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ENZYKLIKA
REDEMPTORIS MISSIO
SEINER HEILIGKEIT
PAPST JOHANNES PAUL II
ÜBER DIE FORTDAUERNDE GÜLTIGKEIT
DES MISSIONARISCHEN AUFTRAGES
Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, Gruß und Apostolischen Segen!
EINLEITUNG
1. Die Sendung Christi, des Erlösers, die der Kirche anvertraut ist, ist
noch weit davon entfernt, vollendet zu sein. Ein Blick auf die Menschheit
insgesamt am Ende des zweiten Jahrtausends zeigt uns, daß diese Sendung
noch in den Anfängen steckt und daß wir uns mit allen Kräften für den
Dienst an dieser Sendung einsetzen müssen. Der Geist ist es, der dazu
ermuntert, die Großtaten Gottes zu verkünden: »Ich kann mich deswegen
nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das
Evangelium nicht verkünde!« (1 Kor 9, 16).
Im Namen der ganzen Kirche fühle ich die Verpflichtung, diesen Ruf des
Apostels Paulus erneut aufzugreifen. Seit dem Beginn meines Pontifikates
habe ich mich entschlossen, bis an die äußersten Enden der Erde zu
reisen, um dieser missionarischen Verantwortung Ausdruck zu verleihen.
Gerade der unmittelbare Kontakt mit den Völkern, die Christus nicht
kennen, hat mich von der Dringlichkeit einer solchen Aktivität, der diese
Enzyklika gelten soll, noch mehr überzeugt. Das Zweite Vatikanische
Konzil wollte das Leben und die Tätigkeit der Kirche in Anpassung an die
Bedürfnisse der heutigen Welt erneuern. Es hat die missionarische
Aufgabe, deren Dynamik es auf die trinitarische Sendung selbst gründete,
in den Vordergrund gestellt. Der missionarische Impuls ist mithin zutiefst
in der Natur des christlichen Lebens verwurzelt und gibt auch der
ökumenischen Bewegung ihre Stoßrichtung: »Alle sollen eins sein: Wie
du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein,
damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast« (Joh 17, 21).
2. Das Konzil hat schon reiche missionarische Früchte getragen. Es
entstanden Ortskirchen mit eigenen Bischöfen, mit Klerus und
Laienaposteln. Die christlichen Gemeinden werden immer intensiver in das
Leben der Völker eingebunden. Die Verbindung der Kirchen untereinander
bringt einen lebhaften Austausch geistlicher und materieller Güter mit
sich. Das kirchliche Leben ist im Begriff, sich durch den
Verkündigungsauftrag an die Laien zu verändern. Die Ortskirchen öffnen
sich für die Begegnung, für den Dialog und für die Zusammenarbeit mit
Mitgliedern anderer christlicher Kirchen und Religionen. Es zeigt sich
insbesondere ein neues Bewußtsein: der Sendungsauftrag gilt für alle
Christen, für alle Diözesen und Pfarreien, für die kirchlichen
Institutionen und Vereinigungen.
In diesem »neuen Frühling« des Christentums kann jedoch nicht eine
negative Tendenz übersehen werden, der mit diesem Schreiben begegnet
werden soll: die eigentliche Sendung ad gentes scheint nachzulassen, was
gewiß nicht den Weisungen des Konzils und den damit zusammenhängenden
Aussagen des Lehramtes entspricht. Innere und äußere Schwierigkeiten
haben den missionarischen Schwung im Hinblick auf die Nicht-Christen
erlahmen lassen. Diese Tatsache muß allen, die an Christus glauben, zu
denken geben. In der Geschichte der Kirche ist die Befolgung des
missionarischen Auftrages immer ein Zeichen kraftvollen Lebens gewesen,
wie die Nachlässigkeit diesem gegenüber Zeichen einer Glaubenskrise
ist.(1)
Fünfundzwanzig Jahre nach Beendigung des Konzils und nach der
Veröffentlichung des Dekretes über die missionarische Tätigkeit der
Kirche Ad Gentes, fünfzehn Jahre nach dem Apostolischen Schreiben
Evangelii Nuntiandi von Papst Paul VI. ehrwürdigen Angedenkens möchte
ich in Fortführung des Lehramtes meiner Vorgänger(2) zu dieser Frage die
Kirche zu einer Erneuerung des missionarischen Eifers einladen. Das
vorliegende Dokument hat eine innere Zielrichtung: die Erneuerung des
Glaubens und des christlichen Lebens. Durch die Mission wird die Kirche
tatsächlich erneuert, Glaube und christliche Identität werden bestärkt
und erhalten neuen Schwung und neue Motivation. Der Glaube wird stark
durch Weitergabe! Die neue Evangelisierung der christlichen Völker findet
Anregung und Halt im Einsatz für die sich weltweit betätigende Mission.
Aber was mich noch mehr zur Betonung der Dringlichkeit der missionarischen
Verkündigung bewegt, ist die Tatsache, daß diese vorrangig den Dienst
ausmacht, den die Kirche jedem Menschen und der ganzen Menschheit von
heute erweisen kann. Die Menschheit hat zwar erstaunliche Errungenschaften
aufzuweisen, aber sie scheint den Sinn für letzte Wirklichkeiten und für
das Dasein selbst verloren zu haben. »Christus, der Erlöser, macht - wie
ich in meiner ersten Enzyklika schrieb - dem Menschen den Menschen selbst
voll kund. Der Mensch, der sich selbst bis in die Tiefe verstehen will,
muß sich Christus nahen. Die Erlösung, die durch das Kreuz erfolgt ist,
hat dem Menschen endgültig seine Würde und den Sinn seiner Existenz in
der Welt zurückgegeben«.(3)
Es gibt auch noch andere Leitgedanken und Beweggründe: vielen Anfragen
soll durch ein solches Schreiben eine Antwort gegeben werden; Zweifel und
Unklarheiten bezüglich der Mission ad gentes sollen beseitigt werden;
diejenigen Schwestern und Brüder, die sich der missionarischen Tätigkeit
widmen, und jene, die ihnen dabei behilflich sind, sollen in ihrem Einsatz
bestärkt werden; die Missionsberufe sollen gefördert werden; die
Theologen sollen ermutigt werden, die verschiedenen Aspekte der Mission zu
vertiefen und systematisch darzulegen, an den Gedanken der Mission im
eigentlichen Sinn soll erinnert werden, indem die Ortskirchen,
insbesondere die jungen, Missionare schicken und aufnehmen; den
Nicht-Christen, besonders den Behörden jener Länder, denen die
missionarische Tätigkeit gilt, soll versichert werden, daß letztere nur
ein Ziel hat, nämlich dem Menschen zu dienen, indem man ihm die in Jesus
Christus erschienene Liebe Gottes aufzeigt.
3. Ihr Völker alle, öffnet eure Tore für Christus! Sein Evangelium tut
der Freiheit des Menschen, der anderen Kulturen gebührenden Achtung,
allem Positiven in jeder Religion keinen Abbruch. Wenn ihr Christus
aufnehmet, öffnet ihr euch dem endgültigen Wort Gottes, jenem
gegenüber, in dem Gott sich restlos zu erkennen gab und uns den Weg zu
ihm gewiesen hat.
Die Zahl jener, die Christus nicht kennen und nicht zur Kirche gehören,
ist ständig im Wachsen; seit dem Ende des Konzils hat sie sich sogar
beinahe verdoppelt. Diese ungeheure Zahl von Menschen wird vom Vater, der
für sie seinen Sohn gesandt hat, geliebt; die Dringlichkeit der Mission
für sie liegt klar auf der Hand.
Andererseits bietet unsere Zeit der Kirche auf diesem Gebiet neue
Möglichkeiten: der Zusammenbruch von Ideologien und oppressiven
politischen Systemen; die Öffnung der Grenzen und das Entstehen einer
dank der wachsenden Informationsangebote sich einenden Welt; die
Durchsetzung bei den Völkern jener evangelischen Werte, die Jesus in
seinem Leben verkörpert hat (Friede, Gerechtigkeit, Brüderlichkeit,
Sorge für die Kleinen); eine fortschreitende Seelenlosigkeit in
Wirtschaft und Technik läßt die Suche nach der Wahrheit über Gott,
über den Menschen, über den Sinn des Lebens besonders dringlich
erscheinen.
Gott öffnet der Kirche die Horizonte einer Menschheit, die für den Samen
des Wortes der Frohbotschaft leichter empfänglich ist. Ich halte die Zeit
für gekommen, da alle kirchlichen Kräfte für die neue Evangelisierung
und für die Mission ad gentes einzusetzen sind. Keiner, der an Christus
glaubt, keine Institution der Kirche kann sich dieser obersten Pflicht
entziehen: Christus muß allen Völkern verkündet werden.
KAPITEL I
JESUS CHRISTUS, ALLEINIGER ERLÖSER
4. »Die grundlegende Aufgabe der Kirche in allen Epochen und besonders in
der unsrigen ist es - so rief ich in der ersten programmatischen Enzyklika
in Erinnerung - den Blick des Menschen, das Bewußtsein und die Erfahrung
der ganzen Menschheit auf das Geheimnis Christi zu lenken«.(4)
Die weltweite Sendung der Kirche kommt aus dem Glauben an Jesus Christus,
wie es im Bekenntnis des Glaubens an den dreieinigen Gott heißt: »Ich
glaube an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn. Er ist
aus dem Vater geboren vor aller Zeit ... Für uns Menschen und um unseres
Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen. Er hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist, aus Maria, der Jungfrau, und ist Mensch
geworden.«(5) Im Ereignis der Erlösung ist das Heil aller begründet,
»denn jeder ist vom Geheimnis der Erlösung betroffen, mit jedem ist
Christus für immer durch dieses Geheimnis verbunden«.(6) Allein im
Glauben kann die Sendung verstanden werden, auf ihn hin ist sie
gegründet.
Und dennoch fragen sich einige, auch im Hinblick auf die Veränderungen in
der modernen Welt und der Verbreitung neuer theologischer Ideen: Ist die
Mission unter den Nicht-Christen noch aktuell? Wird sie vielleicht durch
den Dialog unter den Religionen ersetzt? Ist die Förderung im Bereich des
Menschlichen nicht eines ihrer Ziele, das genügt? Schließt nicht die
Achtung vor dem Gewissen und vor der Freiheit jeden Bekehrungsversuch aus?
Kann man nicht in jeder Religion gerettet werden? Warum also Mission?
»Keiner kommt zum Vater außer durch mich« (Joh 14, 6)
5. Wenn wir zu den Ursprüngen der Kirche zurückgehen, so finden wir dort
die klare Aussage, daß Christus der alleinige Erlöser von allen ist,
jener, der allein Gott auszusagen und zu ihm zu führen vermag. Den
jüdischen religiösen Behörden, die die Apostel wegen der durch Petrus
gewirkten Heilung am Gelähmten befragen, erwidert dieser: »Im Namen Jesu
Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den
Toten auferweckt hat, steht dieser Mann gesund vor euch ... In keinem
anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name
unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen« (Apg 4,
10.12 ).
Diese Aussage hat universale Bedeutung, weil für alle - Juden wie Heiden
- das Heil nur von Jesus Christus kommen kann.
Die von Christus gewirkte Universalität des Heiles wird im ganzen Neuen
Testament bezeugt. Paulus anerkennt im auferstandenen Christus den Herrn:
»Und selbst wenn es im Himmel oder auf der Erde sogenannte Götter gibt -
und solche Götter und Herren gibt es viele -, so haben doch wir nur einen
Gott, den Vater. Von ihm stammt alles, und wir leben auf ihn hin. Und
einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind
durch ihn« (1 Kor 8, 5-6). Der einzige Gott und der alleinige Herr stehen
im Gegensatz zur Vielheit von »Göttern« und »Herren«, die vom Volk
angenommen waren. Paulus reagiert gegen den Polytheismus der religiösen
Umwelt seiner Zeit und stellt das Charakteristische des christlichen
Glaubens heraus: Glaube an einen einzigen Gott und an einen einzigen, von
Gott gesandten Herrn.
Im Johannesevangelium umfaßt diese Universalität des Heiles Christi die
Aspekte seiner Sendung von Gnade und Wahrheit, von Heil und Offenbarung:
Das Wort ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet (vgl. Joh 1,
9). Und weiter: »Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige, der Gott ist
und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht« (Joh 1, 18; vgl. Mt
11, 27). Die Offenbarung Gottes wird endgültig und ist vollendet durch
das Wirken seines eingeborenen Sohnes: »Gott, der viele Male und auf
vielerlei Weise einst zu den Vätern gesprochen hat durch die Propheten,
hat in dieser Endzeit zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben
des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat« (Hebr
1, 1-2; vgl. Joh 14, 6). In diesem endgültigen Wort seiner Offenbarung
hat Gott sich in vollendetster Weise der Welt zu erkennen gegeben: er hat
der Menschheit mitgeteilt, wer er ist. Und diese endgültige
Selbstoffenbarung Gottes ist der tiefste Grund, weshalb die Kirche ihrer
Natur nach missionarisch ist. Sie kann nicht davon absehen, das
Evangelium, d.h. die Fülle der Wahrheit, die Gott uns über sich selbst
zur Kenntnis gebracht hat, zu verkünden.
Christus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen. »Einer
ist Gott, einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch
Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein
Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit, als dessen Verkünder und Apostel ich
eingesetzt wurde - ich sage die Wahrheit und lüge nicht - , als Lehrer
der Heiden im Glauben und in der Wahrheit« (1 Tim 2, 5-7; vgl. Hebr 4,
14-16). Die Menschen können demnach mit Gott nicht in Verbindnung kommen,
wenn es nicht durch Jesus Christus unter Mitwirkung des Geistes geschieht.
Durch seine einzigartige und universale Mittlertätigkeit, weit entfernt
davon, Hindernis auf dem Weg zu Gott zu sein, ist er der von Gott selbst
bestimmte Weg. Er ist sich dessen voll bewußt. Andere Mittlertätigkeiten
verschiedener Art und Ordnung, die an seiner Mittlerschaft teilhaben,
werden nicht ausgeschlossen, aber sie haben doch nur Bedeutung und Wert
allein in Verbindung mit der Mittlerschaft Christi und können nicht als
gleichrangig und notwendiger Zusatz betrachtet werden.
6. Es widerspricht dem christlichen Glauben, wenn man eine, wie auch immer
geartete, Trennung zwischen dem Wort und Jesus Christus einführt.
Johannes sagt klar, daß das Wort, das am Anfang bei Gott war, dasselbe
ist wie jenes, das Fleisch geworden ist (vgl. Joh 1, 2.14). Jesus ist das
fleischgewordene Wort, eine einzige und unteilbare Person. Man kann auch
nicht Jesus von Christus trennen oder von einem »Jesus der Geschichte«
sprechen, der vom »Christus des Glaubens« verschieden wäre. Die Kirche
kennt und bekennt Jesus als »den Christus, den Sohn des lebendigen
Gottes« (Mt 16, 16): Christus ist kein anderer als Jesus von Nazareth,
und dieser ist das für das Heil aller menschgewordene Wort Gottes. In
Christus »wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes« (Kol 2, 9) und »aus
seiner Fülle haben wir alle empfangen« (Joh 1, 16). Der »einzige Sohn,
der am Herzen des Vaters ruht« (Joh 1, 18), ist »der geliebte Sohn,
durch den wir die Erlösung haben« (Kol 1, 13-14). Im Heilsplan Gottes
ist das Wort nicht zu trennen von Christus: »Denn Gott wollte mit seiner
ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im
Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet
hat am Kreuz durch sein Blut« (Kol 1, 19-20). Gerade diese
Einzigartigkeit Christi ist es, die ihm eine absolute und universale
Bedeutung verleiht, durch die er, obwohl selbst Teil der Geschichte, Mitte
und Ziel der Geschichte selbst ist:(7 )»Ich bin das Alpha und das Omega,
der erste und der letzte, der Anfang und das Ende« (Off 22, 13).
Wenn es also möglich und nützlich ist, die verschiedenen Aspekte des
Geheimnisses Christi ins Auge zu fassen, so darf man dennoch nie seine
Einheit außer acht lassen. Während wir darangehen, die von Gott jedem
Volk zugeteilten Gaben aller Art, insbesondere die geistigen, zu entdecken
und zu bewerten, können wir solche Jesus Christus, der im Zentrum des
göttlichen Heilsplanes steht, nicht absprechen. Wenn »der Sohn Gottes
sich in seiner Menschwerdung mit jedem Menschen vereinigt«, so »müssen
wir festhalten, daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet,
diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu
sein«.(8) Es ist Gottes Absicht, »in Christus alles zu vereinen, alles,
was im Himmel und auf Erden ist« (Eph 1, 10).
Der Glaube an Christus ist ein Angebot an die Freiheit des Menschen
7. Die Dringlichkeit missionarischer Tätigkeit geht aus der von Christus
gebrachten und von seinen Jüngern gelebten grundlegenden Erneuerung des
Lebens hervor. Dieses neue Leben ist Gabe Gottes. Von seiten des Menschen
ist erforderlich, sie einzulassen und ihr zum Wachstum zu verhelfen, wenn
er sich selbst entsprechend seiner ganzheitlichen Berufung nach dem Bild
Christi verwirklichen will. Das ganze Neue Testament ist ein Loblied auf
das neue Leben des Menschen, der an Christus glaubt und in seiner Kirche
lebt. Das von der Kirche bezeugte und verkündete Heil in Christus ist
Selbstmitteilung Gottes: »Es ist die Liebe, die nicht nur das Gute
hervorbringt, sondern am Leben Gottes selbst, des Vaters, des Sohnes und
des Heiligen Geistes, teilhaben läßt. Wer liebt, den drängt es ja, sich
selbst zum Geschenk zu machen.«(9)
Gott bietet dem Menschen dieses neue Leben an. »Kann man Christus und all
das, was er in die Geschichte des Menschen einbrachte, verwerfen?
