduldige Zuhörerin!

Maria hat alles aufgenommen, aufbewahrt und im Herzen getragen. Sie bewahrte alles in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

Nicht nur ich habe Erwartungen an diese Exerzitien, auch Jesus selbst erwartet sich etwas von uns. Nicht was ich will, das was DU willst, soll verwirklicht werden. Der Herr hat auf mich mit großer Sehnsucht gewartet. Er wartet auf uns, um uns die Schätze des Himmelreiches zu zeigen. Er wartet auf uns, um uns sich selbst zu schenken.

Jesus wird nie sagen, dass wir ihn stören. Er wird nie sagen: „Du bist nicht wichtig genug, komm später wieder.“ Jesus liebt jeden einzelnen von uns, als wäre er der einzige auf der Welt. Jesu Liebe kennt keine Grenzen. Sie wird nicht weniger, wenn wir mehr werden! Wir dürfen von der Liebe Christi ruhig groß denken!

Jesus sagte einmal zur Hl. Margaretha Maria Alacoque: „Für dich allein würde ich alle Qualen der Kreuzigung wieder auf mich nehmen! Und hätte ich die Eucharistie noch nicht eingesetzt – ich würde es für dich allein wieder tun.“

Er würde es auch für mich wieder tun!!!!!!!

 Gott gibt nicht kärglich, er gibt auf göttliche, überströmende Weise! Er hat viele große Gnaden bereit. Wir müssen neu an die Liebe Jesu Christi glauben lernen.

Jesus Christus liebt mich überaus sehr!

Wir müssen Jesus Christus in die Augen schauen. Man kann nicht in seine Augen schauen, ohne die Liebe seines Herzens zu sehen und den Wunsch zu hegen, ihn zu umarmen.

3 Schritte für die Betrachtungen:

1)     Zuhören

2)    Überlegen in Ruhe: Was will Jesus mir sagen?

3)    Zwiesprache mit Jesus selbst = Gebet; das muss nicht mit Worten geschehen, die Liebe bedarf nicht vieler Worte; wir sollen in irgendeiner Weise mit ihm sprechen. So wie der Diener mit dem König, der Schüler mit dem Meister, das Kind mit der Mutter, die Braut mit dem Bräutigam, ...

„Muttergottes hilf mir zuhören, so wie du in Nazaret zugehört hast, überlegen, so wie du alles überlegt und im Herzen bewahrt hast und mit Jesus zu sprechen, so wie du mit Jesus immer gesprochen hast.“

Maria um Hilfe bitten!

Wir sollen nichts in diesen Exerzitien ohne Maria tun!!!!!!

 

2. Betrachtung

In der Gegenwart Mariens wollen wir nun hören, was Gott uns sagen will!

Es gibt hunderttausend Dinge, die wir täglich benützen. Wenn wir den Kaffee umrühren wollen, benützen wir einen Löffel, wenn wir nach Neulengbach gelangen wollen, benützen wir das Auto, wenn wir wissen wollen, wann Alexander der Große gelebt hat, benützen wir das Lexikon. Was bei Dingen selbstverständlich ist, ist bei Menschen aber ganz anders. Menschen darf ich nicht benützen. Der Mensch hat eine ihm eigene Würde. Einem Menschen muss ich anders begegnen. Ich darf ihn nicht be- und ausnützen. Die Praxis sieht aber leider ganz anders aus. Einer wird vom anderen benützt. Der, der benützt wird, wird dadurch entwürdigt und gedemütigt. Der Mensch hat eine unveräußerliche, königliche Würde und Freiheit, und diese muss ich achten.

Alles soll geschehen, nur das eine nicht, dass ich einen anderen benütze. Ich darf niemanden „herabwürdigen“. Das muss man auch in der Arbeitswelt beachten. Einen Menschen ausnützen war schon immer eine himmelschreiende Sünde. Das muss auch bei sexuellen Beziehungen berücksichtigt werden. Einen Menschen ausnützen ist der Tod der Liebe. Deshalb ist heute auch alles so verkehrt.

Gott sieht in der Freiheit des Menschen eine Grenze, die er nicht übergehen will. Er achtet die Freiheit des Menschen; wir sind ebenso dazu aufgerufen.

So hat Gott auch Maria nicht benützt, er hat sie gefragt, eingeladen, gebeten – er hat sie nicht gedrängt, nicht bedroht. Das was geschieht empfängt seinen Wert in der Freiheit Mariens. Das „mir geschehe“ ist in völliger Freiheit der Liebe gesprochen worden! Maria ist nicht passiv von Gott benutzt worden, sie hat in freier Entscheidung an der Erlösung mitgewirkt.

Gott hat Maria benutzt – das ist der Glaube vieler Protestanten. Sie hatte keine andere Wahl – ganz falsch!!  

Gott hat Maria gebeten, und sie hat in Freiheit „JA“ gesagt. Dass wir Jesus haben dürfen, dass wir die Hl. Messe feiern dürfen, dass wir einen Tabernakel, das Sakrament haben, dass verdanken wir nicht nur Gott, sondern auch Maria. Es ist die Gabe dieser Mutter. Mit dem Dank an Gott muss ich auch den Dank an Maria verbinden.

Der Vater will uns zu Hilfe kommen. So sehr er die Menschen liebt, so sehr respektiert er auch unsere Freiheit. Der Vater will die Welt retten. So sehr er die Menschen liebt, sosehr will er aber auch, dass sie mittun.

Maria ist die Vertreterin der ganzen Menschheit. Sie wird stellvertretend gefragt. Dieses „JA“ in Freiheit hat Maria nicht nur einmal gesprochen, immer wieder. Mit der Freiheit des Herrn verbindet, vermählt sich das „Ja“ seiner Mutter, in Freiheit.

Beim 2. Hochgebet betet der Priester: „... und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf ...“.

Mit diesem freien Willen verbindet sich die freie Entscheidung Mariens.

Wenn sie sich verweigert hätte oder ihr gegebenes „Ja“ widerrufen hätte, was wäre geschehen?

Gott hätte nicht so getan, als wäre nichts geschehen. Er respektiert die Freiheit, er hätte nicht gesagt: „Na gut, dann mach ich’s eben ohne dich, dann mach ich’s halt selber.“ Hätte Maria ihr „Ja“ nicht gegeben, wären wir noch nicht erlöst.