Natürlich kann man. Der Mensch ist frei. Doch eine prinzipielle Frage:
Darf man? Und: In wessen Namen darf man?«(10)
8. In der modernen Welt neigt der Mensch dazu, sich auf die horizontale
Dimension einzuengen. Aber was wird aus dem Menschen ohne Öffnung auf das
Absolute hin? Die Antwort liegt innerhalb des Erfahrungsbereiches jedes
Menschen, sie ist aber auch eingeschrieben in die Geschichte der
Menschheit mit dem im Namen von Ideologien und politischen Regimen
vergossenen Blut, die »eine neue Menschheit« ohne Gott aufbauen
wollten.(11)
Im übrigen gibt das Zweite Vatikanische Konzil jenen eine Antwort, denen
die Erhaltung der Gewissensfreiheit ein Anliegen ist: »Die menschliche
Person hat das Recht auf religiöse Freiheit. Diese Freiheit besteht
darin, daß alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang, sowohl von
seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher
menschlichen Gewalt, so daß in religiösen Dingen niemand gezwungen wird,
gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat oder
öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen innerhalb der
gebührenden Grenzen nach seinem Gewissen zu handeln.«(12)
Verkündigung und Zeugnis für Christus verletzen die Freiheit nicht, wenn
sie mit Achtung vor dem Gewissen erfolgen. Der Glaube verlangt die freie
Zustimmung des Menschen. Aber er muß angeboten werden, weil »alle
Menschen das Recht haben, den Reichtum des Geheimnisses Christi
kennenzulernen, worin, nach unserem Glauben, die Menschheit in
unerschöpflicher Fülle alles das finden kann, was sie suchend und
tastend über Gott, über den Menschen und seine Bestimmung, über Leben
und Tod und über die Wahrheit in Erfahrung zu bringen sucht. Darum ist
die Kirche darauf bedacht, ihren missionarischen Elan lebendig zu
erhalten, ja ihn im geschichtlichen Augenblick unserer heutigen Zeit noch
zu verstärken.«(13) Es ist aber auch, wiederum mit dem Konzil, zu sagen,
daß die Menschen, »weil sie Personen sind, d.h. mit Vernunft und freiem
Willen begabt und damit auch zu persönlicher Verantwortung erhoben, alle
- ihrer Würde gemäß - von ihrem eigenen Wesen gedrängt und zugleich
durch eine moralische Pflicht gehalten werden, die Wahrheit zu suchen, vor
allem jene Wahrheit, welche die Religion betrifft. Sie sind auch dazu
verpflichtet, an der erkannten Wahrheit festzuhalten und ihr ganzes Leben
nach den Forderungen der Wahrheit zu ordnen.«(14)
Die Kirche als Zeichen und Werkzeug des Heiles
9. Als erste kann die Kirche von der Wohltat des Heiles Nutzen ziehen.
Christus hat sie sich mit seinem Blut erworben (vgl. Apg 20, 28) und sie
als seine Mitarbeiterin im universalen Heilswerk eingesetzt. Wirklich,
Christus lebt in ihr, ist ihr Bräutigam, wirkt ihr Wachstum und
vollbringt durch sie seine Sendung.
Das Konzil hat immer wieder ausführlich die Rolle der Kirche für das
Heil der Menschheit betont. Während die Kirche anerkennt, daß Gott alle
Menschen liebt und allen die Möglichkeit gibt, ihr Heil zu wirken (vgl. 1
Tim 2, 4),(15) glaubt sie doch, daß Gott Christus als einzigen Mittler
eingesetzt hat und daß sie selbst als Sakrament umfassenden Heiles
bestellt ist:(16) »Zu dieser katholischen Einheit des Gottesvolkes ...
sind alle Menschen berufen. Auf verschiedene Weise gehören ihr zu oder
sind ihr zugeordnet die katholischen Gläubigen, die anderen an Christus
Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die Gnade
Gottes zum Heil berufen sind.«(17) Man muß diese beiden Wahrheiten
zusammen gegenwärtig haben, die tatsächlich gegebene Möglichkeit des
Heiles in Christus für alle Menschen und die Notwendigkeit der
Anwesenheit der Kirche für dieses Heil. Beide tragen bei zum Verständnis
des einen Heilsgeheimnisses. So können wir der Barmherzigkeit Gottes und
unserer Verantwortung gewahr werden. Das Heil, das immer Gabe des Geistes
ist, erfordert die Mitarbeit des Menschen, sowohl zur Erlangung des
eigenen Heiles wie des Heiles anderer. So hat Gott es gewollt, darum hat
er die Kirche bestellt und sie in den Heilsplan eingesetzt. »Dieses
messianische Volk - sagt das Konzil - ist von Christus als Gemeinschaft
des Lebens, der Liebe und der Wahrheit gestiftet. Es wird von ihm auch als
Werkzeug der Erlösung angenommen und als Licht der Welt und Salz der Erde
in alle Welt gesandt.«(18)
Das Heil ist ein Angebot an alle Menschen
10. Die Universalität des Heiles bedeutet nicht, daß es nur jenen gilt,
die ausdrücklich an Christus glauben und in die Kirche eingetreten sind.
Wenn das Heil für alle ist, muß es allen zur Verfügung stehen. Aber es
ist klar, daß es heute, wie dies früher der Fall war, viele Menschen
gibt, die keine Möglichkeit haben, die Offenbarung des Evangeliums
kennenzulernen und sich der Kirche anzuschließen. Sie leben unter
sozio-kulturellen Bedingungen, die solches nicht zulassen. Oft sind sie in
anderen religiösen Traditionen aufgewachsen. Für sie ist das Heil in
Christus zugänglich kraft der Gnade, die sie zwar nicht förmlich in die
Kirche eingliedert - obschon sie geheimnisvoll mit ihr verbunden sind -,
aber ihnen in angemessener Weise innerlich und äußerlich Licht bringt.
Diese Gnade kommt von Christus, sie ist Frucht seines Opfers und wird vom
Heiligen Geist geschenkt: sie macht es jedem Menschen möglich, bei
eigener Mitwirkung in Freiheit das Heil zu erlangen.
Darum erklärt das Konzil nach der zentralen Aussage über das österliche
Geheimnis: »Das gilt nicht nur für die Christgläubigen, sondern für
alle Menschen guten Willens, in deren Herz die Gnade unsichtbar wirkt. Da
nämlich Christus für alle gestorben ist und da es in Wahrheit nur eine
letzte Berufung des Menschen gibt, die göttliche, müssen wir festhalten,
daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem
österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu
sein.«(19)
»Wir können nicht schweigen« (Apg 4, 20)
11. Was ist nun bezüglich der schon erwähnten Einwende gegen die Mission
ad gentes zu sagen? Bei aller Achtung für andere Überzeugungen und
andere Auffassungen müssen wir vor allem, ohne Überheblichkeit, unseren
Glauben an Christus, den alleinigen Erlöser der Menschen, zum Ausdruck
bringen; den Glauben, den wir ohne irgendein Verdienst unsererseits von
oben empfangen haben. Wir sagen mit Paulus: »Ich schäme mich des
Evangeliums nicht: es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der
glaubt« (Röm 1, 16). Die christlichen Glaubenszeugen aller Zeiten - auch
unserer Zeit - gaben und geben ihr Leben, um diesen Glauben vor den
Menschen zu bekennen, aus der Überzeugung heraus, daß jeder Mensch Jesus
Christus braucht, der die Sünde und den Tod besiegt und die Menschen mit
Gott versöhnt hat.
Christus hat sich als Sohn Gottes bezeichnet, der in enger Verbindung mit
dem Vater als solcher von den Jüngern anerkannt wurde und sein Wort durch
Wunder und durch die Auferstehung von den Toten als wahr erwiesen hat. Die
Kirche bietet den Menschen das Evangelium an, ein prophetisches Dokument,
das Antworten gibt auf die Fragen und Anliegen des Menschenherzens und
immer »gute Nachricht« ist. Die Kirche kann nicht davon Abstand nehmen
zu verkünden, daß Jesus gekommen ist, um das Antlitz Gottes zu
offenbaren und durch Kreuz und Auferstehung für alle Menschen das Heil zu
verdienen.
Auf die Frage warum Mission? antworten wir mit dem Glauben und der
Erfahrung der Kirche: sich der Liebe Christi öffnen bedeutet wahre
Befreiung. In ihm, und in ihm allein, werden wir befreit von jeder
Entfremdung und Verirrung, von der Sklaverei, die uns der Macht der Sünde
und des Todes unterwirft. Christus ist wahrhaft »unser Friede« (Eph 2,
14), und »die Liebe Christi drängt uns« (2 Kor 5,14), die unserem Leben
Sinn und Freude gibt. Die Mission ist eine Frage des Glaubens, sie ist ein
unbestechlicher Gradmesser unseres Glaubens an Christus und seine Liebe zu
uns.
Die Versuchung heute besteht darin, das Christentum auf eine rein
menschliche Weisheit zu reduzieren, gleichsam als Lehre des guten Lebens.
In einer stark säkularisierten Welt ist »nach und nach eine
Säkularisierung des Heiles« eingetreten, für die man gewiß zugunsten
des Menschen kämpft, aber eines Menschen, der halbiert und allein auf die
horizontale Dimension beschränkt ist. Wir unsererseits wissen, daß Jesus
gekommen ist, um das umfassende Heil zu bringen, das den ganzen Menschen
und alle Menschen erfassen soll, um die wunderbaren Horizonte der
göttlichen Kindschaft zu erschließen.
Warum Mission? Weil uns, wie dem heiligen Paulus, »die Gnade geschenkt
wurde, den Heiden den unergründlichen Reichtum Christi zu verkündigen«
(Eph 3, 8). Das neue Leben in ihm ist die »gute Nachricht« für den
Menschen aller Zeiten: alle Menschen sind dazu gerufen und dazu bestimmt.
Alle suchen es in der Tat, wenn auch manchmal verschwommen, und haben das
Recht, die Bedeutung eines solchen Geschenkes kennenzulernen und es zu
erlangen. Die Kirche, und in ihr jeder Christ, kann dieses neue Leben und
dessen Reichtum weder verbergen noch für sich allein zurückhalten, da
dies alles von der göttlichen Güte gegeben wurde, um allen Menschen
mitgeteilt zu werden.
Über den äußeren Auftrag des Herrn hinaus steht zugunsten der Mission
auch das tiefe Bedürfnis des Lebens Gottes in uns. Jene, die in die
katholische Kirche eingegliedert sind, können sich als bevorzugt
empfinden, sind deswegen aber gleichzeitig um so mehr verpflichtet, den
Glauben und das christliche Leben zu bezeugen als Dienst an den Brüdern
und schuldige Antwort an Gott, eingedenk dessen, »daß ihre
ausgezeichnete Stellung nicht den eigenen Verdiensten, sondern der
besonderen Gnade Christi zuzuschreiben ist; wenn sie ihr im Denken, Reden
und Handeln nicht entsprechen, wird ihnen statt Heil strengeres Gericht
zuteil.«(20)
KAPITEL II
DAS REICH GOTTES
12. »Gott, der voll Erbarmen ist, wurde uns von Jesus Christus als Vater
geoffenbart: sein Sohn selbst hat ihn uns in sich kundgetan und
kennengelernt«.(21) Dies schrieb ich zu Beginn der Enzyklika Dives in
misericordia, um zu zeigen, wie Christus die Offenbarung und Verkörperung
der Barmherzigkeit des Vaters ist. Das Heil besteht darin, an das
Geheimnis des Vaters und seiner Liebe zu glauben und es anzunehmen. Diese
Liebe zeigt sich und wird Gabe in Jesus durch den Geist. So vollendet sich
das Reich Gottes, das schon im Alten Bund vorbereitet, durch Christus und
in Christus verwirklicht und von der Kirche allen Nationen verkündet
wurde. Diese wirkt und betet darum, daß es sich in vollkommener und
endgültiger Weise verwirklichen möge.
Das Alte Testament bezeugt, daß Gott sich ein Volk erwählt und geformt
hat, um seinen Plan der Liebe zu offenbaren und zu verwirklichen. Aber
zugleich ist Gott Schöpfer und Vater aller Völker, er trägt Sorge für
alle, sein Segen gilt allen (vgl. Gen 12, 3), mit allen hat er einen Bund
geschlossen (vgl. Gen 9, 1-17). Israel macht die Erfahrung der Existenz
eines persönlichen Gottes und Erlösers (vgl. Dtn 4, 37; 7, 6-8; Jes 43,
1-7) und wird so Zeuge und Verkünder inmitten der Völker. Im Laufe
seiner Geschichte wird sich Israel bewußt, daß seine Erwählung
weltumfassende Bedeutung hat (vgl. z.B. Jes 2, 2-5; 25, 6-8; 60, 1-6; Jer
3, 17; 16, 19).
Christus bewirkt die Anwesenheit des Reiches
13. Jesus von Nazareth bringt den Plan Gottes zur Vollendung. Nachdem er
in der Taufe den Heiligen Geist empfangen hat, tut er seine messianische
Berufung kund: er durchwandert Galiläa, »er verkündet das Evangelium
Gottes und spricht: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist
nahe; kehrt um und glaubt an das Evangelium"« (Mk 1, 14-15; vgl.Mt
4, 17; Lk 4, 43). Die Verkündigung und Errichtung des Reiches Gottes sind
Gegenstand seiner Sendung: »Dazu bin ich gesandt worden« (Lk 4, 43).
Aber da ist noch mehr: Jesus ist selbst die »gute Nachricht«, wie er
schon am Anfang der Sendung in der Synagoge seiner Heimat betont, indem er
die Worte Jesajas über den Gesalbten, der vom Geist des Herrn gesandt
ist, auf sich selbst bezieht (vgl. Lk 4, 14-21). Da Christus also die
»gute Nachricht« ist, besteht kein Unterschied zwischen Botschaft und
Verkünder, zwischen Wort, Handeln und Sein. Seine Kraft, das Geheimnis
der Wirkung seines Handelns liegt in der völligen Identität mit der
Botschaft, die er bringt: er sagt die »gute Nachricht« an, nicht nur in
dem, was er spricht und tut, sondern in dem, was er ist.
Jesu Tätigkeit wird beschrieben im Zusammenhang mit seinen Wanderungen
durch sein Land. Der Horizont seiner Sendung vor Ostern ist mit Israel
umschrieben. Mit Jesus ist jedenfalls etwas Neues von entscheidender
Bedeutung gegeben. Die eschatologische Realität wird nicht auf ein fernes
Ende der Welt verlegt, sie ist schon nahe und beginnt sich zu
verwirklichen. Das Reich Gottes ist nahe (vgl. Mk 1, 15), man soll bitten,
daß es komme (vgl. Mt 6, 10), der Glaube sieht es bereits am Werk in den
Zeichen, wie sie vorhanden sind in den Wundern (vgl. Mt 11, 4-5), in den
Dämonenaustreibungen (vgl. Mk 3, 13-19), in der Verkündigung der
Frohbotschaft an die Armen (vgl. Lk 4, 18). In der Begegnung Jesu mit den
Heiden wird klar, daß der Zugang zum Reich durch den Glauben und durch
Bekehrung (vgl. Mk 1, 15) ermöglicht wird, und nicht einfach durch
völkische Zugehörigkeit.
Das Reich, das Jesus bringt, ist das Reich Gottes. Jesus selbst macht
offenbar, wer dieser Gott ist, dem er zutraulich den Namen »Abba«,
Vater, gibt (vgl. Mk 14, 36). Gott, wie er insbesondere in den
Gleichnissen erscheint (vgl. Lk 15, 3-32; Mt 20, 1-6), ist den Nöten und
Leiden jedes Menschen gegenüber offen: er ist ein liebender Vater, voll
Mitleid, er verzeiht und gewährt ungeschuldet die erbetene Gnade.
Der heilige Johannes sagt uns, daß Gott die Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,
8.16). Jeder Mensch ist demnach eingeladen, »sich zu bekehren« und zu
»glauben« an die barmherzige Liebe, die Gott für ihn hat: das Reich
wird in dem Maße wachsen, in dem jeder Mensch lernt, sich in inniger
Vertrautheit des Gebetes an Gott wie an einen Vater zu wenden (vgl. Lk 11,
2; Mt 23, 9) und indem er sich bemüht, seinen Willen zu erfüllen (vgl.
Mt 7, 21).
Besonderheiten und Erfordernisse des Reiches
14. Jesus offenbart nach und nach die Besonderheiten und Erfordernisse des
Reiches durch sein Wort, durch sein Handeln und überhaupt durch seine
Person.
Das Reich Gottes ist für alle Menschen bestimmt, da alle dazu berufen
sind, darin eingegliedert zu werden. Um diesen Aspekt hervorzuheben hat
Jesus sich insbesondere jenen zugewandt, die am Rande der Gesellschaft
existieren. Er gab ihnen bei seiner Verkündigung der frohen Botschaft den
Vorzug. Am Anfang seiner Tätigkeit verkündete er, daß er gesandt sei,
den Armen eine gute Nachricht zu bringen (vgl. Lk 4, 18). Allen, die Opfer
von Ablehnung und Verachtung geworden sind, erklärt er: »Selig die
Armen« (Lk 6, 20); darüberhinaus ermöglicht er diesen Randexistenzen
eine Erfahrung der Befreiung, indem er bei ihnen ist und mit ihnen Mahl
hält (vgl. Lk 5, 30; 15, 2), sie als gleichwertig und als Freunde
behandelt (vgl. Lk 7, 34), sie merken läßt, daß sie von Gott geliebt
sind, und auf diese Weise offenbart er sein grenzenlos zartfühlendes Herz
gegenüber den Bedürftigen und Sündern (vgl. Lk 15, 1-32).
Befreiung und Heil im Reich Gottes betreffen die menschliche Person in
ihrer physischen wie geistigen Dimension. Zwei Tätigkeiten Jesu sind für
seine Sendung bezeichnend: heilen und vergeben. Die zahlreichen Heilungen
zeigen sein großes Mitleid angesichts menschlichen Elendes; sie tun aber
auch kund, daß es im Reich weder Krankheit noch Leid geben wird und daß
seine Sendung von Anfang an darauf abzielt, die Menschen davon zu
befreien. In der Sicht Jesu sind die Heilungen auch Zeichen für das
geistliche Heil, die Befreiung von der Sünde. Wenn Jesus Krankenheilungen
vollbringt, so ruft er zum Glauben, zur Bekehrung, zum Verlangen nach
Verzeihung (vgl. Lk 5, 24). Ist der Glaube da, so will die Heilung mehr
erreichen: sie führt zur Heilssituation (vgl. Lk 18, 42-43 ). Die
Befreiung von Besessenheit und Dämonen, äußerstes Übel und sichtbarer
Ausdruck der Sünde und der Auflehnung gegen Gott, ist Zeichen dafür,
daß »das Reich Gottes zu euch gekommen ist« (Mt 12, 28).
15. Das Reich ist darauf angelegt, die Beziehungen unter den Menschen zu
verändern und verwirklicht sich schrittweise insofern sie lernen einander
zu lieben, einander zu vergeben und einander zu dienen. Jesus nimmt das
ganze Gesetz auf und gibt ihm im Gebot der Liebe seine Mitte (vgl. Mt 22,
34-40; Lk 10, 25-28). Bevor er von den Seinen scheidet, gibt er ihnen ein
»neues Gebot«: »Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander
lieben« (Joh 13, 14; vgl. 15, 12). Die Liebe, mit der Jesus die Welt
geliebt hat, findet ihren höchsten Ausdruck in der Hingabe seines Lebens
für die Menschen (vgl. Joh 3, 16). Darum ist die Natur des Reiches die
Gemeinschaft aller Menschen untereinander und mit Gott.
Das Reich bezieht alle ein: die einzelnen, die Gesellschaft, die ganze
Welt. Für das Reich wirken bedeutet Anerkennung und Förderung der
göttlichen Dynamik, die in der Geschichte der Menschheit anwesend ist und
sie umformt. Das Reich aufbauen bedeutet arbeiten zur Befreiung vom Übel
in allen seinen Formen. Das Reich Gottes ist letztlich die Offenbarung und
Verwirklichung seiner Heilsabsicht in ganzer Fülle.
Im Auferstandenen kommt das Reich zur Vollendung und wird durch ihn
verkündet
16. Indem Gott Jesus von den Toten erweckte, hat er den Tod besiegt, und
in ihm hat er sein Reich in endgültiger Weise eingesetzt. Während seines
Erdenlebens ist Jesus Prophet des Reiches und nach seinem Leiden, seiner
Auferstehung und Himmelfahrt hat er Anteil an der Macht Gottes und an
seiner Herrschaft über die Welt (vgl. Mt 28, 28; Apg 2, 36; Eph 1,
18-21). Die Auferstehung gibt der Botschaft Christi, seinem Handeln und
seiner ganzen Sendung universale Bedeutung. Die Jünger erkennen, daß das
Reich in der Person Jesu schon anwesend ist und daß es im Menschen und in
der Welt mittels einer geheimnisvollen Verbindung mit ihm nach und nach
eingerichtet wird.
Nach der Auferstehung predigen die Jünger vom Reich, indem sie
verkünden, daß Jesus gestorben und auferstanden ist. Philippus
verkündet in Samaria »das Evangelium vom Reich Gottes und vom Namen Jesu
Christi« (Apg 8, 12). Paulus verkündet in Rom »das Reich Gottes und
trug ungehindert und mit allem Freimut die Lehre über Jesus Christus, den
Herrn, vor« (Apg 28, 31). Die ersten Christen verkünden »das Reich
Christi und Gottes« (Eph 5, 5; vgl. Off 11, 15; 12, 10) oder einfach
»das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus« (2 Petr 1,
11). In der Verkündigung über Jesus Christus, mit dem das Reich
identisch ist, findet die Verkündigung der frühen Kirche ihre Mitte. Wie
damals, so gilt es auch heute, die Verkündigung über das Reich Gottes
(Inhalt des »Kerygmas« Jesu) und die Verkündigung des Ereignisses Jesus
Christus (»Kerygma« der Apostel) zu verbinden. Beide ergänzen sich und
beleuchten einander.
Das Reich in seiner Beziehung zu Christus und zur Kirche
17. Heute spricht man viel vom Reich, aber nicht immer im Gleichklang mit
kirchlichem Denken. Es gibt Auffassungen über Heil und Sendung, die man
»anthroprozentrisch« in einem verkürzten Sinn dieses Begriffes nennen
könnte, insofern sie auf die irdischen Bedürfnisse des Menschen
ausgerichtet sind. In solcher Sicht wird das Reich eher zu einer rein
irdischen und säkularisierten Wirklichkeit, in der Programme und der
Kampf für sozio-ökonomische, politische und kulturelle Befreiung den
Ausschlag geben, aber der Horizont bleibt der Transzendenz gegenüber
verschlossen. Ohne zu leugnen, daß auch auf dieser Ebene Werte zu
fördern sind, bleibt diese Auffassung doch innerhalb der Grenzen eines
Reiches, in dem der Mensch um seine echten und tiefen Dimensionen gebracht
wird und allzu leicht einer der rein irdischen Fortschrittsideologien
verhaftet bleibt. Das Reich Gottes aber ist nicht von dieser Welt, es ist
nicht von hier (vgl. Joh 18, 36).
Es gibt sodann jene Ansichten, die eindeutig den Akzent auf das Reich
legen und sich als »reich-zentriert« bezeichnen. Sie wollen das Bild
einer Kirche entwerfen, die nicht an sich selbst denkt, die vielmehr ganz
damit befaßt ist, Zeugnis vom Reich zu geben und ihm zu dienen. Sie ist
eine »Kirche für die anderen«, so sagt man, wie Christus der »Mensch
für die anderen« ist. Man beschreibt die Aufgabe der Kirche so, als
sollte sie in zwei Richtungen gehen; einerseits soll sie die sogenannten
»Werte des Reiches«, wie Friede, Gerechtigkeit, Freiheit,
Brüderlichkeit fördern; andererseits soll sie den Dialog unter den
Völkern, Kulturen, Religionen begünstigen, damit sie sich gegenseitig
bereichern und der Welt helfen, sich zu erneuern und immer mehr den Weg
auf das Reich hin zu gehen.
Neben positiven Aspekten bieten diese Auffassungen oft negative Seiten.
Insbesondere übergehen sie die Person Christi mit Schweigen: das Reich,
von dem sie sprechen, gründet sich auf eine »Theozentrik«, weil - wie
sie sagen - Christus von jenen nicht verstanden werden kann, die nicht den
christlichen Glauben haben, während verschiedene Völker, Kulturen und
Religionen in einer einzigen göttlichen Wirklichkeit, wie immer diese
genannt werden mag, sich wiederfinden können. Aus dem gleichen Grund
geben sie dem Geheimnis der Schöpfung den Vorzug, das sich in der
Verschiedenheit de Kulturen und religiösen Anschauungen widerspiegelt,
sagen aber nichts über das Geheimnis der Erlösung. Darüberhinaus
erliegt das Reich, wie sie es verstehen, der Gefahr, die Kirche an den
Rand zu drängen oder sie unterzubewerten, als Reaktion auf eine
vermeintliche »Ekklesiozentrik« in der Vergangenheit, und weil sie die
Kirche als bloßes Zeichen betrachten, das im übrigen nicht frei ist von
Zweideutigkeiten.
18. Dies ist aber nun nicht das Reich Gottes, wie wir es von der
Offenbarung her kennen: es kann weder von Christus noch von der Kirche
losgelöst werden.
Wie schon gesagt, hat Christus das Reich nicht nur verkündet, in seiner
Person ist es anwesend und kommt in ihr zur Vollendung. Dies nicht nur
durch seine Worte und seine Taten: »Vor allem wird dieses Reich offenbar
in der Person Christi selbst, des Sohnes Gottes und des Menschensohnes,
der gekommen ist, "um zu dienen und sein Leben hinzugeben als
Lösegeld für die vielen" (Mk 10, 45)(22) Das Reich Gottes ist nicht
eine Anschauung, eine Doktrin, ein Programm, das man frei ausarbeiten
kann, es ist vor allemeine Person, die das Antlitz und den Namen Jesu von
Nazareth trägt, Abbild des unsichtbaren Gottes.(23) Wenn man das Reich
von der Person Jesu trennt, hat man nicht mehr das von ihm geoffenbarte
Reich Gottes, man verkehrt schließlich entweder den Sinn des Reiches, das
ein rein menschliches oder ideologisches Objekt zu werden droht, oder man
verfälscht die Identität Christi, der nicht mehr als der Herr, dem alles
unterzuordnen ist, erscheint (vgl. 1 Kor 15, 27).
Ebenso kann man das Reich nicht von der Kirche loslösen. Gewiß, sie ist
nicht selbst Ziel, da sie auf das Reich Gottes hingeordnet ist, dessen
Wirklichkeit sie keimhaft und zeichenhaft darstellt und dessen Werkzeug
sie ist. Aber bei aller klaren Unterscheidung zwischen Kirche einerseits
und Christus und Reich andererseits, bleibt die Kirche doch untrennbar mit
beiden verbunden. Christus hat die Kirche, seinen Leib, mit der Fülle der
Heilsgüter und -mittel ausgestattet; der Heilige Geist wohnt in ihr, gibt
ihr Leben mit seinen Gaben und Charismen, heiligt, leitet und erneuert sie
ständig.(24) Daraus resultiert eine besondere und einzigartige Beziehung,
die der Kirche eine spezifische und notwendige Rolle zuweist, obschon sie
das Werk Christi und des Geistes nicht auf ihre sichtbaren Grenzen
einengt. Von hier aus ergibt sich auch das besondere Band zwischen Kirche
und Reich Gottes und Christi, »das anzukündigen und in allen Völkern zu
begründen sie die Sendung hat«.(25)
19. In dieser Gesamtschau kann die Wirklichkeit des Reiches verstanden
werden. Es macht gewiß die Förderung der menschlichen Güter und Werte
erforderlich, die man passend als »evangelisch« bezeichnen kann, weil
sie aufs engste mit der frohen Botschaft verbunden sind. Aber diese
Förderung, die auch der Kirche am Herzen liegt, soll nicht losgelöst
werden von und nicht in Gegensatz gebracht werden zu ihren anderen
grundlegenden Aufgaben, wie die Verkündigung Christi und seines
Evangeliums, die Gründung und Entwicklung der Gemeinschaft, wodurch ein
lebendiges Bild des Reiches unter den Menschen entsteht. Man soll nicht
befürchten, auf diese Weise einer gewissen Form der »Ekklesiozentrik«
zu verfallen. Paul Vl., der die Existenz »eines in die Tiefe reichenden
Bandes zwischen Christus, Kirche und Evangelisierung«(26) feststellt, hat
ebenso gesagt, daß die Kirche »sich nicht selbst Ziel ist, daß sie sich
aber eifrig bemüht, ganz Christus zu gehören, in ihm und für ihn zu
sein, und ganz auf der Seite der Menschen zu stehen, unter ihnen und für
sie dazusein«.(27)
Die Kirche im Dienst für das Reich
20. Die Kirche ist tatsächlich und konkret für den Dienst am Reich da.
Sie ist es insbesondere mit der Verkündigung, die zur Bekehrung aufruft:
dies ist der erste und grundlegende Dienst für das Kommen des Reiches in
den einzelnen und in der menschlichen Gesellschaft. Das eschatologische
Heil nimmt schon jetzt im neuen Leben in Christus seinen Anfang: »Allen,
die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an
seinen Namen glauben« (Joh 1, 12).
Die Kirche dient dem Reich sodann, indem sie auf der Welt die
»evangelischen Werte« der Seligpreisungen bekanntmacht, die
authentischer Ausdruck des Reiches sind und die den Menschen helfen, Gott
mit seinem Vorhaben einzulassen. Es ist also wahr, daß die Wirklichkeit
des Reiches in Ansätzen sich auch jenseits der Grenzen der Kirche in der
gesamten Menschheit finden kann, insofern diese die »evangelischen
Werte« lebt und sich der Tätigkeit des Geistes öffnet, der weht, wo und
wie er will (vgl. Joh 3, 9); es ist aber auch zu sagen, daß diese
zeitliche Dimension des Reiches unvollständig bleibt, wenn sie nicht
zusammen mit dem Reich Christi ausgesagt wird, das in der Kirche anwesend
und auf die eschatologische Vollendung ausgerichtet ist.(28)
Die vielfältigen Aspekte des Reiches Gottes(29) schwächen die Grundlagen
und Ziele der missionarischen Tätigkeit nicht, sie bestärken und
erweitern sie vielmehr. Die Kirche ist Sakrament des Heiles für die ganze
Menschheit, und ihre Tätigkeit beschränkt sich nicht auf jene, die die
Heilsbotschaft annehmen. Sie ist treibende Kraft auf dem Weg der
Menschheit auf das eschatologische Reich hin, ist Zeichen und Förderin
der evangelischen Werte unter den Menschen.(30) Für das Einschlagen
dieses Weges der Hinwendung zum Plan Gottes liefert die Kirche ihren
Beitrag durch ihr Zeugnis und ihre Tätigkeit, durch Dialog, durch
Förderung im menschlichen Bereich, durch Einsatz für Gerechtigkeit und
Frieden, für Erziehung und für Pflege der Kranken, durch Sorge für die
Armen und Kleinen, wobei sie die transzendentale und geistliche
Wirklichkeit im Auge behält, die auf das eschatologische Heil
vorbereitet.
Die Kirche dient schließlich dem Reich auch durch ihre Fürbitte, denn
dieses ist seiner Natur nach Gabe und Werk Gottes, wie die Gleichnisse im
Evangelium und das Gebet, das Jesus uns selbst gelehrt hat, in Erinnerung
bringen. Wir müssen es erbitten, aufnehmen und in uns und in der Welt zum
Wachsen bringen; wir müssen aber auch daran mitarbeiten, daß es von den
Menschen angenommen wird und wächst, bis Christus »das Reich dem Vater
übergibt und Gott über alles und in allem herrscht« (1 Kor 15, 24.28).
KAPITEL III
DER HEILIGE GEIST ALS VORKÄMPFER FÜR DIE MISSION
21. »Auf dem Höhepunkt der messianischen Sendung Jesu wird der Heilige
Geist im österlichen Geheimnis ganz als göttliche Person gegenwärtig:
als derjenige, der das Heilswerk, das im Kreuzesopfer gründet,
fortführen soll. Zweifelsohne wird dieses Werk von Jesus Menschen
anvertraut: den Aposteln, der Kirche. Doch bleibt der Heilige Geist in
diesen Menschen und durch sie der transzendental Handelnde bei der
Verwirklichung dieses Werkes im Geiste des Menschen und der
Weltgeschichte«.(31)
Der Heilige Geist ist wahrlich die Hauptperson für die ganze kirchliche
Sendung: sein Werk leuchtet großartig auf in der Mission ad gentes, wie
es in der ersten Kirche bei der Bekehrung des Kornelius aufscheint (vgl.
Apg 13 ), für die Entscheidungen bei aufkommenden Problemen (vgl. Apg
15), für die Auswahl von Ländern und Völkern (vgl. Apg 16, 6ff). Der
Geist wirkt durch die Apostel, gleichzeitig aber auch in den Hörern:
»Durch sein Wirken nimmt die Frohe Botschaft Gestalt im Gewissen und
Herzen der Menschen an und breitet sich in der Geschichte aus. In all
diesen Dimensionen macht der Heilige Geist lebendig«.(32)
Die Sendung im Geist »bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1, 8)
22. Wenn die Evangelisten von Begegnungen des Auferstandenen mit den
Aposteln berichten, schließen sie alle mit dem messianischen Auftrag:
»Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu
allen Völkern ... Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt
28, 18-20; vgl. Mk 16, 15-18; Lk 24, 46-49; Joh 20, 21-23).
Diese Sendung ist Sendung im Geist, wie aus dem Text bei Johannes klar
hervorgeht: Christus sendet die Seinen in die Welt, wie der Vater ihn
gesandt hat, und darum gibt er ihnen den Geist. Lukas seinerseits
verbindet das Zeugnis, das die Apostel für Christus geben sollen, eng mit
dem Wirken des Geistes, das sie befähigen wird, den empfangenen Auftrag
zu verwirklichen.
23. Die verschiedenen Formen des Missionsauftrages enthalten
Gemeinsamkeiten und charakteristische Akzente, zwei gemeinsame Elemente
finden sich aber in allen Fassungen. Vor allem die universale Dimension
der den Aposteln übertragenen Aufgabe: »Alle Völker« (Mt 28, 19);
»die ganze Welt, allen Geschöpfen« (Mk 16, 15); »alle Völker« (Lk
24, 47); »bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1, 8). An zweiter Stelle ist
zu nennen die vom Herrn gegebene Zusicherung, daß sie bei dieser Aufgabe
nicht allein sein werden, sondern daß sie die Kraft und Ausrüstung
erhalten werden, um ihre Sendung auszuführen. Das ist die Gegenwart und
die Macht des Geistes und die Gegenwart Jesu: »Sie zogen aus und
predigten überall. Der Herr stand ihnen bei« (Mk 16, 20).
Was die unterschiedlichen Akzente für den Missionsauftrag betrifft, so
stellt Markus die Sendung als Ausrufung oder Kerygma dar: »Verkündet das
Evangelium« (Mk 16, 15). Ziel des Evangelisten ist es, den Leser dazu zu
bringen, das Bekenntnis des Petrus zu wiederholen: »Du bist der Messias«
(Mk 8, 29) und wie der römische Hauptmann in Gegenwart des am Kreuz
gestorbenen Jesus zu sagen: »Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn«
(Mk 15, 39). Bei Matthäus liegt der missionarische Akzent auf der
Gründung der Kirche und der Unterweisung (vgl. Mt 28, 19-20; 16, 18): bei
ihm also macht der Auftrag deutlich, daß die Verkündigung des
Evangeliums durch eine spezifisch kirchliche und sakramentale Unterweisung
ergänzt werden muß. Bei Lukas wird die Sendung als Zeugnis dargestellt
(vgl. Lk 24, 48; Apg 1, 8), das besonders die Auferstehung betrifft (vgl.
Apg 1, 22). Der mit der Sendung Beauftragte ist aufgerufen, an die
verwandelnde Kraft des Evangeliums zu glauben und das zu verkünden, was
Lukas gut zur Darstellung bringt, nämlich die Hinwendung zur Liebe und
Barmherzigkeit Gottes, zur Erfahrung einer umfassenden Befreiung, die bis
auf den Grund allen Übels reicht, die Sünde.
Johannes ist der einzige, der ausdrücklich vom »Auftrag« spricht, einem
Wort, das mit »Mission« gleichbedeutend ist und die Sendung, die Jesus
den Seinen aufträgt, unmittelbar mit jener verbindet, die er selbst vom
Vater empfangen hat: »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch«
(Joh 20, 21). Jesus spricht zum Vater: »Wie du mich in die Welt gesandt
hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt« (Joh 17, 18). Die ganze
Bedeutung der Sendung im Johannesevangelium kommt im Hohenpriesterlichen
Gebet zum Ausdruck: »Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren
Gott zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast« (Joh 17, 3).
Letzter Sinn der Sendung ist es, Anteil zu geben an der Gemeinschaft, die
zwischen Vater und Sohn besteht. Die Jünger sollen die Einheit
untereinander leben, sie sollen im Vater und im Sohn »bleiben«, damit
die Welt erkennt und glaubt (vgl. Joh 17, 21-23). Dies ist ein
bezeichnender missionarischer Text. Er läßt begreifen, daß man
Missionar zuallererst ist durch das, was man ist, als Kirche, die zutiefst
die Einheit der Liebe lebt, bevor man es ist durch das, was man sagt oder
tut.
Die vier Evangelien weisen also bei der grundsätzlichen Einheitlichkeit
der Darstellung der Mission Unterschiede auf, die verschiedene Erfahrungen
und Situationen in den ersten christlichen Gemeinden widerspiegeln. Sie
ist auch Frucht des dynamischen Antriebs durch denselben Geist; sie weist
auch darauf hin, auf die verschiedenen missionarischen Charismen und die
unterschiedlichen menschlichen Verhältnisse zu achten. Aber alle
Evangelisten betonen, daß die Sendung der Jünger ein Mitwirken mit der
Sendung Christi ist: »Seid gewiß, ich bin bei euch alle Tage bis zum
Ende der Welt« (Mt 28, 20). Die Sendung gründet sich demnach nicht auf
menschliche Fähigkeit, sondern auf die Macht des auferstandenen Herrn.