Das „Ja“, das ich sage oder verweigere, ist nie ganz privat. Davon hängt auch viel für andere ab.

Freiheit und Würde des Menschen verbindet sich mit einer aussergewöhnlichen Verantwortung für die Menschen.

Gott zwingt uns nicht, er lädt ein. Jeder hat einen Platz in der Liebe Gottes. Jesus bittet: „Hilf mir bei der Rettung der Seelen, beim Aufbau des Reiches Gottes. Leide mit mir für das Evangelium, für die Kirche.“ Er fragt an: „Ich will in deiner Seele leben – darf ich das? Ich will in dir leben und in dieser Wohnung zum Vater beten. In deinem Herzen will ich sein – gibst du mir Raum, mein irdisches Leben mit dir und in dir fortzusetzen?“

Gott als der Bittsteller!

Er wird nicht mit dem Engel Gabriel zu uns kommen. Ob ich es wahrnehme oder nicht, es ist das geheimnisvolle Anklopfen und demütige Fragen, dem ich Antwort geben muss, dem ich freiwillig „ja“ sagen kann.

So hält es auch Maria. Sie sieht das Elend, den Sündensumpf, aber benützen will sie uns nicht. Sie lädt uns ein, Legionäre zu sein, sie übt keinen Druck aus, es auch zu bleiben. Die Treue zur Legion und zu Maria soll in der Freiheit der Liebe geschehen.

Das Leben des Legionärs ist nicht immer ein Honiglecken. Aber die Versuchung aufzugeben, soll Versuchung bleiben. Das gegebene „JA“ soll bekräftigt werden. Maria hat nur gute Absichten. Alles was sie tut, hat sie aus Liebe zu uns getan. Je größer mein Glaube, desto leichter mein „Ja“. Jedes Wochentreffen ist ein neues „Ja“. Maria erwartet mich beim Wochentreffen. Das Präsidium ist Gegenwart Mariens!

Wenn unsere Liebe so groß ist, dass wir Maria keine Bitte mehr abschlagen, das ist dann die wahre Liebe. Dann fragen wir: „Hast du nicht eine Bitte an mich? Siehe ich bin bereit.“

 

3. Betrachtung

Wir sind hier (in Neulengbach) in einem franziskanischen Haus, deshalb dürfen wir vor allem die Hilfe des Hl. Franziskus in Anspruch nehmen. Er ist nicht der Stammvater der „Grünen“, der Umweltschützer. Er ist in erster Linie ein Heiliger, das sollten wir zuerst bedenken. Gleich geht es der Hl. Hildegard v. Bingen. Nebensachen werden zu Hauptsachen und das Eigentliche bleibt ungesehen.

Franziskus ist nicht in dem klassischen Sinn ein Lehrer der Marienverehrung. Er hat von ihr aber auch gesprochen, geschrieben. Aber nicht die Vielzahl der Worte ist es, sondern deren Inhalt.

Er hat uns einen Gruß an Maria hinterlassen; er wendet sich an Maria und sagt: „Sei gegrüßt ...“

Gruß an die selige Jungfrau Maria

(Salutatio Beatae Mariae Virginis)  
vom Hl. Franziskus von Assisi

Sei gegrüßt, Herrin, heilige Königin, heilige Gottesmutter Maria,
du bist Jungfrau,
zur Kirche gemacht und erwählt vom heiligsten Vater im Himmel,
die er geweiht hat mit seinem heiligsten Sohn und dem Heiligen Geist, dem Tröster,
in der war und ist alle Fülle der Gnade und jegliches Gute.  

Sei gegrüßt, du sein Palast.
Sei gegrüßt, du sein Gezelt.
Sei gegrüßt, du seine Wohnung.  

Sei gegrüßt, du sein Gewand.
Sei gegrüßt, du seine Magd.
Sei gegrüßt, du seine Mutter.

 Und ihr heiligen Tugenden alle, 
die durch die Gnade und die Erleuchtung des Heiligen Geistes 
in die Herzen der Gläubigen eingegossen werden, 
um sie aus Ungläubigen zu Gott getreuen Menschen zu machen.

Amen.

 

„Herrin und heilige Königin, hl. Gottesmutter“ à das ist der Beginn seines Grüßens. Es ist uns nichts Neues. „Herrin“ bedeutet aber auch: Ich muss ihr folgen, sie hat auch Autorität über mich. Das ist für uns Legionäre ja nichts Fremdes.

„Du bist Jungfrau“ à Jungfrau ist nicht charakterisiert durch einen Mangel, ein „OHNE“, das Fehlen eines Mannes. Im religiösen Sinn ist eine Jungfrau immer eine gottvermählte Frau, eine Braut Christi. Sie hat sich Gott übergeben, ihr Bräutigam ist Christus. Maria ist die Jungfrau schlechthin, weil sie die Gottgeweihte schlechthin ist.

Im Vergleich zu Jesus Christus ist alles andere Unrat, wertlos, Verlust! (vgl. Phil 3,7 f.) Die Erkenntnis Jesu Christi lässt alles andere wertlos werden, nichts kann mit ihm konkurrieren. Er schenkt sich mir, ich schenke mich ihm. Das ist das Geheimnis der Jungfräulichkeit. Das erkennt nur jener, dem Christus schon aufgeleuchtet ist, dem Gläubigen.

Die Jungfrau ist also charakterisiert durch „MIT“ – nicht durch „ohne“ – sie ist MIT Jesus Christus. Maria wurde zur Kirche gemacht, erwählt, vom Hl. Vater selbst.

Wenn uns jemand fragt: “Wo finde ich Jesus?“ - Dann zeigen wir ihm Jesus im Tabernakel. Wir können ihn zwar nicht sehen, aber das liegt an unseren Augen. Und der Tabernakel ist nicht irgendwo auf dem Feld, auf der Wiese, im Wohnzimmer, er ist in der Kirche, dem Wohnhaus Jesu Christi.

Maria wurde zur Kirche – sie ist also Wohnhaus Jesu Christi. Jene, die Jesus suchen, müssen wir an der Hand nehmen und zu Maria führen, das ist kein Umweg, sondern eine Abkürzung. Denn in ihrem unbefleckten Herzen hat Er Wohnung genommen. Für unsere Sinne ist das zwar nicht zu erkennen, also erkennen wir es doch im Glauben!!!!!!!!

Wir bezeugen die Gegenwart Jesu Christi in Maria. In der Seele Mariens ist Jesus zuhause, er hat ein Zuhause gesucht und es im Herzen Mariens gefunden.

Der Vater hat die Dinge so gefügt, wie sie jetzt sind. Mariens Herz wurde ausgestattet zur Wohnstätte seines Sohnes.

Wenn eine Kirche geweiht wird, ist das eine feierliche Zeremonie, mit geweihtem Wasser, Weihrauch, usw. Bei Maria hat der Vater diese Weihe vorgenommen durch den Sohn selbst und in der Kraft des Hl. Geistes. Wo Jesus ist, dort ist alles geweiht!

Die Kirche sieht in Maria ihr eigenes Wesen vorgebildet!!!

Das was Gott gefügt hat, wird nicht mehr zurückgenommen. Der war und ist!!! Maria ist noch immer. Maria hat nicht nur in der Vergangenheit eine Rolle, das wäre die Auffassung der Protestanten. In ihr ist Fülle aller Gnade und jegliches Gute.

Diese Wohnung, nämlich das Herz Mariens, ist von Ihm nie verlassen worden. Jegliches Gute finden wir in Maria, weil der Spender jeglichen Gutes in ihr ist. Deshalb nennt Franziskus Maria einen Palast! In den Palästen der Reichen war im Mittelalter alles zusammengetragen, was man sich an Reichtum vorstellen kann.

Aber Mariens Reichtum ist nicht materiell, es ist ihre Gnade und Tugendfülle. Ihre Seele ist ein Palast, wie es dem König der Könige zusteht.

Franziskus spricht auch vom „Gezelt“, Gezelt Jesu Christi. Das klingt eher naturverbunden, wenn man nicht besseres hat, schläft man im Zelt (nach unserer gewöhnlichen Auffassung). Franziskus hat das Gebet aber auf Latein geschrieben „tabernaculum“. Da wird es uns schon klarer. Maria ist der Tabernakel Jesu Christi. Der Tabernakel muss schön sein. Die Gesinnung, die den Tabernakel umgibt, zeigt den Glauben derer, die ihn umgeben.

Maria ist lebendiger Tabernakel. (Franziskus ist wahrscheinlich der erste Mensch, der Maria so nennt.)

Wenn wir beim Empfang der Hl. Kommunion selber Tabernakel werden, dann verpflichtet das uns, ihm etwas Schönes anzubieten, unser Streben nach Heiligkeit.

„Du seine Wohnung, du sein Gewand“ à Gewand ist für uns etwas ungewöhnlich!!

„Wahrhaftig, unser Gott ist ein verborgener Gott!“

Man kann nicht Gott schauen wollen, neugierig, einfach so. Das können nur die Verstorbenen, Engel und Heilige. Gott gibt sich nicht den Blicken der Sterblichen, der Neugierigen preis.

Es ist die Aufgabe des Gewandes zu verbergen. Das Kleid schützt nicht nur vor Witterung, es schützt und verbirgt das Ebenbild Gottes, die Würde. Der Leib wird den Blicken der Neugierigen entzogen. Wenn das also die Art Gottes ist, muss ich diese Art auch in den Menschen finden, wir sind ihm ja ähnlich!

Das was an Maria sichtbar ist, verbirgt das, was sie in sich trägt, Jesus Christus. Maria ist sein Kleid. Als Maria auf dem Weg zu Elisabet war, haben sie sicher viele gesehen, aber sie sahen nicht, dass sie Christusträgerin ist. Jesus verbirgt sich in Maria, da wartet er auf uns alle.

Franziskus grüßt die Tugenden, die Maria in sich trägt, weil sie Christus in sich trägt. Der Hl. Geist nimmt aus den Tugenden Mariens und teilt sie an die Menschen aus. Maria ist das Schatzhaus der Tugenden, der Quell der Gnade, weil Christus in ihr ist.

Selig, wer in der Nähe Mariens leben darf!

Unser Leben als Legionär ist ein Leben in ihrer Nähe.

 

4. Betrachtung

29 mal kommt im Johannesevangelium eine Stelle vor, wo Jesus sagt: „Ich bin ...“

-        „Ich bin das Licht der Welt.“  
-        „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“
-
        „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
-        ...  

Das sind Sätze der Selbstoffenbarung Jesu.

Zweimal steht es absolut: „Ich bin.“ Es sind dies die auffallendsten Offenbarungen.

-        „Wenn ihr nicht glaubt, dass ich bin, werdet ihr in euren Sünden sterben.“
-        „Wenn ihr mich am Kreuz erhöht habt, werdet ihr erkennen, dass ich bin.“

Die Juden sehen hier sofort den Zusammenhang mit dem AltenTestament à Jahwe à „Ich bin“ – Gott offenbart sich dem Mose. Gott allein ruht in sich selber, er ist der unerschaffene Schöpfer, er allein kann von sich selbst sagen: „Ich bin.“

Die Menschen von damals haben es unerhört gefunden, dass ein Mensch sich zu Gott macht, indem er sagt: „Ich bin.“ Das ist eine Aussage, die nur einem einzigen zusteht – Gott selbst. Kein Geschöpf darf das sagen, weil er es nicht aus sich selbst ist. Die Quelle jeglichen Seins ist in dem, „der ist“.

Die Juden wollten Jesus töten, weil er sich selbst Gottes Sohn nannte und sich damit Gott gleich machte. Sie wollten ihn steinigen, weil er Gott lästerte.

Berg Sinai: Mose war im Exil, er war aus Ägypten geflohen, er hütete Schafe. Ein Busch entzündet sich plötzlich von selbst. Das allein wär‘ noch nicht ungewöhnlich, das kam öfter vor, aber: er verbrennt nicht. Mose nähert sich dem brennenden Dornbusch. Er wird aufgefordert, die Schuhe auszuziehen, weil er auf heiligem Boden steht. Er erhält den Auftrag, nach Ägypten zurückzukehren und das Volk Israel zu befreien. Und Mose fragt nach dem Namen Gottes, damit er seine fragenden Volksgenossen und auch dem Pharao antworten kann. „Ich bin der ich bin.“ Er ist der letzte Urgrund allen Seins. Er existiert aus sich selber.