Der Geist hat die führende Rolle bei der Sendung
24. Die Sendung der Kirche ist, wie die Jesu, Werk Gottes oder, wie Lukas
oft schreibt, Werk des Geistes. Nach der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu
machen die Apostel eine intensive Erfahrung, die sie umwandelt: Pfingsten.
Die Ankunft des Heiligen Geistes macht aus ihnen Zeugen und Propheten
(vgl. Apg 1, 8; 2, 17-18). Sie sind beseelt von einer unaufdringlichen
Kühnheit, die sie anleitet, anderen ihre Erfahrungen mit Jesus und die
Hoffnung, die sie erfüllt, mitzuteilen. Der Geist macht sie fähig, für
Jesus »freimütig« Zeugnis abzulegen.(33)
Als die Verkünder der Botschaft aus Jerusalem hinausziehen, übernimmt
der Geist noch mehr die Führerrolle, sei es in der Auswahl der Personen
oder der zu beschreitenden Wege in der Mission. Sein Wirken zeigt sich
insbesondere im Anstoß zur Mission, die nach den Worten Christi von
Jerusalem aus sich über ganz Judäa und Samaria bis an die äußersten
Enden der Erde ausbreitet.
Die Apostelgeschichte bietet sechs zusammenfassende Berichte von
»Missionsreden«, die in den Anfängen der Kirche an die Juden gerichtet
sind (vgl. Apg 2, 22-39; 3, 12-26; 4, 9-12; 5, 29-32; 10, 34-43; 13,
16-41). Diese Reden können als Modelle gelten, die von Petrus und Paulus
gehalten wurden. Sie verkünden Jesus, rufen zur »Bekehrung«, d.h. Jesus
soll im Glauben aufgenommen werden und vom Geist soll man sich in ihn
umwandeln lassen.
Paulus und Barnabas werden vom Geist zu den Heiden gedrängt (vgl. Apg 13,
46-48), was nicht ohne Spannungen und Probleme vor sich geht. Wie sollen
die bekehrten Heiden ihren Glauben an Jesus leben? Sind sie an die
jüdische Tradition gebunden und an das Gesetz der Beschneidung? Beim
ersten Konzil, das um die Apostel Mitglieder verschiedener Kirchen
versammelt, wird eine Entscheidung gefällt, die als vom Geist stammende
anerkannt wird: es ist nicht nötig, daß ein Heide sich dem jüdischen
Gesetz unterwirft, um Christ zu werden (vgl. Apg 15, 5-11). Von da an
öffnet die Kirche ihre Tore und wird das Haus, in das alle eintreten und
sich zu Hause fühlen können, indem sie die eigene Kultur und die eigene
Tradition beibehalten, sofern diese nicht im Gegensatz zum Evangelium
stehen.
25. Die Missionare sind dieser Linie gefolgt und halten sich stets die
Erwartungen und Hoffnungen, die Sorgen und Leiden, die Kultur der Menschen
gegenwärtig, um ihnen das Heil in Christus zu verkünden. Die Reden in
Lystra und Athen (vgl. Apg 14, 11-17; 17, 22-31) werden als Muster der
Evangelisierung bei den Heiden angesehen: Paulus kommt mit den Kulturen
und religiösen Werten verschiedener Völker ins Gespräch. Den Bewohnern
von Lykaonien, die eine kosmische Religion praktizierten, bringt er
religiöse Erfahrungen in Erinnerung, die sich auf den Kosmos beziehen;
mit den Griechen spricht er über Philosophie und zitiert ihre Dichter
(vgl. Apg 17, 18. 26-28). Der Gott, den er ihnen offenbaren will, ist in
ihrem Leben schon anwesend: er hat sie nämlich geschaffen und leitet
geheimnisvoll die Völker und die Geschichte (vgl. Apg 14, 16-17); dennoch
sollen sie, um den wahren Gott zu erkennen, ihre falschen, von ihnen
selbst verfertigten Götter verlassen und sich für jenen öffnen, den
Gott gesandt hat, um ihrer Unwissenheit abzuhelfen und die Erwartung ihres
Herzens zu erfüllen (vgl. Apg 17, 20. 30). Dies sind Reden, die als
Beispiele für die Inkulturation des Evangeliums gelten können.
Unter dem Drängen des Geistes öffnet sich der christliche Glaube mit
Entschiedenheit gegenüber den »Völkern«, und das Zeugnis von Christus
gelangt zu den wichtigsten Zentren des östlichen Mittelmeeres, um dann
nach Rom und den äußersten Westen zu kommen. Der Geist drängt dazu,
immer weiter zu gehen, nicht nur im geographischen Sinne, sondern auch
dazu, ethnische und religiöse Barrieren zugunsten einer wahrhaft
universalen Mission zu überwinden.
Der Geist erweist die Kirche insgesamt als Missionskirche
26. Der Geist drängt die Gruppe der Glaubenden dazu, »Gemeinde zu
bilden«, Kirche zu sein. Nach der ersten Verkündigung von Petrus am
Pfingsttag und den Bekehrungen, die darauf folgten, bildet sich die erste
Gemeinde (vgl. Apg 2,42-47; 4,32-35).
Es ist in der Tat eines der wichtigsten Ziele der Mission, das Volk zum
Hören der Frohbotschaft, zur brüderlichen Gemeinschaft, zum Gebet und
zur Eucharistie zu versammeln. »Brüderliche Gemeinschaft« (koinonia)
leben bedeutet, »ein Herz und eine Seele« haben (Apg 4, 32), eine
Gemeinschaft unter allen humanen, spirituellen und materiellen
Gesichtspunkten aufbauen. Wahrhaft christliche Gemeinde ist auch um die
Teilung der irdischen Güter bemüht, damit es keine Notleidenden gebe und
alle »je nach Bedarf« Zugang zu diesen Gütern haben (Apg 2,45; 4,35,
11,27-30). Die ersten Gemeinden, in denen »die Freude und die Einfachheit
des Herzens« vorherrschten (Apg 2, 46), besaßen eine dynamische und
missionarische Offenheit: »Sie waren beim ganzen Volk geschätzt« (Apg
2, 47). Mission bedeutet noch vor aller Aktivität Zeugnis und
Ausstrahlung.(34)
27. In der Apostelgeschichte gibt es Hinweise darauf, daß die Mission,
die sich zunächst an Israel und dann an die anderen Völker wandte, sich
auf mehreren Ebenen entfaltet. Da sind zuallererst die Zwölf, die vereint
unter der Leitung des Petrus die Frohe Botschaft verkünden. Da ist
weiters die Gemeinde der Gläubigen, die mit ihrer Art zu leben und zu
handeln den Herrn bezeugt und die Heiden bekehrt (vgl. Apg 2, 46-47).
Weiters gibt es Sonderbeauftragte, die für die Verkündigung des
Evangeliums bestimmt werden. So sendet die christliche Gemeinde von
Antiochien ihre Mitglieder in die Mission: nach Fasten, Gebet und
Eucharistiefeier stellt sie fest, daß der Geist Paulus und Barnabas für
die Sendung ausgewählt hat (vgl. Apg 13, 1-4). Die Mission ist also in
ihren Anfängen als Aufgabe der Gemeinde, als Verantwortung der Ortskirche
angesehen worden. Die Gemeinde braucht »Missionare«, um sich
auszubreiten. Neben diesen Ausgesandten gab es auch solche, die spontan
die ihr Leben verändernde Neuheit bezeugten und die die im Entstehen
begriffenen Gemeinden mit der Apostolischen Kirche in Verbindung brachten.
Die Apostelgeschichte gibt uns zu verstehen, daß es in der Mission ad
gentes am Anfang der Kirche zwar Missionare »auf Lebenszeit« gibt, die
sich ihr aufgrund einer speziellen Berufung widmen, daß die Mission aber
gleichzeitig als eine ganz selbstverständliche Frucht des christlichen
Lebens, als Auftrag an jeden Gläubigen angesehen wurde, durch seine
Lebensführung und wenn möglich durch ausdrückliche Verkündigung ein
persönliches Glaubenszeugnis zu geben.
Der Geist ist zu jeder Zeit und an jedem Ort gegenwärtig und am Werk
28. Der Geist zeigt sich in besonderer Weise in der Kirche und in ihren
Mitgliedern; jedoch ist seine Gegenwart und sein Handeln allumfassend,
ohne Begrenzung durch Raum und Zeit.(35) Das Zweite Vatikanische Konzil
erinnert an das Wirken des Geistes im Herzen jedes Menschen, durch »die
Samen des Wortes«, auch durch religiöse Anregungen, durch Anstrengungen
allen menschlichen Handelns, sofern es auf die Wahrheit, auf das Gute, auf
Gott ausgerichtet ist.(36)
Der Geist gibt dem Menschen »Licht und Kraft, um auf seine höchste
Berufung zu antworten«; durch den Geist »kann der Mensch im Glauben zum
Betrachten und Verkosten des Geheimnisses des Göttlichen Heilsplanes
gelangen«; überdies »müssen wir annehmen, daß der Heilige Geist allen
die Möglichkeit bietet, mit dem Ostergeheimnis in Berührung zu kommen in
einer Weise, die nur Gott kennt«;(37) in jedem Fall weiß die Kirche,
»daß der Mensch, vom Geist Gottes angespornt, vom Problem der Religion
nicht völlig unberührt bleiben« und »daß er immer den Wunsch haben
wird, wenigstens in Umrissen zu erkennen, was der Sinn seines Lebens,
seines Tuns, seines Todes sei«.(38) Der Geist steht also am Ursprung der
Existenz und Glaubensfrage jedes Menschen, die sich ihm nicht nur in
bestimmten Situationen, sondern aus der Struktur seines Daseins selbst
stellt.(39)
Die Gegenwart und das Handeln des Geistes berühren nicht nur einzelne
Menschen, sondern auch die Gesellschaft und die Geschichte, die Völker,
die Kulturen, die Religionen. Der Geist steht ebenso am Ursprung edler
Ideale und guter Initiativen der Menschheit auf deren Wege: »In
wunderbarer Vorsehung lenkt er den Weg der Zeiten und erneuert er das
Gesicht der Erde«.(40) Der auferstandene Christus »wirkt im Herzen der
Menschen in der Kraft seines Geistes, indem er nicht nur den Wunsch nach
einer zukünftigen Welt weckt, sondern dadurch auch jene großmütigen
Gedanken inspiriert, reinigt und festigt, durch die die Menschheitsfamilie
das eigene Leben menschlicher zu gestalten und die ganze Welt diesem Ziele
unterzuordnen versucht«.(41) Und nochmals: es ist der Geist, der »die
Samen des Wortes« aussät, die in den Riten und Kulturen da sind und der
sie für ihr Heranreifen in Christus bereit macht.(42)
29. So leitet uns der Geist, der »weht, wo er will« (Joh 3, 8), der »in
der Welt wirkte, noch bevor Christus verherrlicht wurde«,(43) der »das
Universum, alles umfassend, erfüllt und jede Stimme kennt« (Weish 1, 7),
dazu an, unseren Blick zu erweitern, um so sein zu jeder Zeit und an jedem
Ort vorhandenes Wirken in Betracht zu ziehen. Es ist ein Aufruf, den ich
selbst wiederholt gemacht habe(44) und der mich bei den Begegnungen mit
den verschiedensten Völkern geleitet hat. Das Verhältnis der Kirche zu
anderen Religionen ist bestimmt von einem doppelten Respekt: »dem Respekt
vor dem Menschen bei seiner Suche nach Antworten auf die tiefsten Fragen
des Lebens und vom Respekt vor dem Handeln des Geistes im Menschen«.(45)
Die Begegnung zwischen den Religionen in Assisi wollte unmißverständlich
meine Überzeugung bekräftigen, daß »jedes authentische Gebet vom
Heiligen Geist geweckt ist, der auf geheimnisvolle Weise im Herzen jedes
Menschen gegenwärtig ist«.(46)
Es ist derselbe Geist, der bei der Menschwerdung, im Leben, im Tode und
bei der Auferstehung Jesu mitgewirkt hat und der in der Kirche wirkt. Er
ist nicht eine Alternative zu Christus, er füllt nicht eine Lücke aus
zwischen Christus und dem Logos, wie manchmal angenommen wird. Was immer
der Geist im Herzen der Menschen und in der Geschichte der Völker, in den
Kulturen und Religionen bewirkt, hat die Vorbereitung der Verkündigung
zum Ziel(47) und geschieht in bezug auf Christus, das durch das Wirken des
Geistes fleischgewordene Wort, »um Ihn zu erwirken, den vollkommenen
Menschen, das Heil aller und die Zusammenführung des Universums«.(48)
Das universale Wirken des Geistes darf andererseits nicht getrennt werden
von der Eigenart des Wirkens am Leib Christi, der die Kirche ist. Denn es
ist immer der Geist, der wirkt, sei es daß er die Kirche belebt und sie
zur Verkündigung Christi drängt, sei es daß er seine Gaben auf alle
Menschen und Völker ausbreitet und sie entfaltet, indem er die Kirche
durch den Dialog anleitet, diese Gaben zu entdecken, zu fördern und
anzunehmen. Jede Gegenwart des Geistes muß mit Achtung und Dankbarkeit
aufgenommen werden. Seine Unterscheidung ist aber eine Aufgabe der Kirche,
der Christus seinen Geist gegeben hat, um sie zur vollen Wahrheit zu
führen (vgl. Joh 16, 13).
Die Missionstätigkeit steht erst in den Anfängen
30. In unserer Zeit, mit einer Menschheit in Bewegung und auf der Suche,
braucht es einen neuen Anstoß zur Missionstätigkeit der Kirche. Die
Horizonte und die Möglichkeiten der Mission weiten sich aus, und wir
Christen sind aufgerufen zu apostolischem Mut, der auf das Vertrauen in
den Geist gegründet ist. Er ist die Hauptfigur der Mission!
Zahlreich sind in der Geschichte der Menschheit die Zeitenwenden, die zu
einer missionarischen Dynamik anregen. Die Kirche hat, geführt vom Geist,
darauf immer mit Großmut und Weitblick geantwortet. Es gab dabei gute
Ergebnisse. Vor kurzem wurde die Tausendjahrfeier der Evangelisierung
Rußlands und der Slawischen Völker begangen. Derzeit bereiten wir die
Feier des fünfhundertsten Jahrestages der Evangelisierung Amerikas vor.
In der letzten Zeit gab es auch festliche Jahrhundertfeiern im Gedenken an
die ersten Missionen in verschiedenen Ländern Asiens, Afrikas und
Ozeaniens. Heute sieht die Kirche sich mit anderen Herausforderungen
konfrontiert; sie muß zu neuen Ufern aufbrechen, sei es in ihrer
Erstmission ad gentes, sei es in der Neuevangelisierung von Völkern, die
die Botschaft von Christus schon erhalten haben. Heute wird von allen
Christen, von den Ortskirchen und von der Weltkirche derselbe Mut
verlangt, der die Missionare der Vergangenheit bewegt hat und dieselbe
Verfügbarkeit, um die Stimme des Geistes zu hören.
KAPITEL IV
DAS UNBEGRENZTE AUSMAß DER MISSION AD GENTES
31. Jesus der Herr sendet seine Apostel zu allen Menschen, zu allen
Völkern und in alle Gegenden der Welt. Mit den Aposteln erhielt die
Kirche eine weltweite Sendung, die keine Grenzen kennt und die das Heil in
seiner ganzen Fülle betrifft, entsprechend jener Fülle des Lebens, die
die Ankunft Christi gebracht hat (vgl. Joh 10, 10): die Kirche wurde
»ausgesandt, um die Liebe Gottes allen Menschen und allen Völkern der
Erde zu offenbaren und weiterzugeben«.(49)
Es ist ein und dieselbe Mission mit demselben Ursprung und demselben Ziel;
aber innerhalb von ihr gibt es verschiedene Aufgaben und Tätigkeiten. Vor
allem ist es die Missionstätigkeit, die wir unter Berufung auf das
Konzilsdekret als Missio ad gentes bezeichnen. Es handelt sich dabei um
eine wesentliche und nie abgeschlossene Haupttätigkeit der Kirche. Denn
die Kirche »kann sich der dauerhaften Sendung, allen das Evangelium zu
bringen, die Christus, den Erlöser der Menschen, noch nicht kennen - es
sind Millionen und Abermillionen von Männern und Frauen - nicht
entziehen. Das ist die ganz spezifische Missionsaufgabe, die Jesus seiner
Kirche anvertraut hat und täglich anvertraut«.(50)
Ein komplexes und in Bewegung geratenes religiöse Bild
32. Wir befinden uns heute vor einer stark veränderten und schillernden
religiösen Situation: die Völker sind in Bewegung; soziale und
religiöse Wirklichkeiten, die früher klar definiert waren, entwickeln
sich zu komplexen Situationen. Man denke dabei nur an einige Phänomene
wie die Verstädterung, die Massenwanderungen, die Flüchtlingsbewegung,
die Entchristlichung von Ländern mit alter christlicher Tradition, an den
deutlich erkennbaren Einfluß des Evangeliums und seiner Werte in Ländern
mit größtenteils nichtchristlicher Mehrheit, an das Umsichgreifen von
Messianismen und religiösen Sekten. Es geht eine Umwälzung von sozialen
und religiösen Situationen vor sich, die es schwer macht, gewisse
kirchliche Unterscheidungen und Kategorien, an die man gewöhnt war,
konkret anzuwenden. Schon vor dem Konzil sagte man von einigen
Hauptstädten oder christlichen Ländern, sie seien »Missionsländer«
geworden. Die Situation hat sich in den darauffolgenden Jahren sicher
nicht verbessert.
Andererseits hat die Missionstätigkeit in allen Teilen der Welt reiche
Früchte gebracht; deshalb gibt es tief verwurzelte, zum Teil so
gefestigte und gereifte Kirchen, daß sie sowohl für die Bedürfnisse der
eigenen Gemeinden als auch für die Aussendung von Personal zur
Evangelisierung in anderen Kirchen und Gebieten gut gerüstet sind. Dies
im Kontrast zu Gebieten der alten Christenheit, deren Neuevangelisierung
notwendig geworden ist. Inzwischen fragen sich nicht wenige, ob man noch
von spezifischer Missionstätigkeit oder von abgrenzbaren Bereichen
sprechen könne, oder ob man nicht zugeben müsse, daß es nur eine
einheitliche Missionssituation und folglich auch nur eine einheitliche,
überall gleiche Sendung gebe. Die Schwierigkeit, diese komlexe und
veränderliche Realität in bezug auf den Auftrag zur Evangelisierung zu
deuten, zeigt sich bereits im »Missionsvokabular«: es gibt zum Beispiel
eine gewisses Zögern im Gebrauch der Ausdrücke »Missionen« und
»Missionare«; sie werden als überholt und von negativen historischen
Resonanzen belastet angesehen. Man zieht es vor, zur Kennzeichnung des
Wirkens der Kirche generell das Hauptwort »Mission« in der Einzahl und
das Eigenschaftswort »missionarisch« zu verwenden.