Was in Lourdes geschehen ist, war eine Offenbarung Mariens. Es geht um den Namen. Zunächst hat sie ihren Namen nicht genannt. Dann bekommt Bernadette den Auftrag, sie soll den Priestern sagen, sie sollen eine Kapelle bauen und in Prozessionen zu ihr kommen. Sie wird abgewiesen. Der Pfarrer sagte: „Der Pfarrer von Lourdes verhandelt nicht mit einer Frau, die mit bloßen Füßen auf einem Felsen stehe. Wenn die Dame will, dass hier eine Kapelle gebaut wird, dann soll sie ihren Namen nennen.“  

Am 25.03.1858 sagt Maria dann: „ICH BIN die Unbefleckte Empfängnis.“

Andere Parallelen von Lourdes und der Sinai-Szene: Die Grotte am Felsen, Maria ist über einem Busch gestanden.

Es ist etwas anderes zu sagen: „Ich bin unbefleckt empfangen!“ oder „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis!“ Dies ist das Höchstmaß, da gibt es keine Steigerung mehr.

Gratia plena – du bist voll der Gnade – vom ersten Augenblick an. Sie ist größer als jene Gnadenfülle, die Eva vor dem Sündenfall hatte. Maria ist die von Gnade Erfüllte, alles Gute, jegliches Gute ist in ihr enthalten. Sie ist ein Meer, eine Quelle, die nie versiegt. Sie kann nicht ausgeschöpft werden.

Aber der Reichtum der Mutter ist immer auch der Reichtum ihrer Kinder. Wir, die wir Marias Kinder sind, dürfen ihre Gnaden erbitten.

Die kl. Hl. Thérèse beschreibt dies in ihrem letzten Gedicht und sagt sinngemäß: „Wir werden durch sie Gnade über Gnade erhalten. Wir sollen zu ihr kommen und uns beschenken lassen im Wissen, dass sie jegliches Gute in sich trägt.“

Der Vater sagt zum Bruder des „Verlorenen Sohnes“: „Alles was mein ist, ist auch dein.“ Das sagt auch Maria: „du musst aber kommen, du darfst nicht an meinen Möglichkeiten, meiner Fähigkeit zweifeln.“

Das Versprechen bei der Acies ist nicht einseitig. Maria hat bereits gesagt: „Alles, was ich habe, ist dein!“ Die Gnadenfülle Mariens ist Grund unserer Freude und unserer Zuversicht. Keine Not, die nicht im Reichtum Mariens behoben werden könnte. Wir haben keinen Grund zur Sorge.

 

5. Betrachtung

am Tag der Heiligsprechung von Sr. Faustine

„Seht das Lamm Gottes“

Apg. 8,26 – 40

Ein Engel sagte dem Diakon Philippus: „Gehe auf die Straße, die nach Gaza führt.“ Dort trifft er einen Kämmerer (d.i. ein oberster Finanzverwalter), der vom  Tempel in Jerusalem kommt. Der Kämmerer hat sich eine Schriftrolle gekauft mit einem Text des Propheten Jesaja. Philippus fragt ihn: „Verstehst du, was du da liest?“ „Wie kann ich es verstehen, wenn’s mir niemand erklärt?“ Philippus erklärt ihm dann den Text. Das Lamm ist Christus. Der Kämmerer nimmt dann den Glauben an Jesus Christus an und kann getauft werden.

Im Alten Testament weist vieles auf Jesus als das Lamm, das geschlachtet wird, hin. Zur Zeit Jesu ist das aber wieder in Vergessenheit geraten. Sie erwarten den Messias nicht als Lamm, sondern als Triumphator, der die Römer vertreibt und die Juden wieder zu Herrschern über ihr Land macht.

Es sind die Armen, die in einer besonderen Weise, der Weise des Lammes, an den Messias denken, eben Maria; Johannes d. Täufer sagt: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“

Im Alten Testament wurden die Sünden symbolisch auf einen Bock geladen und er wurde aus der Stadt hinausgetrieben. (Auch Jesus wurde ausserhalb der Stadt gekreuzigt!)

Johannes d. E. schreibt, Jesus ist gestorben, als im Tempel die Lämmer geschlachtet werden. Gott selbst hat sich ein Lamm gewählt. Sein Sohn soll die Sünden der Welt hinwegnehmen. Sein Blut rettet alle, die an ihn glauben (AT: Blut bewahrt die Israeliten vor dem Todesengel.)

Jesus sagt aber nie von sich selbst: „Ich bin das Lamm Gottes.“

Im Hebräerbrief finden wir ein Morgengebet Jesu Christi, indem er sagt: „Nicht Schlacht- und Speiseopfer hast du gewollt, einen Leib hast du mir gegeben.“

Jesus Christus ist um der Sünde willen Mensch geworden. Niemand kann sich selbst die Sünden vergeben, es braucht die Initiative Gottes. Ein einziges Mal ist er geopfert und ALLE sind gerettet. Die alttestamentlichen Opfer erinnern nur an die Sünde, die Sünden hinwegnehmen kann nur das Blut des einen Lammes.

In Neuen Testament werden durch das Opferlamm Jesus Christus zwei Dinge zusammengebracht, die bisher immer getrennt waren, nämlich Opferpriester und Opfergabe. Der Opferpriester gibt sich nun selbst als Opfer dar.

Es gab viele Vorschriften, wie Priester und Opfergabe sein mussten, nie aber gab es bisher diese Identität zwischen Priester und Opfergabe. Er hat SEIN Blut vergossen, nicht das eines Tieres, um unsere Sünden zu tilgen. Er ist die Sühne für unsere Sünden und die Sünden der ganzen Welt.

Das eigentliche Problem ist die Sünde. Wie kann das durch die Sünde Zerstörte wieder hergestellt werden? Das ist die Aufgabe Jesu Christi.

Das ist gemeint, wenn der Priester am Altar die Hl. Hostie hält und uns auffordert zu schauen: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“

Evas Bestimmung im Paradies war Mutter aller Lebendigen zu sein und ihrem Mann zu helfen, zu unterstützen. Teilhabe am Lebenswerk des Mannes.