Diese Not weist auf eine tatsächliche Veränderung hin, die auch positive
Aspekte hat. Die sogenannte Rückkehr oder »Wiederbeheimatung« der
Missionen in die Sendung der Kirche, das Einfließen der Missiologie in
die Ekklesiologie und die Einbindung beider in den trinitarischen
Heilsplan haben die Missionstätigkeit selbst neu aufatmen lassen; sie
wird nicht als eine Aufgabe am Rande der Kirche begriffen, sondern
eingebunden in das Herz ihres Lebens; sie wird als wesentliche
Verpflichtung des gesamten Volkes Gottes verstanden. Man muß sich jedoch
vor der Gefahr hüten, die sehr verschiedenen Situationen auf die gleiche
Stufe zu stellen und die Mission sowie die Missionare ad gentes zu
reduzieren, wenn nicht gar verschwinden zu lassen. Die Feststellung, daß
die ganze Kirche eine Missionskirche ist, schließt nicht aus, daß es
eine spezifische Mission ad gentes gibt; so wie die Feststellung, daß
alle Katholiken Missionare sein sollen, nicht ausschließt, sondern im
Gegenteil erfordert, daß es aufgrund einer spezifischen Berufung
»Missionare ad gentes und auf Lebenszeit« geben soll.
Die Mission ad gentes behält ihren Wert
33. Die Unterschiede in der Tätigkeit im Rahmen der einen Mission der
Kirche ergeben sich nicht aus Gründen, die in der Sache selbst, also in
der Sendung liegen, sondern aus den unterschiedlichen Umständen, in denen
die Mission sich entfaltet.(51) Wenn man die heutige Welt unter dem
Gesichtspunkt der Evangelisierung betrachtet, kann man drei Situationen
unterscheiden.
Zunächst jene Situation, an die sich die Missionstätigkeit der Kirche
wendet: an Völker, Menschengruppen, soziokulturelle Zusammenhänge, in
denen Christus und sein Evangelium nicht bekannt sind oder in denen es an
genügend reifen christlichen Gemeinden fehlt, um den Glauben in ihrer
eigenen Umgebung Fuß fassen zu lassen und anderen Menschengruppen
verkündigen zu können. Das ist die eigentliche Mission ad gentes.(52)
Sodann gibt es christliche Gemeinden, die angemessene und solide
kirchliche Strukturen besitzen, die eifrig sind im Glauben und im Leben,
die mit ihrem Zeugnis vom Evangelium in ihre Umgebung ausstrahlen und die
Verantwortung für die Weltmission spüren. In ihnen entfaltet sich die
Seelsorgstätigkeit der Kirche.
Schließlich gibt es eine Situation dazwischen, vor allem in Ländern mit
alter christlicher Tradition, aber manchmal auch in jüngeren Kirchen, wo
ganze Gruppen von Getauften den lebendigen Sinn des Glaubens verloren
haben oder sich gar nicht mehr als Mitglieder der Kirche erkennen, da sie
sich in ihrem Leben von Christus und vom Evangelium entfernt haben. In
diesem Fall braucht es eine »neue Evangelisierung« oder eine »Wieder-Evangelisierung«.
34. Die spezifische Missionstätigkeit oder die Mission ad gentes wendet
sich an »die Völker und die Gruppen, die noch nicht an Christus
glauben«, an »jene, die fern von Christus sind«, bei denen die Kirche
»noch nicht Wurzeln geschlagen hat«(53) und deren Kultur noch nicht vom
Evangelium beeinflußt ist.(54) Sie unterscheidet sich von den anderen
kirchlichen Tätigkeiten, weil sie sich an Gruppen und Umfelder wendet,
die aufgrund des Fehlens oder des Ungenügens der evangelischen
Verkündigung und der kirchlichen Präsenz nicht christlich sind. Sie hat
den Charakter eines Werkes der Verkündigung Christi und seines
Evangeliums, des Aufbaus der Ortskirche, der Verbreitung der Werte des
Reiches Gottes. Die Besonderheit dieser Mission ad gentes ergibt sich aus
der Tatsache, daß sie sich an »Nicht Christen« wendet. Es ist deshalb
zu vermeiden, daß diese »ausgesprochen missionarische Aufgabe, die Jesus
seiner Kirche anvertraut hat und täglich neu anvertraut«,(55) innerhalb
der umfassenden Sendung des ganzen Volkes Gottes zu einer abgewerteten
Wirklichkeit und folglich vernachlässigt oder vergessen wird.
Andererseits sind die Grenzen zwischen der Seelsorge der Gläubigen, der
Neu-Evangelisierung und der ausgesprochen missionarischen Tätigkeit nicht
eindeutig bestimmbar und es ist undenkbar, zwischen ihnen Barrieren oder
scharfe Trennungen zu machen. Doch darf die Kraft nicht verlorengehen für
die Verkündigung und Gründung von neuen Kirchen unter Völkern oder
Menschengruppen, wo es sie noch nicht gibt. Denn die erste Aufgabe der
Kirche ist ihre Sendung zu allen Völkern und bis an die Grenzen der Erde.
Ohne die Mission ad gentes wäre die missionarische Dimension der Kirche
selbst ihres ursprünglichen Sinnes und ihrer gezielten Umsetzung beraubt.
Ebenfalls zu beachten ist eine reale und wachsende gegenseitige
Abhängigkeit zwischen den verschiedenen Sendungsaufträgen der Kirche:
jede von ihnen hat Einfluß auf die andere, regt sie an und hilft ihr. Die
missionarische Dynamik schafft einen Austausch zwischen den Kirchen und
ist auf die Außenwelt ausgerichtet, mit positiven Einflüssen in jeder
Hinsicht. Die Kirchen mit alter christlicher Tradition zum Beispiel, die
sich mit der spannenden Aufgabe der Neuevangelisierung befassen, begreifen
besser, daß sie gegenüber den Nicht-Christen in anderen Ländern und
Kontinenten nicht missionarisch wirken können, wenn sie sich nicht
ernsthaft um die Nicht-Christen im eigenen Haus kümmern: die
Missionsbereitschaft nach innen ist ein glaubwürdiges Zeichen und Anreiz
für jene nach außen und umgekehrt.
Trotz Schwierigkeiten allen Völkern
35. Die Mission ad gentes steht vor einer ungeheuren Aufgabe, die
keineswegs im Schwinden ist. Im Gegenteil, sie scheint ein noch viel
weiteres Blickfeld vor sich zu haben, sowohl unter der zahlenmäßigen
Rücksicht der demographischen Zunahme als auch unter der
sozio-kulturellen Rücksicht des Entstehens neuer Beziehungen, neuer
Kontakte und sich verändernder Situationen. Der Auftrag zur Verkündigung
Jesu Christi bei allen Völkern ist sehr umfangreich und im Vergleich zu
den menschlichen Kräften der Kirche unverhältnismäßig groß.
Die Schwierigkeiten scheinen unüberwindbar und könnten entmutigen, wenn
es sich um ein rein menschliches Unterfangen handelte. In einigen Ländern
ist den Missionaren die Einreise verboten; in anderen ist nicht nur die
Evangelisierung verboten, sondern auch die Konversion und sogar der
christliche Kult. Noch anderswo bestehen Hindernisse kultureller Art: die
Vermittlung der evangelischen Botschaft erscheint irrelevant oder
unverständlich; Bekehrung wird als Verleugnung des eigenen Volkes und der
eigenen Kultur angesehen.
36. Es gibt im Volk Gottes auch interne Schwierigkeiten, die noch viel
schmerzlicher sind. Schon mein Vorgänger Papst Paul VI. hat an erster
Stelle hingewiesen auf »das Fehlen des Eifers, was umso schlimmer ist,
weil es von innen kommt; dies zeige sich in der Müdigkeit, in der
Enttäuschung, in der Bequemlichkeit, in mangelndem Interesse und vor
allem im Fehlen der Freude und der Hoffnung«.(56) Große Hindernisse für
die Missionsbereitschaft der Kirche bilden auch die früheren und
gegenwärtigen Spaltungen unter den Christen,(57) die Entchristlichung in
christlichen Ländern, das Zurückgehen der Berufe zum Apostolat, die
abstoßenden Zeugnisse von Gläubigen und christlichen Gemeinden, die in
ihrem Leben nicht dem Modell Christi folgen. Eine der schwerwiegendsten
Ursachen des geringen Interesses für den Missionseinsatz ist jedoch eine
Denkweise der Gleichgültigkeit, die leider auch unter Christen weit
verbreitet ist und die ihre Wurzeln in theologisch nicht richtigen
Vorstellungen hat. Diese Denkweise ist durchdrungen von einem religiösen
Relativismus, der zur Annahme führt, daß »eine Religion gleich viel
gilt wie die andere«. Wir können hinzufügen - wie derselbe Papst sagte
-, daß es auch »Alibis gibt, die von der Evangelisierung ablenken. Am
gefährlichsten sind sicher jene, von denen man sich einbildet, sie
fänden in dieser oder jener Lehre des Konzils einen Anhaltspunkt«.(58)
Ich lege diesbezüglich den Theologen und den Fachleuten der christlichen
Presse lebhaft nahe, den eigenen Dienst für die Mission zu verstärken
und den tiefen Sinn ihres wichtigen Dienstes auf dem rechten Wege des »sentire
cum Ecclesia« zu entdecken.
Die inneren und äußeren Schwierigkeiten dürfen uns nicht untätig oder
zu Pessimisten machen. Was hier - wie in jedem Bereich des christlichen
Lebens - zählt, ist das Vertrauen, das aus dem Glauben kommt, aus der
Überzeugung also, daß nicht wir die Hauptpersonen der Mission sind,
sondern Jesus Christus und sein Geist. Wir sind nur Mitarbeiter; und wenn
wir alles getan haben, was uns möglich ist, müssen wir sagen: »Wir sind
unnütze Diener. Wir haben getan, was zu tun uns aufgetragen war« (Lk 17,
10).
Bereiche der Mission ad gentes
37. Die Mission ad gentes kennt kraft des weltumspannenden Auftrages
Christi keine Grenzen. Man kann jedoch verschiedene Bereiche umreißen, in
denen sie sich entfaltet, sodaß man ein reales Bild der Situation
erhält.
a) Gebietsbezogene Bereiche: Die Missionstätigkeit ist normalerweise in
bezug auf genau umrissene Gebiete definiert worden. Das 2. Vatikanische
Konzil hat die gebietsbezogene Dimension der Mission ad gentes
anerkannt;(59) sie ist auch heute noch wichtig und hat den Zweck, die
Verantwortung, die Zuständigkeit und die geographischen Handlungsräume
abzugrenzen. Es ist zwar wahr, daß einer Weltmission eine Weltperspektive
entsprechen muß: die Kirche kann in der Tat keine Grenzen und politischen
Hindernisse akzeptieren, die ihre Missionspräsenz eingrenzen. Aber es ist
auch wahr, daß die Missionstätigkeit ad gentes, die von der Seelsorge
der Gläubigen und der Neu-Evangelisierung der Nicht Praktizierenden
verschieden ist, in klar abgegrenzten Gebieten und bei bestimmten
Menschengruppen ausgeübt wird.
Man darf sich nicht täuschen lassen von der starken Zunahme der jungen
Kirchen in letzter Zeit. In den diesen Kirchen anvertrauten Gebieten,
besonders in Asien, aber auch in Afrika, in Lateinamerika und in Ozeanien
gibt es ausgedehnte, nicht evangelisierte Zonen. In einer Reihe von
Nationen sind ganze Völker und Kulturen von großer Bedeutung noch nicht
von der Glaubensverkündigung und von der Ortskirche erfaßt.(60) Auch in
traditionell christlichen Ländern gibt es Gegenden, Menschengruppen und
nicht evangelisierte Bereiche, die der speziellen Leitung der Mission ad
gentes anvertraut sind. Es ist also auch in diesen Ländern nicht nur eine
Neu-Evangelisierung, sondern in einigen Fällen eine erstmalige
Evangelisierung geboten.(61)
Die einzelnen Situationen sind jedoch nicht gleichgeartet. Auch wenn man
dazu steht, daß die Aussagen bezüglich der missionarischen Verantwortung
der Kirche nicht glaubwürdig sind, wenn sie nicht vom ernsthaften Einsatz
einer Neu-Evangelisierung in den Ländern mit christlicher Tradition
begleitet sind, wird man die Situation eines Volkes, das Christus nie
kennengelernt hat, nicht gleichsetzen können mit jener eines anderen
Volkes, das ihn kennengelernt, angenommen und dann abgelehnt hat und das
dennoch in einer Kultur mit zum großen Teil evangelischen Prinzipien und
Werten weiterlebt. Es sind dies in bezug auf den Glauben zwei
grundverschiedene Ausgangsbedingungen.
Deshalb gilt das geographische Kriterium weiterhin als eine Richtlinie zur
Absteckung der Grenzen, nach der sich - auch wenn nicht sehr genau und
immer vorläufig - die Missionstätigkeit richten muß. Es gibt Länder
und geographische sowie kulturelle Räume, in denen einheimische
christliche Gemeinden fehlen; anderswo sind diese Gemeinden so klein, daß
sie kein eindeutiges Zeichen der Präsenz des Christentums sein können;
oder es fehlt ihnen an Dynamik, in ihrer Umgebung das Evangelium zu
künden, oder sie gehören Volksminderheiten an, die nicht in die
vorherrschende nationale Kultur eingebettet sind. Vor allem auf dem
asiatischen Kontinent, auf den sich das Hauptaugenmerk der Mission ad
gentes richten sollte, bilden die Christen nur eine kleine Minderheit,
auch wenn man dort manchmal nennenswerte Konversions-Bewegungen und
beispielhafte Formen christlicher Präsenz feststellen kann.
b) Neue Soziale Welten und Phänomene: Die raschen und tiefgreifenden
Umwälzungen, die heute die Welt, besonders die südliche Hälfte,
charakterisieren, haben einen starken Einfluß auf das Bild der Mission:
wo zuerst menschlich und sozial stabile Verhältnisse herrschten, ist
heute alles in Bewegung geraten. Man denke zum Beispiel an die
Verstädterung und an das massive Anwachsen der Städte, vor allem dort,
wo der Bevölkerungsdruck am stärksten ist. Derzeit lebt in vielen
Staaten schon mehr als die Hälfte der Bevölkerung in einigen wenigen
Großstädten, in denen sich die Probleme des Menschen oft verschlimmern,
gerade wegen der Anonymität, in die die Massen sich eingetaucht fühlen.
In der Neuzeit erfolgte die Missionstätigkeit überwiegend in verlassenen
Gebieten, fernab von zivilisierten Zentren und in Gebieten, die aufgrund
der Kommunikationsschwierigkeiten, der Sprache und des Klimas
unzugänglich waren. Heutzutage verändert sich das Bild der Mission ad
gentes zusehends: zu den bevorzugten Orten müßten die Großstädte
werden, in denen neue Gewohnheiten und Lebensstile, neue Formen der Kultur
und der Kommunikation entstehen, die ihrerseits wieder die Bevölkerung
beeinflussen. Es stimmt, daß »die Wahl für die Geringsten« dazu
führen muß, diejenigen Menschengruppen am wenigsten zu vernachlässigen,
die am meisten am Rande stehen und isoliert sind. Es stimmt aber auch,
daß man Einzelnen und kleinen Gruppen nicht das Evangelium verkünden
kann, wann man diejenigen Zentren vernachläßigt, in denen sozusagen eine
neue Menschheit mit neuen Entwicklungsmodellen heranwächst. Die Zukunft
der jungen Nationen nimmt ihren Ausgang in den Städten.
Wenn man von der Zukunft spricht, darf man die Jugend nicht vergessen, die
in zahlreichen Ländern mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmacht.
Wie erreicht die Botschaft Christi die nichtchristliche Jugend, die die
Zukunft ganzer Kontinente bildet? Die herkömmlichen Mittel der Pastoral
reichen offensichtlich nicht mehr aus. Es braucht Vereine und
Institutionen, Gruppen und Jugendhäuser, kulturelle und soziale
Initiativen für die Jugend. Das ist das Betätigungsfeld, auf dem sich
die modernen kirchlichen Bewegungen in breitem Ausmaße entfalten können.
Zu den großen Veränderungen der Gegenwart gehören die Aus- und
Einwanderer, durch die ein neues Phänomen entsteht: zahlreiche
Nichtchristen kommen in Länder mit alter christlicher Tradition; es
ergibt sich die Gelegenheit zu neuen Kontakten und kulturellem Austausch;
die Kirche sieht sich zu ihrer Aufnahme, zu Dialog, zu Hilfe, mit einem
Wort, zu Brüderlichkeit herausgefordert. Unter den Einwanderern nehmen
die Flüchtlinge einen ganz eigenen Platz ein und verdienen volle
Aufmerksamkeit. Es sind inzwischen viele Millionen auf der ganzen Welt und
es werden immer mehr. Sie sind geflüchtet vor politischer Unterdrückung
und unmenschlichem Elend, vor Hungersnot und Trockenheit in katastrophalen
Ausmaßen. Die Kirche muß sie im Umfeld ihrer apostolischen Sorge
aufnehmen.
Schließlich muß an die oft unerträglichen Situationen der Armut
erinnert werden, die es in vielen Ländern gibt und die oft am Ursprung
des Massenauszugs stehen. Die Gemeinschaft der Gläubigen in Christus
weiß sich von diesen unmenschlichen Situationen herausgefordert. Die
Verkündigung Christi und des Reiches Gottes muß für diese Völker zu
einem menschlichen Instrument der Erlösung werden.
c) Kulturbereiche oder moderne Areopage: Nachdem Paulus an zahlreichen
Orten gepredigt hat, kam er nach Athen und begab sich auf den Areopag;
dort verkündet er das Evangelium in einer Sprache, die für diese
Umgebung geeignet und verständlich war (vgl. Apg 17, 22-31). Der Areopag
stellte damals das Kulturzentrum des gebildeten Volkes von Athen dar; er
kann heute als Symbol für neue Bereiche aufgefaßt werden, denen das
Evangelium zu verkünden ist.