Die neue Eva ist Maria, die Kirche. Sie hat die Aufgabe, am Lebenswerk des neuen Adam, Christus, teilzuhaben. Die Kirche muss auch teilnehmen. Sie muss sich ihrem Bräutigam zugesellen.

Sein Lebenswerk ist, die Sünden zu tilgen. Sie muss bereit sein, ihr eigenes Blut mit dem Blut Christi vermischen zu lassen. Teilhabe der Kirche am Priestertum Christi geschieht auf verschiedene Weise.

Der geweihte Priester ist nicht ein Priester neben dem Hohenpriester Christus, er fügt ihm auch nichts hinzu. Es gibt wegen der vielen Priester auch nicht mehr Priesterlichkeit. Die Fülle des Priestertums Christi bedarf keiner Ergänzung – er lässt sie teilhaben. Er gibt ihnen Vollmacht, Sünden zu vergeben, zu wandeln, aber es ist immer Jesus, der durch sie wirkt. Der Priester ist nur Werkzeug, das Priestertum Christi ist einzig und es währt ewig.

Es kann kein Priestertum geben, das nicht weh tun würde. Priester und Opfer gehört zusammen. Wenn es gilt Sühne zu leisten, dann muss der geweihte Priester sein eigenes Blut aus der Hand geben und es fließen lassen. Er muss all das (er)tragen, was Jesus getragen hat. Der Unterschied zwischen Lamm und Wolf ist, dass das Lamm nicht kratzt, nicht beisst, es schweigt und duldet, auch das Unrecht.

Was Christus allein tun könnte, will er nur gemeinsam mit dem Priester tun. Der Hohepriester Jesus ist es, der Tag für Tag den Priester sagt: „Hilf mir die Sünden der Pfarrgemeinde, ... zu tilgen.“ Einer trage des anderen Last, des anderen Schuld. Du musst jetzt deinen Rücken herhalten, um des anderen Last mitzutragen.

Der Priester geht seiner Gemeinde voraus, er ist der Schrittmacher. Es gibt keine Sündenvergebung ohne Blutvergießen. Wir haben Anteil am priesterlichen Lebensstil des Herrn – der Sühne. Das gilt der gesamten Kirche. Die Braut muss bereit sein, an der Sühneleistung des Bräutigams teilzuhaben. Kein Legionsdienst, Apostolat ohne Blutvergießen.

Wir kommen im Himmel nicht ausgeruht an mit rosa Wangen. Wir kommen an – urlaubsreif. Wir geben von unserer Substanz. Nicht ich selbst bin am wichtigsten, auch nicht meine Gesundheit, die Schönheit meines Körpers. Wir haben in erster Linie teilhaben wollen, die Sünden wegzunehmen, die anderen vor der Sünde zu warnen!

Jesus sagt zu uns: „Dich hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten durch dein Blut.“

Die Seelenrettung wird nie etwas Elegantes sein. Und wenn in einem sog. „Fall“ scheinbar gar nichts weitergeht, dann ist das ein Appell an unseren Glauben, ein Blutvergießen im Glauben. Die Kraft der Worte kommt aus den Leiden des Apostels. Wenn wir wirklich Lamm Gottes sind, und das ist unsere Aufgabe, dann brauchen wir viel Geduld, viel Schweigen, Zufriedenheit und einen starken Rücken. Die Opfergesinnung eben. Auch wir sind dazu bestimmt, Hostie zu sein.

Unser Schutzengel soll einmal von uns sagen können: „Seht das Lamm Gottes!“

 

6. Betrachtung

Heute glauben viele Leute, dass Jesus nicht alles gewusst hat über sich selbst, dass er sich auch geirrt hat, weil er so sehr Mensch geworden ist. Aber es gibt nur ein Ich in Ihm, die zweite Göttliche Person, und diese hat die menschliche Natur angenommen.

Dass Jesus wusste, dass er Gott ist, sagen uns seine Vorhersagungen über sein Leiden. Der Tod des Herrn ist kein unvorhergesehener Unfall, so ähnlich wie: ich steige ins Auto und um 3 Uhr hab‘ ich einen Unfall. Jesus hat genau gewusst, was ihm bevorstand, was er tun wollte.

Die Fragen, die der Herr im Evangelium stellt, haben eine andere Ursache als Unwissenheit. Wenn er fragt: „Wieviele Brote habe ihr?“ Dann nicht, weil er es nicht weiß. Er will den Aposteln die Gelegenheit geben, sich auf das Wunder vorzubereiten.

So sagt es der Herr den Jüngern voraus, welches Schicksal ihn in Jerusalem erwartet, die Geißelung, die Krönung mit Dornen, die Kreuzigung. Petrus mischt sich gleich ein: „Das darf nicht so sein!“ Jesu weist ihn zurecht, ganz scharf, er weiß, wer aus dem Mund des Jüngers spricht: „Weiche von mir, Satan!“

Im Lukasevangelium: „Jesus festigte sein Angesicht, da erschraken sie.“ Es ist eine Entschlossenheit im Herzen Jesu.

Jesus gibt sich keinen Illusionen hin, er macht sich nichts vor, so wie wir manchmal sagen: Wir werden das schon hintrixn, wie’s uns am besten passt. Im klaren Wissen um die Zukunft weiß er, welchen Weg er gehen muss. An diesem „Ja“ zu dem kommenden Leiden hält Jesus fest. Er betont ausdrücklcih: „Niemand entreisst mir mein Leben, ich gebe es freiwillig hin.“ Es geschieht in der Freiwilligkeit der Liebe – bis zur Vollendung, bis zum Liebestod. Weil er die Seinen liebte, liebte er sie bis zur Vollendung.

Als Jesus verraten wird, spielt sich Petrus nochmal auf, er fuchtelt mit dem Schwert in der Nacht herum. Jesus sagt: „Steck dein Schwert in die Scheide. Glaubst du nicht, dass ein Wort genügt, und mein Vater sendet zwölf Legionen von Engeln?“

Jesus spricht dieses eine Wort nicht. Es kommt nur ein Engel in der Ölbergnacht, der ihn in seinem JA bekräftigt. In jeder Phase des Todesleidens Christi hätte der Herr sagen können: „Jetzt reicht‘s mir, jetzt ist es genug.“ Es ist wiederum Satan, der durch den Mund der Hohenpriester spricht: „Steig herab vom Kreuz, dann glauben wir an dich.“ Aber er steigt nicht herab, nicht weil er nicht herabsteigen kann, sondern weil er nicht will. Die Nägel halten ihn nicht fest, es ist sein eigener Wille!

Jesus hat den Querbalken des Kreuzes getragen, mit ausgestreckten Armen war er festgebunden. Wenn er stürzt, dann stürzt er auf sein Antlitz, er kann sich ja nicht abstützen mit den Händen. Jesus ist sicher öfters gestürzt. Er hätte sicher sagen können: „Jetzt mache ich nicht weiter, ich will nicht mehr.“

Würden wir einen Kranken im Spital fragen: „Willst du heim?“ Und es hinge nur von seinem Wort „Ja“ ab, und er könnte gesund nach Hause gehen, wer würde da noch bleiben?

Das Leiden unseres Herrn zeigt uns seine große Liebe! Jesus hat wirklich alles auf sich genommen. Er hat an alle gedacht und an jeden einzelnen. Er denkt an jeden einzelnen von uns, als gäbe es keinen zweiten oder dritten. Bedenken wir einmal, wieviel wir Jesus wert sind!!!!!

Jesus sagt zur sel. Angela von Folinger: „Ich habe dich nicht zum Scherz geliebt.“

Deshalb darf man mit der Liebe Christi nicht spielen, es ist ihm todernst.

Mit seinem Leiden verbindet sich das freiwillige Leiden und Lieben seiner Mutter. Sie wurde nicht gezwungen, als sie unter dem Kreuz stand. Sie hat tiefen Einblick in die Seele ihres Sohnes. Nur durch sein Blutvergießen kann Erlösung geschehen. Sie hat ihm keine Vorwürfe gemacht, nicht gesagt, er soll den letzten Gang nach Jerusalem nicht machen. Als sie unterm Kreuz steht, sagt sie nicht, er soll herabsteigen, er hat sich schon genug angestrengt. Sie durchkreuzt die Pläne des Herrn nicht, sie erschwert ihm seine Sendung nicht. Sie unterstützt ihn durch ihr Ausharren. Sie bleibt unter dem Kreuz, nicht weil sie jemand zwingt, sondern aus Liebe zu ihrem Sohn, sie will ihr Kind nicht allein lassen. Sie ist zur geistlichen Mutter aller Kinder geworden, dass er ihr das sagt, ist nur eine Bestätigung. Ihr Leiden ist als Geburtsschmerz zu verstehen. Der Erstgeborene hat ihr keine Schmerzen bereitet, es war eine Geburt ohne Leiden und Schmerzen, da ist sich die Kirche einig. Die Nachgeborenen aber haben ihr unendlich viel gekostet.

„Gedenke deiner Mutter und der Schmerzen, die sie um deinetwillen gelitten hat.“

Wir müssen Maria danken, denn sie hat ausserordentlich viel gelitten und erduldet – für uns! Für Maria trifft nicht das zu, was für Jesus zutrifft, sie dachte nicht an jeden einzelnen, sie ist ja auch nicht Gottes Sohn. Jetzt aber, da sie im Himmel ist, überschaut sie uns alle. Um der Auserwählten willen hat sie soviel Kreuz auf sich genommen, in der Freiheit der Liebe.

Das Kruzifix ist das Buch der unendlichen Liebe. Wenn wir eine Marienstatue sehen, müssen wir danken und bedenken: „Du hat um meinetwillen soviel mitgemacht. Hilf mir, dass ich jetzt treu bleibe und mein Kreuz dir zuliebe trage.

 

7. Betrachtung

Die Gottesbegegnung Moses auf dem Berg Sinai, dem Schicksalsberg des Mose:

Gott spricht mit ihm von Angesicht zu Angesicht, in großer Familiarität. Mose war ein demütiger Mann, demütiger als alle Menschen der Erde. Mose war ein bevorzugter Prophet. Viele haben ihn verachtet, vor allem die Führer der 12 Stämme. Mose bittet Gott, seine Herrlichkeit zu schauen, und Gott erfüllt seine Bitte: „Ich will meine ganze Schönheit an dir vorüberziehen lassen.“

Gott ist schön – Mose hatte einen Vorgeschmack des Himmels erfahren. Als er vom Berg Sinai hinabsteigt, strahlt er ein Licht von seinem Innersten aus, das Licht des Herrn. Das beunruhigt die Volksgenossen, er muss daher einen Schleier über seinem Haupt tragen. Er war mit Gnade erfüllt.

Am Berg Sinai hat auch der Prophet Elija eine Gottesbegegnung:

Er hatte schwer zu kämpfen, den Glauben an Jahwe wiederherzustellen. Er sucht Stärkung am Berg Sinai und versteckt sich in der Höhle. Aber Gott entdeckt ihn. Er gibt sich Elija zu erkennen, in einem sanften Säuseln. In der Kraft der Gottesbegegnung ist er zum Volk zurückgekehrt, um den ihm aufgetragenen Kampf wieder aufzunehmen.

Im Neuen Testament nimmt der Berg Tabor die Stellung des Sinai ein. Mose und Elija sprechen mit Jesus über das Ende, das sich in Jerusalem erfüllen wird. Der Leib des Herrn leuchtet, dieses Leuchten kommt von innen. Es ist, als sei eine Hülle entfernt, und nun sieht man die Wirklichkeit. Das ist nicht das eigentliche Wunder, das Wunder ist, dass man es nicht immer sehen konnte.

Gott ist Licht! In ihm gibt es keine Dunkelheit.

Bedenken wir die Einheit von Seele und Leib. Dass Jesus in der Gestalt eines bloßen Menschen unter uns weilt, das ist ein Wunder des demütigen Verbergens.

Die Jünger sind ganz durcheinander, sie wollen gar nicht zurück. Petrus wollte gleich drei Hütten bauen.

Die Heiligen, die in Gottes Gegenwart leben, strahlen das Licht aus.

Vom Hl. Konrad von Parzham wird erzählt: Mitten in der Nacht war die Kirche hell erleuchtet, aber es war nur ein Beter drinnen – nämlich Konrad.