Ein solcher erster Areopag der neuen Zeit ist die Welt der Kommunikation,
die die Menschheit immer mehr eint und - wie man zu sagen pflegt - zu
einem »Weltdorf« macht. Die Mittel der sozialen Kommunikation spielen
eine derartig wichtige Rolle, daß sie für viele zum Hauptinstrument der
Information und Bildung, der Führung und Beratung für individuelles,
familiäres und soziales Verhalten geworden sind. Vor allem die neuen
Generationen wachsen in einer davon geprägten Welt auf. Vielleicht ist
dieser Areopag etwas vernachlässigt worden. Man bevorzugt im allgemeinen
andere Hilfsmittel für die Verkündigung des Evangeliums und für die
Bildung, während die Massenmedien der Initiative einzelner oder kleiner
Gruppen überlassen werden und in der pastoralen Planung erst an
untergeordneter Stelle Eingang finden. Die Einbeziehung der Massenmedien
hat jedenfalls nicht nur den Zweck, die Botschaft des Evangeliums vielen
zugänglich zu machen. Es handelt sich um eine weitaus tiefere
Angelegenheit, da die Evangelisierung der modernen Kultur selbst zum
großen Teil von ihrem Einfluß abhängt. Es genügt also nicht, sie nur
zur Verbreitung der christlichen Botschaft und der Lehre der Kirche zu
benutzen; sondern die Botschaft selbst muß in diese, von der modernen
Kommunikation geschaffene »neue Kultur« integriert werden. Es ist ein
komplexes Problem, da diese Kultur noch vor ihren Inhalten aus der
Tatsache selbst entsteht, daß es neue Arten der Mitteilung in Verbindung
mit einer neuen Sprache, mit neuen Techniken und mit neuen psychologischen
Haltungen gibt. Mein Vorgänger Papst Paul VI. sagte, daß »der Bruch
zwischen Evangelium und Kultur ohne Zweifel das Drama unserer Zeit
ist«.(62) Das weite Feld der heutigen Kommunikation bestätigt dieses
Urteil voll und ganz.
Es gibt noch viele andere Areopage der modernen Welt, an denen sich die
Missionstätigkeit der Kirche orientieren muß. Da ist zum Beispiel der
Einsatz für den Frieden, die Entwicklung und Befreiung der Völker; da
sind die Menschen und Völkerrechte, vor allem jene der Minderheiten; da
sind die Förderung der Frau und des Kindes. Der Schutz der Schöpfung ist
ebenfalls ein Bereich, der im Lichte des Evangeliums zu erhellen ist.
Es sei weiters an den überaus weitläufigen Areopag der Kultur, der
wissenschaftlichen Forschung und an die internationalen Beziehungen
erinnert, die alle einen Dialog begünstigen und zu neuen Projekten
zugunsten des Lebens führen. Man muß sich aufmerksam und engagiert in
diesen modernen Instanzen einbringen. Die Menschen fühlen sich wie
Seeleute auf der stürmischen See des Lebens, aufgerufen zu immer
größerer Einheit und Solidarität. Lösungen für die existenziellen
Probleme können nur unter Mitwirkung aller studiert, diskutiert und
experimentiert werden.
Dazu erweisen sich internationale Organismen und Zusammenkünfte in vielen
Sektoren des menschlichen Lebens, von der Kultur bis zur Politik, von der
Wirtschaft bis zur Forschung als immer wichtiger. Die Christen, die in
dieser internationalen Dimension leben und arbeiten, sollen sich ihre
Pflicht, das Evangelium zu bezeugen, vor Augen halten.
38. Unsere Zeit hat zugleich etwas Dramatisches und Faszinierendes an
sich. Während die Menschen einerseits dem materiellen Erfolg nachzulaufen
und sich immer mehr im konsumistischen Materialismus einzutauchen
scheinen, zeigt sich auf der anderen Seite die ängstliche Suche nach
Sinn, das Bedürfnis nach Innerlichkeit, die Sehnsucht nach dem Erlernen
neuer Formen der Konzentration und des Gebetes. Nicht nur in den religiös
geprägten Kulturen, sondern auch in den säkularisierten Gesellschaften
wird die geistliche Dimension des Lebens als Heilmittel gegen
Entmenschlichung gesucht. Dieses sogenannte Phänomen der »Rückkehr zur
Religion« ist nicht ohne Zweideutigkeit, enthält aber auch eine
Einladung. Die Kirche besitzt ein unschätzbares geistliches Gut, das sie
der Menschheit anbieten kann: es ist Christus, der sich als »der Weg, die
Wahrheit und das Leben« bezeichnet (Joh 14,16). Es ist der christliche
Weg der Begegnung mit Gott, mit dem Gebet, mit der Askese, mit der
Entdeckung des Lebenssinnes. Auch das ist auf dem Areopag zu verkündigen.
Treue zu Christus und Förderung der Freiheit des Menschen
39. Alle Formen der Missionstätigkeit sind gekennzeichnet vom
Bewußtsein, die Freiheit des Menschen zu fördern, indem ihm Jesus
Christus verkündigt wird. Die Kirche muß Christus treu sein, dessen Leib
sie ist und dessen Sendung sie fortsetzt. Sie »folge demselben Weg, der
von Christus gegangen wurde, dem Weg der Armut, des Gehorsams, des
Dienstes und seines Opfers bis zum Tod, aus dem er dann auferstand und als
Sieger hervorging«.(63) Die Kirche hat also die Pflicht, alles
daranzusetzen, um ihre Sendung in der Welt zu entfalten und alle Völker
zu erreichen; und sie hat auch das Recht, das ihr zur Verwirklichung
seines Planes von Gott gegeben wurde. Die religiöse Freiheit, manchmal
noch begrenzt oder vergewaltigt, ist Voraussetzung und Garantie für alle
Freiheiten, die das Gemeinwohl der Menschen und der Völker sichern. Es
bleibt zu hoffen, daß die wahre religiöse Freiheit allen und überall
gewährt wird. Die Kirche setzt sich für dieses Ziel in verschiedenen
Ländern ein, vor allem in Ländern mit katholischer Mehrheit, wo sie
einen größeren Einfluß hat. Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein
Problem der Mehrheits- oder Minderheitsreligion, sondern vielmehr um ein
unverrückbares Recht jedes Menschen.
Andererseits wendet sich die Kirche an den Menschen im vollen Respekt vor
seiner Freiheit.(64) Die Mission bezwingt die Freiheit nicht, sondern
begünstigt sie. Die Kirche schlägt vor, sie drängt nichts auf: Sie
respektiert die Menschen und Kulturen, sie macht Halt vor dem Heiligtum
des Gewissens. Vor denen, die sich unter den verschiedensten Vorwänden
der Missionstätigkeit widersetzen, wiederholt die Kirche: Öffnet
Christus die Türen!
Ich wende mich an alle Teilkirchen, an die jungen und an die alten. Die
Welt findet immer mehr zusammen, der Geist des Evangeliums muß zur
Überwindung von kulturellen und nationalistischen Barrieren führen und
jedes Sich-Verschließen zu vermeiden suchen. Schon Papst Benedikt XV.
ermahnte die Missionare seiner Zeit, sie würden »ihre eigene Würde
verlieren, wenn sie mehr an ihre irdische Heimat als an jene des Himmels
dächten«.(65)
Dieselbe Aufforderung gilt heute für alle Ortskirchen: Öffnet den
Missionaren die Türen, denn »jede Ortskirche, die sich bewußt von der
Weltkirche trennen wollte, würde ihre Rückbindung an den Plan Gottes
verlieren und in ihrer kirchlichen Dimension verarmen«.(66)
Die Aufmerksamkeit dem Süden und dem Orient zuwenden
40. Die Missionstätigkeit stellt auch heute noch die größte
Herausforderung für die Kirche dar. Während wir uns dem Ende des zweiten
Jahrtausends des Erlösungswerkes nähern, wird es immer deutlicher, daß
jene Völker, zu denen noch keine erste Verkündigung von Christus
gedrungen ist, die Mehrheit der Menschheit bilden. Die Bilanz der
Missionstätigkeit in der Neuzeit ist sicher positiv: die Kirche ist in
allen Kontinenten verwurzelt, ja die Mehrheit der Gläubigen und der
Ortskirchen lebt heute nicht mehr im alten Europa, sondern in jenen
Kontinenten, die von den Missionaren für den Glauben geöffnet wurden.
Es bleibt aber die Tatsache, daß die »äußersten Enden der Erde«,
denen das Evangelium zu bringen ist, sich immer mehr entfernen. Die
Feststellung Tertullians, wonach »das Evangelium auf der ganzen Welt und
bei allen Völkern verkündet worden ist«,(67) ist recht weit von ihrer
konkreten Verwirklichung entfernt. Die Mission ad gentes steht noch in
ihren Anfängen. Neue Völker treten in Erscheinung; auch sie haben das
Recht auf die Verkündigung des Heiles. Der Bevölkerungszuwachs im Süden
und im Orient, in nichtchristlichen Ländern, läßt ständig die Zahl
jener Menschen anwachsen, die die Erlösung in Christus nicht kennen.
Die missionarische Aufmerksamkeit muß also auf jene geographischen
Gebiete und auf jene kulturellen Umfelder gelenkt werden, die außerhalb
des Einflusses des Evangeliums geblieben sind. Alle, die an Christus
glauben, sollen die apostolische Verantwortung als einen integrierenden
Teil ihres Glaubens spüren, anderen die Freude und das Licht zu
vermitteln. Diese Verantwortung muß gewissermaßen zum Hunger und Durst
werden, den Herrn bekanntzumachen, sobald sich der Blickwinkel auf die
weiten Teile der nichtchristlichen Welt ausweitet.
KAPITEL V
WEGE DER MISSION
41. »Missionstätigkeit ist nichts anderes und nichts weniger als
Kundgabe oder Epiphanie und Erfüllung des Planes Gottes in der Welt und
ihrer Geschichte, in der Gott durch die Mission die Heilsgeschichte
sichtbar vollzieht«.(68) Welchen Wegen folgt nun die Kirche, um zu diesem
Ergebnis zu kommen?
Mission ist eine einzige, aber komplexe Wirklichkeit, die sich in
verschiedenen Formen entfaltet, unter denen einige in der gegenwärtigen
Situation der Kirche und der Welt von besonderer Wichtigkeit sind.
Die erste Form der Evangelisierung ist das persönliche Zeugnis
42. Der Mensch unserer Zeit glaubt mehr den Zeugen als den Lehrern,(69)
mehr der Erfahrung als der Lehre, mehr dem Leben und den Taten als den
Theorien. Das Zeugnis des christlichen Lebens ist die erste und
unersetzbare Form der Mission. Christus, dessen Sendung wir fortsetzen,
ist der »Zeuge« schlechthin (Off 1, 5; 3, 14) und das Modell
christlichen Zeugnisses. Der Heilige Geist begleitet den Weg der Kirche
und läßt sie teilnehmen am Zeugnis, das er von Christus gibt (vgl. Joh
15, 26-27).
Die erste Form des Zeugnisses ist das Leben des Missionars, der
christlichen Familie und der kirchlichen Gemeinschaft; diese Form läßt
eine neue Verhaltensweise erkennen. Der Missionar, der trotz aller Grenzen
und menschlichen Schwächen in Einfachheit nach dem Modell Christi lebt,
ist ein Zeichen Gottes und der transzendenten Wirklichkeit. Dieses Zeugnis
können und müssen jedoch alle in der Kirche geben, indem sie sich
bemühen, den göttlichen Meister nachzuahmen;(70) ein Zeugnis, das in
vielen Fällen die einzig mögliche Form ist, Missionar zu sein.
Das evangelische Zeugnis, das die Welt am ehesten wahrnimmt, ist jenes der
Aufmerksamkeit für die Menschen und der Liebe zu den Armen und den
Kleinen, zu den Leidenden. Der Geschenkcharakter dieses Verhaltens und
dieser Aktivitäten, die sich abgrundtief von dem in jedem Menschen
vorhandenen Egoismus unterscheiden, führt zu gezielten Fragen nach Gott
und dem Evangelium. Auch der Einsatz für den Frieden, die Gerechtigkeit,
die Menschenrechte und die menschliche Entfaltung ist ein evangelisches
Zeugnis, wenn er Zeichen der Aufmerksamkeit für die Menschen ist,
ausgerichtet auf die Gesamtentfaltung des Menschen.(71)
43. Der Christ und die christliche Gemeinde sind tief verwurzelt im Leben
der jeweiligen Völker; sie sind Zeugen des Evangeliums auch in der Treue
zu ihrer Heimat, zu ihrem Volk, zu ihrer Landeskultur, immer jedoch in der
Freiheit, die Christus gebracht hat. Das Christentum ist offen für eine
weltweite Brüderlichkeit, weil alle Menschen Söhne und Töchter
desselben Vaters und Geschwister in Christus sind.
Die Kirche ist aufgerufen, ihr Zeugnis von Christus zu geben, indem sie
mutig und prophetisch Position ergreift gegen die Korruption der
politischen und wirtschaftlichen Macht; indem sie selbst weder Ruhm noch
materielle Güter sucht; indem sie ihre Güter für den Dienst an den
Ärmsten verwendet und zur Einfachheit des Lebens in Christus einlädt.
Die Kirche und die Missionare müssen auch ein Zeugnis der Demut geben,
bezogen vor allem auf sich selbst. Diese Demut drückt sich auf
persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene aus in der Fähigkeit zur
Gewissenserforschung, um in den eigenen Verhaltensweisen das auszubessern,
was unevangelisch ist und das Angesicht Christi entstellt.
Die Erst-Verkündigung Christi, des Erlösers
44. Die Verkündigung hat in der Mission jederzeit Vorrang. Die Kirche
darf sich dem ausdrücklichen Auftrag Christi nicht entziehen; sie darf
den Menschen die »gute Nachricht«, daß sie von Gott geliebt und
gerettet sind, nicht vorenthalten. »Die Evangelisierung wird - als Basis,
Zentrum und zugleich Höhepunkt ihrer Dynamik - immer auch eine klare
Aussage enthalten, daß in Jesus Christus ... jedem Menschen das Heil
angeboten ist, als Geschenk der Gnade und Barmherzigkeit Gottes
selbst«.(72) Alle Formen der Missionstätigkeit haben diese Verkündigung
zum Ziel; sie führt in das in der Zeit verborgene und in Christus
enthüllte Geheimnis ein und enthüllt es (vgl. Eph 3, 3-9; Kol 1, 25-29).
Christus ist das Herzstück der Mission und des Lebens der Kirche, der
Angelpunkt der gesamten Evangelisierung.
In der komplexen Wirklichkeit der Mission spielt die erstmalige
Verkündigung eine zentrale und unersetzbare Rolle, weil sie eine
Einführung ist »in das Geheimnis der Liebe Gottes, die zu einer engen
persönlichen Beziehung in Christus ruft«(73) und den Weg zur Bekehrung
öffnet. Der Glaube erwächst aus der Verkündigung. Jede kirchliche
Gemeinschaft beginnt mit und lebt aus der persönlichen Antwort jedes
einzelnen Glaubenden auf diese Verkündigung.(74) So wie die ganze
Heilsökonomie auf Christus ausgerichtet ist, so ist die Verkündigung
seines Geheimnisses das Ziel jeder Missionstätigkeit.
Die Verkündigung hat Christus, den Gekreuzigten, Gestorbenen und
Auferstandenen zum Gegenstand: durch ihn ereignet sich die volle und echte
Befreiung vom Bösen, von der Sünde und vom Tod; in ihm schenkt Gott das
»neue Leben«, ein göttliches und ewiges Leben. Das ist die »gute
Nachricht«, die den Menschen und die Geschichte der Menschheit verändert
und auf deren Kenntnis alle Völker ein Recht haben. Diese Verkündigung
hat im Kontext des Lebens der Menschen und der Völker, die sie erhalten,
zu geschehen. Sie muß weiters aus der Haltung der Liebe und der
Wertschätzung des Hörenden heraus erfolgen, in einer konkreten und den
Umständen angepaßten Sprache. In ihr ist der Geist am Werk und stellt
eine Gemeinschaft zwischen dem Missionar und den Hörenden her, die
dadurch möglich ist, daß sowohl der eine als auch die anderen durch
Christus mit dem Vater verbunden sind.(75)
45. Verkündigung als Geschehen in Einheit mit der ganzen kirchlichen
Gemeinschaft ist niemals eine rein persönliche Angelegenheit. Der
Missionar ist da und wirkt kraft eines erhaltenen Auftrages; auch wenn er
allein ist, ist er durch ein unsichtbares, aber enges Band mit der
Missionstätigkeit der ganzen Kirche verbunden.(76) Die Hörer erkennen
früher oder später hinter ihm die Gemeinde, die ihn gesandt hat und die
ihn unterstützt.
Die Verkündigung ist vom Glauben beseelt, der beim Missionar Enthusiasmus
und Eifer hervorruft. Wie schon gesagt wurde, bezeichnet die
Apostelgeschichte diese Haltung mit dem Wort Parresía, das heißt: mit
Offenheit und Freimut sprechen. Dieser Begriff wird auch bei Paulus
verwendet: »Im Vertrauen auf unseren Gott haben wir den Mut gehabt, euch
trotz harter Kämpfe das Evangelium von Gott zu künden« (1 Thess 2, 2).
»Betet ... auch für mich, daß Gott mir das rechte Wort schenkt, wenn es
darauf ankommt, mit Freimut das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden,
als dessen Gesandter ich im Gefängnis bin. Bittet, daß ich in seiner
Kraft freimütig zu reden vermag, wie es meine Pflicht ist« (Eph 6,
18-20).
Der Missionar geht bei der Verkündigung Christi unter Nicht-Christen von
der Überzeugung aus, daß sowohl bei den einzelnen als auch bei den
Völkern durch das Wirken des Geistes schon eine - wenn auch unbewußte -
Erwartung da ist, die Wahrheit über Gott, über den Menschen, über den
Weg zur Befreiung von Sünde und Tod zu erfahren. Die Begeisterung bei der
Verkündigung Christi kommt von der Überzeugung, auf diese Erwartung
antworten zu können, sodaß der Missionar sich weder entmutigen läßt
noch von seinem Zeugnis abgeht, auch wenn er seinen Glauben in einer
feindseligen oder gleichgültigen Umgebung zu bekennen hat. Er weiß, daß
der Geist des Vaters in ihm spricht (vgl. Mt 10, 17-20; Lk 12, 11-12) und
kann mit den Aposteln wiederholen: »Zeugen dieser Ereignisse sind wir und
der Heilige Geist« (Apg 5, 32). Er weiß, daß er nicht eine
Menschenweisheit verkündet, sondern das »Wort Gottes«, das eine ihr
eigene innere und geheimnisvolle Kraft besitzt (vgl.Röm 1, 16).
Den besten Beweis dafür bildet das Geschenk des Lebens, bis zur Annahme
des Todes als Zeugnis des Glaubens an Jesus Christus. Seit jeher kennt die
Geschichte des Christentums zahlreiche und unverzichtbare »Märtyrer«
d.h. Zeugen auf dem Weg des Evangeliums. Auch in unserer Zeit gibt es sie
in großer Zahl: Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen,
Laien und oft unbekannte heldenhafte Menschen, die ihr Leben als Zeugen
des Glaubens hingeben. Sie sind an erste Stelle Verkünder und Zeugen.