Jesu Verklärung stärkt die Seele des Herrn. Jetzt beginnt nämlich erst der Leidensgang. Jesus hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen. Er weiß um den Lohn, er weiß um die Auferstehung. Die Jünger sollen eingeführt werden in dieses Geheimnis. Sie werden Zeugen seiner geheimnisvollen Verherrlichung sein und erhalten jetzt schon einen Vorgeschmack.

Betrachten wir die Auferstehung näher:

1. Kor 15, 3 f. à Hl. Paulus schreibt eine Glaubensformel, die wir auch im Glaubensbekenntnis beten: „Christus ist gestorben, begraben worden und auferstanden.“ Der Hl. Paulus fügt dazu: „gemäß der Schrift“. Das darf also keinen verwundern. Das ist also Prophezeihung und Erfüllung.

Der Hl. Ignatius von Antiochien fügt bei: „Jesus ist wirklich gestorben, wirklich begraben worden und wirklich auferstanden.“ Das ist nicht symbolisch! Der Auferstehungsglaube beruht auf historischen Tatsachen.

Die Emmausjünger werden mit der Botschaft empfangen: „Der Herr ist wirklich auferstanden!“

Wir kennen die Stunde nicht, nur die Nacht kennt sie. In der Osternacht singen wir daher: „O glückselige Nacht, ...“

„Die Sache Jesus geht weiter“ – was heißt das?

Viele glauben: das Grab ist leer – das ist egal. Das hat keine Bedeutung! Wenn man so denkt, hat das aber die größten zerstörerischen Konsequenzen. Man redet ja auch so von Napoleon, aber der ist schon längst tot.

Das Grab ist leer. Das bringt noch nicht den Auferstehungsglauben als logische Konsequenz, aber es stützt ihn.

Der Hl. Petrus sagt: „Wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt ...“ (2. Petr 1,16)

Wenn solche Märchen erzählt werden, dass sterbliche Überreste von Jesus gefunden wurden, dann ist das ein Angriff auf die Herzmitte Jesu Christi.

Die Identität des Leibes Christi ist gekennzeichnet durch sein Leiden, durch seine Wundmale. Thomas betastet ja die Wundmale. Was neu ist, ist die Daseinsweise des Leibes, es ist eine neue, himmlische Daseinsweise.

Lazarus wird ins Leben zurückgerufen, er kehrt in sein früheres Leben zurück, in seine frühere Daseinsweise, er stirbt den Tod, den wir alle sterben später ein zweites Mal.

Jesus kommt in einer anderen Daseinsweise wieder. Die Auferstehung Christi ist etwas ganz Neues. Für ihn beginnt ein neues Leben. Wenn wir das nicht glauben, müssen wir auch den Glauben an die Eucharistie aufgeben, der Empfang der Hl. Kommunion wäre nur mehr symbolisch. Das ist es aber nicht. Es ist derselbe Leib, den ich empfange, herausgehoben aus der Physik, aus den Naturgesetzen unserer Welt. Wir empfangen jenen Leib, der geschunden worden und auferstanden ist, den Maria Magdalena festzuhalten versuchte und den Thomas betastet hat.

Wenn wir kommunizieren, werden wir zu dem, was wir empfangen. Die Hl. Kommunion ist die Arznei der Sterblichen.

Unser Leib hat eine Ewigkeitsbestimmung. Nicht nur die Seele zählt in den Augen des Herrn, auch der Leib soll teilhaben an den Freuden des Himmels. Wir werden unseren Leib wieder erhalten, aber auf eine andere, verklärte Weise. Der ganze Mensch hat eine wunderbare Berufung.

Wir nehmen unser Kreuz auf uns, angesichts der Freude, die uns erwartet. Ein Augenblick des Himmels lässt uns all das Schwere, die Mühsal und Plage ertragen!

 

8. Betrachtung

Viele meinen, wenn eine Liebe rein, selbstlos ist, dann darf sie keinen Lohn erwarten. Das ist aber nicht die Lehre des Evangeliums, die Lehre des Herrn. Er spricht sehr oft vom Lohn, zB bei den Seligpreisungen.

„Siehe ich komme, und mit mir mein Lohn.“ (vgl. Offb 22,12)

Mt. 10,41: Wer einen Propheten aufnimmt, wird den Lohn eines Propheten erhalten. ...“

Im Alten Testament gibt es eine Schunamitin, bei ihr war der Prophet Elischa oft vorübergekommen. Sie wollte das Obergemach für ihn ausbauen.

Der Hl. Gregor der Große erklärt die Biebelstelle „Wer einen Propheten aufnimmt ...“: Der Lohn wird nicht gegeben, wegen des Propheten, sondern der Lohn des Propheten. Er wird den Lohn erhalten, als wäre er selbst ein Prophet.

Aufnehmen meint, ihn annehmen, ihn in seiner Begnadung anerkennen. Ich anerkenne die Sendung dieses Menschen. Ich beuge mich daher der damit verbundenen Autorität.

Das mit dem Lohn muss dann ja auch für den ersten Propheten, den Messias gelten – der Lohn des Messias.

„Er kam in seine Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen, die ihn aber aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu sein.“ Sie werden durch Gnade all das ihr eigen nennen dürfen, was der Sohn von Haus aus hatte. Maria hat ihn aufgenommen, nicht irgendwie, halbherzig, sondern in lauterer, reiner Liebe. Der Lohn Jesu Christi wird auch der Lohn Mariens sein.

Jesus ist am Kreuz erhöht worden, er ist in die Herrlichkeit des Vaters eingegangen, alle Engel und Heiligen huldigen ihm. Das ist der Lohn für seine Leiden. „Jetzt ist die Stunde gekommen, da der Menschensohn verherrlicht wird“ – sagt Jesus vor seinem Leid.

So hat Jesus einen unvorstellbar hohen, herrlichen Lohn erhalten. Er sitzt zur Rechten des Vaters, sein Leib ist verklärt, und alle Knie im Himmel und auf Erden und unter der Erde müssen sich vor ihm beugen.

Und den Lohn Jesu wird auch Maria zuteil, sie wird aufgenommen in den Himmel, und gekrönt. So wie in Jesus die Fülle der Gottheit wohnt, so ist in Maria die Fülle der Gnade offenbar.

Der Leib der Heiligen erwartet noch die Verklärung, Maria hat ihren verklärten Leib schon.

Es ist nicht verboten, an einen Lohn zu denken. Der Lohn gilt den, der Jesus aufnimmt. Wir nehmen nicht einen Gerechten auf, sondern den Gerechten schlechthin, nicht einen Propheten, sondern den Gottesmann, den ersten Propheten, schlechthin.

„Maria, hilf mir, Jesus in meinem Herzen eine würdige Wohnung zu bereiten, o Mutter hilf mir, ihn in der Hl. Kommunion so aufzunehmen, wie du es getan hast.“

Auch wir werden dann mit Herrlichkeit und Ehre bekleidet sein. Und wir werden mit ihm auf einen Thron sitzen. Die Speise des Herrn, das verborgene Manna, wird auch unsere Speise sein.

Unsere Zukunft ist es, den Lohn des Herrn zu empfangen.

Wir werden unseren Leib zurückerhalten und er wird mit all dem ausgestattet sein, mit dem der Leib des Herrn ausgestattet ist, er wird uns in keiner Weise mehr zur Last fallen.

Wir dürfen erwarten, nach dem Durchwandern des Jammertals, seinen hohen Lohn zu erhalten.

Jesus ist nicht kleinlich, wenn es darum geht, unsere Mühen zu belohnen.

 

9. Betrachtung

Betrachten wir die „Welt“ des Hohenliedes – das muss mehr sein, als ein bloßes Liebeslied!!!

Hier wird das Verhältnis meiner Seele (Braut) zu Gott (dem Bräutigam) beschrieben. Wir begegnen einer Braut, die untröstlich und durcheinander ist, weil ihr Bräutigam fort ist. Sie macht sich auf die Suche nach ihm, sie durchstreift die Straßen Jerusalems, bei Nacht, und stellt immer wieder die Frage: „Habt ihr ihn gesehen, ihn, den meine Seele liebt?“ Dann findet sie ihn, sie hält in fest „bis ich ihn in das Haus meiner Mutter brachte, in die Kammer derer, die mich gebar.“ Dort will sie nun mit ihm verweilen. Sie brachte ihn nicht in ihr eigenes Haus.

In einer anderen Situation des Suchens und Findens heisst es: „In das Haus meiner Mutter will ich dich führen, dort sollst du mich lehren!“

Das Haus der Mutter ist das Unbefleckte Herz Mariens, hier haben wir ein wirkliches Zuhause finden dürfen, in diesem Haus sind wir immer willkommen, und hier hat Jesus seinen Lehrstuhl aufgestellt. Hier ist eine Schule eingerichtet, und ich darf Schüler des besten Lehrers überhaupt sein. Für die geistliche Belehrung und die Ernährung der Seele hat Gott einen Ort geschaffen. Der Hl. Franziskus hat gesagt: „Verlasst nie diesen Ort.“ Er meinte die Kapelle Portiuncula in Santa Maria degli Angeli.

Hier will Gott mir aus der Fülle der Weisheit mitteilen. Maria war selbst Schüler ihres Sohnes. Es gibt Schüler, die ihre Lehrer glücklich machen, sie vergessen nichts, man muss nichts zweimal sagen, sie sind lernbegierig. Maria war eine solche Schülerin. Sie nahm auf und bewahrte alles in ihrem Herzen, nichts ging verloren.

Aber Maria war auch Lehrerin ihres Sohnes, er wollte ja in allem uns gleich sein, deshalb kam er als kleines Kind in die Welt. Maria lehrte Jesus die ersten Gebete. Jesus konnte beten, er wusste alles über Opfer, Heiligung des Sabbat, usw. Aber er wollte es von Maria lernen, in allem uns gleich, ausser der Sünde!

Er will von Maria lernen, deshalb hat er sie nicht unterbrochen und abgewiesen. Maria erzählt von Gott, von der Geschichte des Volkes Israel, sie erklärt die Liturgie der Synagoge, den Sinn des Opfers in Jerusalem, und sie liest gemeinsam mit Jesus aus der Hl. Schrift, sie betet mit ihm.

Hier wird auch etwas von unserer eigenen Berufung deutlich: Wir sollen uns nicht von Jesus unterscheiden. Dort wo Jesus gelernt hat, soll auch ich lernen. Die Hl. Kommunion empfangen bedeutet, den gefunden zu haben, den meine Seele liebt. Dann bringen wir ihn in das Haus unserer Mutter: „Dort wirst du mich lehren!“

Jesus ist der Bräutigam, und meine Seele ist die Braut Christi. Oft wird gesagt, dass das Kitsch ist. Aber es ist die Wahrheit, die Wirklichkeit.

Das Empfangen der Kommunion geschieht in diesem bräutlichen Geheimnis, es ist eine Vermählung. „Siehe, deine Mutter!“, das sagen wir jetzt zu Jesus. Wir bitten ihn: „Lehre mich, siehe, dein Diener hört. Lehre mich die Geheimnisse der Liebe!“

Ein Geheimnis der Liebe ist immer das Kreuz.

„Lehre mich, mein tägliches Kreuz auf mich zu nehmen und täglich das „Ja“-Wort zu sprechen, lehre mich aus Liebe zu leiden. Zeige mir, wie ich Jesus trösten kann. Jetzt musst du für mich die Mutter der schönen Liebe sein. Er soll an mir keinen Anstoß finden. Vereinige mich mit Jesus. So will ich bleiben und verharren.“

Maria lehrt mich, eine gute Braut Christi zu sein!

Der Hl. Ignatius v. Loyola war auf dem Weg von Venedig nach Rom, als er zu Maria betete, sie möge ihn Jesus zugesellen.

Das wir das mitwollen, was er will, das erbitten wir von Maria. Das Unbefleckte Herz Mariens wird unser Zuhause sein und der Ort der Vereinigung mit Jesus.

Der Hl. Ludwig Maria von Monfort empfiehlt beim Empfang der Hl. Kommunion zu Maria zu beten: „Leih mir dein Herz, damit ich Jesus würdig aufnehmen kann.“  

Maria ist das heilige Band, das Jesus und mich verbindet.