Bekehrung und Taufe
46. Die Verkündigung des Wortes Gottes hat die christliche Bekehrung zum
Ziel, das heißt die volle und ehrliche Zugehörigkeit zu Christus und
seinem Evangelium durch den Glauben. Die Bekehrung ist ein Geschenk
Gottes, ein Werk der Dreifaltigkeit: es ist der Geist, der die Herzen
öffnet, damit die Menschen an den Herrn glauben und »ihn bekennen«
können (vgl. 1 Kor 12, 3). Jesus sagt zu dem, der sich ihm im Glauben
nähert: »Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich
gesandt hat, ihn zu mir führt« (Joh 6, 44).
Die Bekehrung ist von Anfang an ein voller und radikaler Glaubensausdruck,
der weder Grenzen noch Einhalt kennt und das Geschenk Gottes voll und ganz
annimmt. Zugleich jedoch setzt sie mit Bestimmtheit einen dynamischen und
dauerhaften Prozeß in Gang, der das ganze Leben lang dauert und der einen
ständigen Übergang vom »Leben nach dem Fleisch« zu einem »Leben nach
dem Geist« erfordert (vgl. Röm 8, 3-13). Sie bedeutet, die
Heilswirklichkeit Christi durch persönliche Entscheidung annehmen und
sein Jünger werden.
Die Kirche ruft alle zu dieser Bekehrung auf, nach dem Beispiel Johannes
des Täufers, der den Weg für Christus bereitete, »indem er Umkehr und
Taufe zur Vergebung der Sünden predigte« (Mk 1, 4), und nach dem
Beispiel Christi selbst, »der, nachdem man Johannes ins Gefängnis
geworfen hatte, wieder nach Galiläa ging und dort das Evangelium Gottes
verkündete mit den Worten: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist
nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium« (Mk 1, 14-15).
Heute steht der Aufruf zur Bekehrung, den die Missionare an Nicht-Christen
richten, zur Diskussion oder wird verschwiegen. Man sieht darin einen Akt
des »Proselitismus«; man sagt, es genüge, den Menschen zu helfen, mehr
Mensch zu werden oder der eigenen Religion treuer zu sein; man sagt, es
genüge, Gemeinschaften ins Leben zu rufen, die fähig seien, für
Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden und Solidarität einzutreten. Aber man
vergißt dabei, daß jeder Mensch das Recht hat, von der »guten
Nachricht« Gottes zu hören, der sich in Christus offenbart und schenkt;
so erst kann der Mensch seine eigene Berufung voll verwirklichen. Die
Größe dieses Geschehens klingt in den Worten Jesu an die Samaritanerin
an: »Wenn du wüßtest, worin die Gabe Gottes besteht« und in dem
unbewußten, aber brennenden Verlangen der Frau: »Herr, gib mir dieses
Wasser, damit ich nicht mehr Durst habe« (Joh 4, 10.15).
47. Die Apostel luden, bewegt vom Heiligen Geist, alle zur Änderung des
Lebens, zur Bekehrung und zum Empfang der Taufe ein. Sofort nach dem
Pfingstereignis spricht Petrus in überzeugender Weise zu der Menge: »Als
sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und
den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus antwortete
ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi
taufen zur Vergebung seiner Sünden. Dann werdet ihr die Gabe des Heiligen
Geistes empfangen« (Apg 2, 37-38). Und er taufte an jenem Tag ungefähr
dreitausend Menschen. Ein anderes Mal spricht Petrus nach der Heilung
eines Gelähmten zu der Menge und wiederholt: »Kehrt also um und tut
Buße, damit eure Sünden getilgt werden!« (Apg 3, 19).
Die Bekehrung zu Christus ist eng mit der Taufe verbunden: diese
Verbindung besteht nicht nur wegen der Praxis der Kirche, sondern aufgrund
des Willens Christi und seines Aussendungsauftrags, alle Völker zu seinen
Jüngern zu machen und sie zu taufen (vgl. Mt 28, 19); sie besteht auch
aus einem inneren Zusammenhang heraus, um die Fülle des neuen Lebens in
ihm zu erhalten: »Amen, Amen, ich sage dir - spricht Jesus zu Nikodemus
-: wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in
das Reich Gottes eingehen« (Joh 3, 5). Die Taufe schafft uns in der Tat
neu zum Leben als Kinder Gottes. Sie verbindet uns mit Jesus Christus und
salbt uns im Heiligen Geist. Die Taufe ist nicht einfach die Besiegelung
der Bekehrung, gleichsam ein äußerliches Zeichen der Bestätigung; sie
ist vielmehr das Sakrament, das diese Neugeburt im Geist bezeichnet und
bewirkt, das reale und unlösbare Bande mit der Trinität knüpft und die
Getauften zu Gliedern Christi und seiner Kirche macht.
An all das muß erinnert werden, da nicht wenige gerade dort, wo sich die
Mission ad gentes entfaltet, dazu neigen, die Bekehrung zu Christus von
der Taufe zu trennen, letztere als nicht notwendig zu bezeichnen. Es ist
wahr, daß in bestimmten Gegenden soziologische Aspekte bezüglich der
Taufe zu beobachten sind, die den wahren Sinn des Glaubens eher
verdunkeln. Das rührt von verschiedenen historischen und kulturellen
Faktoren her, die - wo sie noch vorhanden sind - zu beseitigen sind, damit
das Sakrament der geistlichen Neugeburt in seiner vollen Bedeutung
erscheine. Dieser Aufgabe müssen sich die lokalen kirchlichen
Gemeinschaften widmen. Es ist auch wahr, daß nicht wenige Menschen
zugeben, innerlich Christus und seiner Botschaft verpflichtet zu sein;
aber sie wollen es nicht im Sakrament sein, weil sie aufgrund ihrer
Vorurteile oder der Schuld von Christen die wahre Natur der Kirche als
Geheimnis des Glaubens und der Liebe nicht zu erfassen vermögen.(77) Ich
möchte diese Menschen ermutigen, sich Christus voll zu öffnen und sie
daran erinnern, daß - wenn sie die Faszination Christi spüren - er
selbst die Kirche als den »Ort« gewollt hat, an dem man ihm tatsächlich
begegnen kann. Gleichzeitig lade ich die Gläubigen und die christlichen
Gemeinden ein, Christus mit ihrem neuen Leben glaubhaft zu bezeugen.
Sicher, jeder Bekehrte ist ein Geschenk auch an die Kirche und bedeutet
für sie eine schwere Verantwortung; nicht nur, weil er im Katechumenat
auf die Taufe vorbereitet und dann durch religiöse Unterweisung begleitet
werden muß, sondern auch weil er, speziell als Erwachsener, mit neuer
Energie die Begeisterung des Glaubens mitbringt und den Wunsch, in der
Kirche selbst ein gelebtes Evangelium vorzufinden. Es wäre für ihn eine
Enttäuschung, wenn er, der in die kirchliche Gemeinschaft eingetreten
ist, dort ein müdes, freudloses, nicht erneuerungsbereites Leben
anträfe. Wir können nicht die Bekehrung predigen, wenn wir uns nicht
selbst jeden Tag bekehren.
Bildung von Ortskirchen
48. Bekehrung und Taufe gliedern in die Kirche ein, wo sie schon besteht,
oder erfordern die Bildung neuer Gemeinden, die Jesus als Herrn und
Heiland bekennen. Dies ist Teil des Heilsplans Gottes, dem es gefallen
hat, »die Menschen nicht bloß als einzelne zur Teilhabe an seinem Leben
zu rufen, sondern sie zu einem Volk zu bilden, in dem seine Kinder, die
verstreut waren, in eins versammelt werden sollen«.(78)
Die Mission ad gentes hat das Ziel, christliche Gemeinden zu gründen und
Kirchen zu entfalten bis zu ihrer vollendeten Reifung. Dies ist ein
Hauptanliegen und bestimmt das missionarische Handeln in dem Maße, daß
es nur dann als erfüllt gelten kann, bis es gelingt, neue Ortskirchen zu
errichten, die im lokalen Umfeld angemessen ihre Funktion wahrnehmen.
Davon ist im Dekret Ad Gentes ausführlich die Rede,(79) und nach dem
Konzil unterstrich die theologische Entwicklung, daß das Mysterium der
Kirche in jeder Teilkirche enthalten ist, sofern sie sich nicht isoliert,
sondern in Gemeinschaft mit der Gesamtkirche bleibt und ihrerseits
missionarisch wird. Es handelt sich dabei um ein großes und langwieriges
Unternehmen. Und es ist schwierig, genau die Phasen anzugeben, in denen
das missionarische Handeln im engeren Sinn aufhört und in normale
Seelsorge übergeht. Einige Punkte jedoch müssen klar bleiben.
49. Es ist vor allem notwendig zu versuchen, überall christliche
Gemeinden zu errichten, die »Zeichen der Gegenwart Gottes in der
Welt«(80) sein und sich zu Kirchen entwickeln sollen. Trotz der großen
Zahl der Diözesen gibt es weite Gebiete, in denen Ortskirchen entweder
völlig fehlen oder angesichts der Weite des Territoriums oder der
Bevölkerungsdichte bzw. -vielfalt unzureichend sind. Die
kirchengeschichtliche Phase der plantatio Ecclesiae ist nicht
abgeschlossen; sie ist vielmehr bei vielen Menschengruppen erst zu
beginnen.
Die Verantwortung für eine solche Aufgabe tragen sowohl die Gesamtkirche
als auch die Teilkirchen, das gesamte Volk Gottes wie die verschiedenen
missionarischen Kräfte. Jede Kirche - auch jene, die aus Neubekehrten
besteht - ist ihrer Natur nach missionarisch, hat das Evangelium empfangen
und trägt es weiter. Der Glaube erweist sich immer als Geschenk Gottes,
das in Gemeinschaft (Familie, Pfarreien, Vereinigungen) gelebt werden und
im Zeugnis des Lebens und des Wortes nach außen strahlen soll. Das
Verkünden des Evangeliums durch die christliche Gemeinde - zunächst in
ihrem eigenen Gebiet und schließlich auch anderswo - ist Teilhabe an der
allgemeinen Mission und so das deutlichste Zeichen für die Reife des
Glaubens. Es bedarf einer radikalen Umkehr der Geisteshaltung, um
Missionar zu werden - das gilt für Personen wie für Gemeinden. Der Herr
ruft uns unaufhörlich, aufzubrechen aus unserer Selbstverfangenheit, um
mit den anderen zu teilen, was wir haben, beginnend mit dem Kostbarsten:
dem Glauben. An diesem missionarischen Auftrag sind alle kirchlichen
Organe, Bewegungen, Pfarren und apostolische Werke zu messen. Nur indem
sie missionarisch wird, kann die christliche Gemeinschaft innere
Spaltungen und Spannungen überwinden und ihre Einheit sowie Glaubenskraft
wiederfinden.
Die missionarischen Kräfte, die von anderen Kirchen und Ländern
ausgehen, müssen in Verbindung mit den Ortskirchen wirken für die
Entwicklung der christlichen Gemeinschaft. Besonders kommt es ihnen zu -
stets gemäß den Weisungen der Bischöfe und in Zusammenarbeit mit den
Verantwortlichen vor Ort - die Verbreitung des Glaubens und die
Ausbreitung der Kirche in nichtchristlichem Umfeld voranzutreiben, auf die
Ortskirchen im missionarischen Geist einzuwirken, damit die pastorale
Sorge immer ausgerichtet sei auf jene für die Mission ad gentes. Jede
Kirche mache sich die Sorgen Christi, des Guten Hirten, zueigen, der sich
der eigenen Herde annimmt, aber zugleich auch sorgt um alle »anderen
Schafe, die nicht aus diesem Stall sind« (Joh 10, 16).
50. Diese Sorge bildet Motiv und Antrieb für eine erneute ökumenische
Aufgabe. Die bestehenden Bindungen zwischen ökumenischer und
missionarischer Aktivität machen es notwendig, zwei Begleitfaktoren in
Betracht zu ziehen. Zum einen muß man anerkennen, daß »die Spaltung der
Christen ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des
Evangeliums vor allen Geschöpfen ist und vielen den Zugang zum Glauben
verschließt«.(81) Die Tatsache, daß die frohe Botschaft der Versöhnung
von den untereinander gespaltenen Christen verkündet wird, vermindert
ihre Zeugniskraft; daher muß dringend für die Einheit der Christen
gearbeitet werden, damit die missionarische Aktivität überzeugender
wirkt. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, daß eben diese
Anstrengungen um die Einheit schon aus sich ein Zeichen der Versöhnung
darstellen, die Gott unter ihnen wirkt.
Zum anderen darf nicht übersehen werden, daß all jene, die die Taufe in
Christus empfangen haben, untereinander eine gewisse, wenn auch
unvollkommene Gemeinschaft bilden. Darauf gründet die vom Konzil gegebene
Ausrichtung: »Die Katholiken sollen mit den von ihnen getrennten
Brüdern, gemäß den Richtlinien des Dekretes über den Ökumenismus,
brüderlich zusammenarbeiten im gemeinsamen Bekenntnis des Glaubens an
Gott und an Jesus Christus vor den Heiden, soweit dies vorhanden ist,
ebenso im Zusammenwirken in sozialen und technischen sowie kulturellen und
religiösen Dingen, wobei man jeden Anschein von Indifferentismus und
Verwischung sowie ungesunder Rivalität vermeiden muß«.(82)
Das ökumenische Bemühen und das mit der Lehre Christi übereinstimmende
Zeugnis von Christen, die verschiedenen Kirchen und kirchlichen
Gemeinschaften angehören, haben schon reiche Früchte getragen. Aber es
wird immer dringlicher, daß sie zusammenarbeiten und gemeinsam Zeugnis
ablegen in dieser Zeit, in der christliche und außerchristliche Sekten
Verwirrung stiften. Die Ausbreitung dieser Sekten stellt eine Bedrohung
für die katholische Kirche und für alle kirchlichen Gemeinschaften dar,
mit denen sie einen Dialog führt. Wo immer es möglich ist und gemäß
den örtlichen Umständen, wird die Antwort selbst eine ökumenische sein
können.
»Kirchliche Basisgemeinden« Verkünder des Evangeliums
51. Die kirchlichen Basisgemeinden (bekannt auch unter anderen Namen)
wachsen rasch in den jungen Kirchen. Sie werden von den Bischöfen und
deren Konferenzen mitunter als pastorale Priorität gefördert und
bewähren sich als Zentren der christlichen Ausbildung und missionarischen
Ausstrahlung. Es handelt sich dabei um Gruppen von Christen, die sich auf
familiärer Ebene oder in begrenztem Umkreis treffen, um zu beten, die
Heilige Schrift zu lesen, das Glaubenswissen zu vertiefen und menschliche
und kirchliche Probleme im Hinblick auf ein gemeinsames Engagement zu
besprechen. Sie sind Zeichen für die Lebendigkeit der Kirche, Hilfe für
die Ausbildung und bei der Verkündigung des Evangeliums und wertvoller
Ausgangspunkt für eine neue Gesellschaft, die gegründet ist auf die
»Zivilisation der Liebe«.
Solche Gemeinden gliedern und prägen die Pfarrgemeinde, mit der sie stets
verbunden bleiben. Sie wurzeln in städtischen und ländlichen Schichten
und werden Sauerteig des christlichen Lebens, der Aufmerksamkeit für die
Vernachlässigten und des Engagements für die Umwandlung der
Gesellschaft. In ihnen erfährt der einzelne Christ Gemeinschaft, fühlt
sich selbst als aktives Element und wird angeregt, an der Aufgabe für
alle mitzuwirken. Auf diese Weise sind die Basisgemeinden Hilfe zur ersten
und zur vertieften Verkündigung des Evangeliums und Ursprung neuer
Dienste. Getrieben von der Liebe Christi, bieten sie auch Hilfe an, wie
man Spaltungen, Stammesegoismen und Rassismen überwinden kann. Jede
Gemeinschaft, die christlich sein will, muß in der Tat in Christus
gründen und in ihm leben, im Hören des Wortes Gottes, im Gebet, das
seine Mitte in der Eucharistie hat, in der Gemeinschaft, die einig ist in
Herz und Sinn, und im Teilen untereinander, entsprechend den Bedürfnissen
der Mitglieder (vgl. Apg 2, 42-47). Jede Gemeinde - daran erinnerte Paul
VI. - muß in Einheit mit der Teil- und der Gesamtkirche leben, in
aufrichtiger Gemeinschaft mit den Hirten und dem Lehramt; dabei bemüht
sie sich, missionarisch zu wirken und jede ideologische Abschließung oder
Instrumentalisierung zu vermeiden.(83) »Da die Kirche Gemeinschaft ist,
sind die neuen Basisgemeinden, die wirklich in Einheit mit der Kirche
leben, ein wahrer Ausdruck der Gemeinschaft und Mittel, um eine noch
tiefere Gemeinschaft zu bilden. Daher geben sie Grund zu großer Hoffnung
für das Leben der Kirche«.(84)
Das Evangelium in den Kulturen der Völker lebendig werden lassen
52. Bei ihrer Mission unter den Völkern trifft die Kirche auf
verschiedene Kulturen und wird in den Prozeß der Inkulturation
eingebunden. Diese hat als Erfordernis den gesamten geschichtlichen Weg
der Kirche geprägt, ist aber heute besonders wichtig und dringlich.
Der Prozeß der Einfügung der Kirche in die Kulturen der Völker verlangt
viel Zeit. Es handelt sich ja nicht nur um eine äußere Anpassung, denn
Inkulturation »bedeutet die innere Umwandlung der authentischen
kulturellen Werte durch deren Einfügung ins Christentum und die
Verwurzelung des Christentums in den verschiedenen Kulturen«.(85) Sie ist
also ein tiefgreifender und umfassender Prozeß, der sowohl die
christliche Botschaft als auch die Betrachtung und die Praxis der Kirche
betrifft. Es handelt sich aber auch um einen schwierigen Prozeß, da die
Eigenart und Vollständigkeit des christlichen Glaubens auf keine Weise
geschmälert werden dürfen.
Durch die Inkulturation macht die Kirche das Evangelium in den
verschiedenen Kulturen lebendig und führt zugleich die Völker mit ihren
Kulturen in die Gemeinschaft mit ihr ein(86) und überträgt ihnen die
eigenen Werte, indem sie aufnimmt, was in diesen Kulturen an Gutem ist,
und sie von innen her erneuert.(87) Ihrerseits wird die Kirche durch die
Inkulturation immer verständlicheres Zeichen von dem, was geeigneteres
Mittel der Mission ist.
Dank dieses Handelns der Ortskirchen, wird die Gesamtkirche selbst in
ihren verschiedenen Lebensbereichen an Ausdrucksformen und Werten
bereichert, wie etwa in der Verkündigung des Evangeliums, im Kult, in der
Theologie, in der Caritas. Sie lernt das Mysterium Christi tiefer kennen
und auszudrücken und wird zu ständiger Erneuerung angeregt. Diese Themen
waren Gegenstand des Konzils und der folgenden lehramtlichen Äußerungen.
Ich habe mich während meiner Besuche bei den jungen Kirchen wiederholt
darauf bezogen.(88)
Die Inkulturation ist ein langsamer Weg, der das gesamte missionarische
Leben begleitet und die verschiedenen Mitarbeiter der Mission ad gentes
einbezieht: die christlichen Gemeinden im Zuge ihrer Entwicklung, die
Seelsorger, die Verantwortung für Beurteilung und Anregung dieses
Bemühens tragen.(89)
53. Die Missionare, die aus anderen Kirchen und Ländern kommen, müssen
sich in die sozio-kulturelle Welt derer, zu denen sie gesandt sind,
einfügen und die begrenzenden Prägungen der eigenen Herkunft
überwinden. Sie müssen die Sprache der Gegend, in der sie arbeiten,
lernen, die bezeichnendsten Ausdrucksformen jener Kultur kennen und deren
Werte in unmittelbarer Erfahrung entdecken. Nur in dieser Kenntnis werden
sie den Völkern in glaubhafter und fruchtbarer Weise Kunde vom
verborgenen Geheimnis geben (vgl. Röm 16, 25-27; Eph 3, 5). Sie sollen
sicherlich ihre eigene kulturelle Identität nicht verleugnen, sondern die
Umgebung, in der sie wirken, verstehen, schätzen, fördern und mit dem
Evangelium durchwirken. So bringen sie sich in die Lage, wirklich mit der
neuen sozio-kulturellen Welt in Dialog treten zu können. Der Lebensstil,
den sie dabei annehmen, soll Zeichen für das Zeugnis des Evangeliums und
der Solidarität mit den Menschen sein.
Die sich entfaltenden christlichen Gemeinden werden vom Evangelium
inspiriert. So können sie ihre eigene christliche Erfahrung immer besser
in origineller Art und Weise zum Ausdruck bringen, harmonisch mit den
eigenen kulturellen Traditionen, doch immer in Einklang mit den objektiven
Erfordernissen des Glaubens selbst. Vor allem in Hinblick auf die
heikleren Bereiche der Inkulturation, sollen deshalb die Teilkirchen
desselben Gebiets untereinander(90) und mit der gesamten Kirche
zusammenarbeiten in der Überzeugung, daß nur ein Bemühen um die Gesamt-
wie die Teilkirche sie fähig macht, den Schatz des Glaubens in die
berechtigte Verschiedenheit seiner Ausdrucksformen zu übersetzen.(91) So
bieten die Gruppen, die das Evangelium angenommen haben, die Elemente für
eine »Übersetzung« der Botschaft des Evangeliums(92) im Bewußtsein des
positiven Beitrages, den es im Laufe der Jahrhunderte gegeben hat dank der
Kontaktpflege des Christentums mit den verschiedenen Kulturen, aber ohne
die Gefahren der Entfremdung zu vergessen, die des öfteren aufgetreten
sind.(93)
54. Diesbezüglich bleiben einige Hinweise von grundlegender Bedeutung.
Die Inkulturation in ihrem recht verstandenen Prozeß muß sich von zwei
Prinzipien der »Vereinbarkeit mit dem Evangelium und der Gemeinschaft mit
der Gesamtkirche«(94) leiten lassen. Die Bischöfe als Hüter des
Glaubensgutes tragen Sorge für die Glaubenstreue und die unterscheidende
Beurteilung,(95) wofür ein wohlausgewogenes Gleichgewicht erforderlich
ist. Es besteht nämlich die Gefahr des unkritischen Übergangs von einer
Form der kulturellen Entfremdung zu deren Überbewertung, die eine
Hervorbringung des Menschen und damit von der Sünde gezeichnet ist. Auch
sie muß »geheilt, erhoben und vollendet«(96) werden.
Ein solcher Prozeß muß schrittweise vor sich gehen, damit er wirklich
Ausdruck der christlichen Erfahrung der Gemeinde sein kann. »Das
christliche Mysterium bedarf einer Zeit der Reife im Geist eures Volkes -
sagte Paul VI. in Kampala - damit seine natürliche Stimme noch klarer und
freier sich harmonisch erheben kann im Chor aller Stimmen der gesamten
Kirche«.(97) Schließlich muß die Inkulturation das ganze Volk Gottes
und nicht nur einige Experten einbeziehen, denn es ist bekannt, daß das
Volk über den ursprünglichen Glaubenssinn nachdenkt, was nie aus dem
Blick verloren werden soll. Diese muß zwar angeleitet und angeregt, darf
aber nicht erzwungen werden, um keine negativen Reaktionen der Christen
hervorzurufen. Sie hat Ausdruck des gemeinschaftlichen Lebens und nicht
ausschließliche Frucht gelehrter Forschung zu sein, muß also in der
Gemeinschaft selber reifen. Die Bewahrung der traditionellen Werte ist ein
Erfolg gereiften Glaubens.
Der Dialog mit den Brüdern aus anderen Religionen
55. Der interreligiöse Dialog ist Teil der Sendung der Kirche zur
Verkündigung des Evangeliums. Wenn er als Methode und Mittel zur
wechselseitigen Kenntnis und Bereicherung verstanden wird, steht er nicht
in Gegensatz zur Mission ad gentes sondern hat vielmehr eine besondere
Bindung zu ihr und ist sogar Ausdruck davon. Diese Mission richtet sich ja
an jene Menschen, die Christus und sein Evangelium nicht kennen und ganz
überwiegend anderen Religionen angehören. In Christus ruft Gott alle
Völker zu sich und will ihnen die Fülle seiner Offenbarung und Liebe
mitteilen. Er macht sich auf vielfältige Weise gegenwärtig, nicht nur
dem einzelnen, sondern auch den Völkern im Reichtum ihrer Spiritualität,
die in den Religionen ihren vorzüglichen und wesentlichen Ausdruck
findet, auch wenn sie »Lücken, Unzulänglichkeiten und Irrtümer«(98)
enthalten. Das Konzil und die folgenden lehramtlichen Äußerungen haben
all das ausführlich unterstrichen und dabei immer daran festgehalten,
daß das Heil und die Fülle der Offenbarung von Christus kommt und der
Dialog nicht von der Verkündigung des Evangeliums enthebt.(99)
Im Lichte der Heilsökonomie sieht die Kirche keinen Gegensatz zwischen
der Verkündigung Christi und dem interreligiösen Dialog, sondern weiß
um die Notwendigkeit beide im Bereich der Mission ad gentes aneinander zu
fügen. Es ist jedoch angebracht, daß diese beiden Elemente sowohl ihre
enge Bindung als auch ihre Unterscheidung wahren, damit sie weder
verwechselt noch mißbraucht werden und auch nicht als austauschbar
gelten.
Ich habe jüngst den Bischöfen Asiens geschrieben »Wenn auch die Kirche
gerne alles anerkennt, was in den religiösen Traditionen des Buddhismus,
des Hinduismus und des Islam wahr und heilig ist - Wiederspiegelungen
jener Wahrheit, die alle Menschen erleuchtet - so mindert dies doch nicht
ihre Pflicht und Entschlossenheit, ohne Zögern Jesus Christus zu
verkünden, der "der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist ...
Die Tatsache, daß die Anhänger anderer Religionen auch außerhalb der
normalen Wege, die Christus festgelegt hat, die Gnade Gottes empfangen und
durch Christus erlöst werden können, nimmt den Aufruf zum Glauben und
zur Taufe nicht zurück, die Gott für alle Völker will«.(100) Christus
selbst hat in der Tat, »indem er die Notwendigkeit des Glaubens und der
Taufe ausdrücklich lehrte, zugleich auch die Notwendigkeit der Kirche
bekräftigt, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Tür
eintreten«.(101) Der Dialog muß geführt und realisiert werden in der
Überzeugung, daß die Kirche der eigentliche Weg des Heiles ist und daß
sie allein im Besitz der Fülle der Heilsmittel ist.(102)
56. Der Dialog entsteht nicht aus Taktik oder Eigeninteresse, sondern hat
Gründe, Erfordernisse und Würde eigener Art. Er kommt aus dem tiefen
Respekt vor allem, was der Geist, der weht, wo er will, im Menschen
bewirkt hat.(103) In ihm beabsichtigt die Kirche, »die Saatkörner des
Wortes«(104) und die »Strahlen der Wahrheit, die alle Menschen
erleuchtet«(105) zu entdecken - Saatkörner und Strahlen, die sich in den
Personen und in den religiösen Traditionen der Menschheit finden. Der
Dialog gründet auf der Hoffnung und der Liebe und wird im Geist Frucht
bringen. Die anderen Religionen stellen eine positive Herausforderung für
die Kirche dar; sie regen sie sowohl dazu an, die Zeichen der Gegenwart
Christi und des Wirkens des Geistes zu entdecken und anzuerkennen, als
auch dazu, die eigene Identität zu vertiefen und die Gesamtheit der
Offenbarung zu bezeugen, dessen Wahrerin sie zum Wohl aller ist.
Daraus entsteht jene Geisteshaltung, die diesen Dialog im Zusammenhang mit
der Mission ad gentes beleben soll. Der Dialogpartner muß seinen eigenen
Traditionen und religiösen Überzeugungen entsprechen und offen sein, um
die des anderen zu verstehen, ohne Vortäuschungen einerseits und Sperren
andererseits, sondern im Geist der Wahrheit, Demut und Loyalität, im
Wissen darum, daß der Dialog jeden bereichern kann. Dabei darf es keine
Verzichtserklärungen und keine falsche Friedfertigkeit geben. Es braucht
das gegenseitige Zeugnis für einen gemeinsamen Fortschritt auf dem Weg
der religiösen Suche und Erfahrung. Dies dient zugleich der Überwindung
von Vorurteilen, Mißverständnissen und Intoleranz. Der Dialog zielt auf
die innere Läuterung und Umkehr, der geistlich fruchtbar sein wird, wenn
er sich wirklich vom Geist leiten läßt.
57. Dem Dialog öffnet sich ein weites Feld, und er kann vielfältige
Formen und Ausdrucksweisen annehmen: vom Gedankenaustausch zwischen
Experten der religiösen Traditionen oder deren offiziellen Vertretern bis
zur Zusammenarbeit für die ganzheitliche Entwicklung und die Wahrung der
religiösen Werte, vom Mitteilen der entsprechenden spirituellen
Erfahrungen bis zum sogenannten »Dialog des Lebens«, in dem die
Gläubigen verschiedener Religionen einander im Alltag die eigenen
menschlichen und religiösen Werte bezeugen und einander helfen, diese zu
leben und so eine gerechtere und brüderlichere Gesellschaft zu schaffen.
Alle Gläubigen und christlichen Gemeinschaften sind gerufen, diesen
Dialog zu führen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Dazu ist
der Beitrag der Laien unersetzlich. Sie können »durch das Beispiel ihres
Lebens und ihr Handeln zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen den
Anhängern verschiedener Religionen beitragen«.(106) Einige von ihnen
werden auch in Wissenschaft und Forschung ihren Beitrag dazu leisten
können.(107)
Ich weiß, daß nicht wenige Missionare und christliche Gemeinschaften im
schwierigen und oft unverstandenen Weg des Dialogs die einzige
Möglichkeit sehen, aufrichtig für Christus Zeugnis abzulegen und den
Menschen großzügig zu dienen, und möchte sie ermutigen, in Glauben und
Liebe auch dort auszuharren, wo ihre Bemühungen weder Gehör noch Antwort
finden. Es steht uns nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der
Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Der Dialog ist ein Weg zum Reich
Gottes und wird sicherlich Frucht bringen, auch wenn Zeiten und Fristen
dem Vater vorbehalten sind (vgl. Apg 1, 7).
Die Entwicklung fördern durch die Formung des Gewissens
58. Die Mission ad gentes erfolgt auch heute zum Großteil in jenen
Regionen der südlichen Hemisphäre, wo der Einsatz für die ganzheitliche
Entwicklung und die Befreiung von jeder Unterdrückung besonders dringlich
sind. Die Kirche hat es seit jeher verstanden, bei den Völkern, denen sie
das Evangelium gebracht hat, den Fortschritt anzuspornen, und auch heute
werden die Missionare mehr als in der Vergangenheit von Regierungen und
internationalen Experten als Förderer der Entwicklung anerkannt. Oft
ernten sie Bewunderung für die beachtlichen Ergebnisse, die sie mit
dürftigsten Mitteln erzielt haben.
In der Enzyklika Sollicitudo rei socialis habe ich festgestellt, daß
»die Kirche keine technischen Lösungen für die Unterentwicklung als
solche anzubieten hat«, aber »den ersten Beitrag zur Lösung des
dringenden Problems der Entwicklung leistet, wenn sie die Wahrheit über
Christus, über sich selbst und über den Menschen verkündet und sie auf
die konkrete Situation anwendet«.(108) Die Konferenz der
lateinamerikanischen Bischöfe in Puebla hat betont, daß »der beste
Dienst am Mitmenschen die Verkündigung des Evangeliums ist, die ihn in
die Lage versetzt, sich als Kind Gottes zu verwirklichen, ihn von
Ungerechtigkeiten befreit und ihn ganzheitlich fördert«.(109) Es ist
nicht Aufgabe der Kirche, direkt auf der wirtschaftlichen, technischen
oder politischen Ebene bzw. der des materiellen Beitrags zur Entwicklung
tätig zu werden. Es geht ihr wesentlich darum den Völkern nicht »Mehr
Haben« anzubieten, sondern »Mehr Sein«, indem sie durch das Evangelium
die Gewissen aufrüttelt. »Der wahre menschliche Fortschritt muß auf
einer immer umfassenderen Verwirklichung des Evangeliums gründen«.(110)
Die Kirche und ihre Missionare fördern die Entwicklung auch durch ihre
Schulen, Krankenhäuser, Druckereien, Universitäten, landwirtschaftlichen
Musterbetriebe. Doch ereignet sich die Entwicklung eines Volkes in erster
Linie weder durch Geld, noch durch materielle Hilfe und auch nicht durch
technische Strukturen, sondern vielmehr durch die Formung der Gewissen,
durch das Reifen der Einstellungen und Gebräuche. Der Mensch ist
Hauptfigur der Entwicklung, nicht das Geld und nicht die Technik. Die
Kirche bildet die Gewissen sie offenbart den Völkern den Gott, den sie
suchen, aber nicht kennen, die Größe des von Gott nach seinem Bild
geschaffenen und geliebten Menschen, die Gleichheit aller Menschen als
Kinder Gottes, die Herrschaft über die geschaffene Natur als Dienst des
Menschen und die Pflicht, sich für die Entwicklung jedes und aller
Menschen einzusetzen.
59. Mit der Botschaft des Evangeliums bietet die Kirche eine befreiende
Kraft und fördert die Entwicklung, gerade weil sie zu einer Bekehrung von
Herz und Sinn führt. Sie hilft, die Würde jeder Person zu erkennen,
befähigt zur Solidarität, zum Engagement und zum Dienst an den Brüdern.
Sie führt den Menschen in den Plan Gottes ein, der die Errichtung jenes
Reiches der Gerechtigkeit und des Friedens vorsieht, das schon in diesem
Leben seinen Anfang nimmt. Die biblische Sicht der »neuen Himmel« und
der »neuen Erde« (vgl. Jes 65, 17; 2 Petr 3, 13; Apg 21, 1) hat in die
Geschichte Ansporn und Ziel für das Voranschreiten der Menschheit
eingefügt. Die Entwicklung des Menschen kommt von Gott - im Vorbild Jesu,
des Gott-Menschen - und sie muß zu Gott führen.(111) Deshalb besteht
eine enge Verbindung zwischen der Verkündigung des Evangeliums und der
Förderung des Menschen.
Der Beitrag der Kirche und ihres Werkes der Evangelisierung zur
Entwicklung der Völker betrifft nicht nur die südliche Hemisphäre, um
dort materielle Armut und Unterentwicklung zu bekämpfen, sondern auch die
nördliche, die einer durch »Überentwicklung«(112) verursachten
moralischen und spirituellen Armut ausgesetzt ist. Eine gewisse
areligiöse Modernität, die heute in einigen Teilen der Welt herrscht,
gründet in der Meinung, es genüge, alle reich zu machen und den
ökonomisch-technischen Fortschritt fortzusetzen, um den Menschen mehr
Mensch werden zu lassen. Aber eine seelenlose Entwicklung kann den
Menschen nicht befriedigen. Der übermäßige Wohlstand ist schädlich wie
die übermäßige Armut. Der Norden hat ein solches »Entwicklungsmodell«
erfunden und verbreitet es in den Süden, wo der religiöse Sinn und die
menschlichen Werte, die dort gegenwärtig sind, in einer Welle des
Konsumismus unterzugehen drohen.
»Gegen den Hunger: das Leben ändern«. Dieses in kirchlichen Kreisen
entstandene Motto zeigt den reichen Völkern den Weg, um Brüder der Armen
zu werden: die Rückkehr zu einem einfacheren Leben, das ein
Entwicklungsmodell begünstigt, das die ethischen und religiösen Werte
berücksichtigt. Die Mission bringt den Armen Ansporn und Erleuchtung für
die wahre Entwicklung. Die neue Verkündigung des Evangeliums unter den
Reichen muß unter anderem das Bewußtsein schaffen, daß der Zeitpunkt
gekommen ist, wirklich Brüder der Armen zu werden in der gemeinsamen
Umkehr zur ganzheitlichen Entwicklung, die offen ist auf das Absolute
hin.113
Die Liebe - Ursprung und Maßstab der Mission
60. »Die Kirche auf der ganzen Welt - so habe ich während meines
Besuches in Brasilien gesagt - will die Kirche der Armen sein. Sie will
die ganze Wahrheit ausschöpfen, die in den Seligpreisungen enthalten ist,
vor allem in der ersten: "Selig, die arm sind vor Gott"... Sie
will diese Wahrheit lehren und sie verwirklichen wie Jesus, der gekommen
ist, um zu wirken und zu lehren«.(114)
Die jungen Kirchen leben meist unter den Völkern, die von ziemlich
verbreiteter Armut geplagt sind, und bringen diese Sorge oft als den
bestimmenden Teil ihrer Mission zum Ausdruck. Die Konferenz der
lateinamerikanischen Bischöfe in Puebla erinnert an das Beispiel Jesu und
schreibt: »Die Armen verdienen bevorzugte Aufmerksamkeit, wie auch immer
die moralische und persönliche Lage sei, in der sie sich befinden. Sie
sind nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen, um seine Kinder zu
sein, doch ist dieses Bild oft verdüstert und sogar geschändet. Daher
nimmt sich Gott ihrer Verteidigung an und liebt sie. Daraus folgt, daß
sich die Mission zuerst an die Armen richtet, und die Verwirklichung des
Evangeliums unter ihnen ist aufs vorzüglichste Zeichen und Beweis der
Mission Jesu«.(115)
Die Kirche, in Treue zum Geist der Seligpreisungen, ist auch gerufen, mit
den Armen und Unterdrückten aller Art zu teilen. Ich rufe daher alle
Jünger Christi und alle christlichen Gemeinschaften - von den Familien
bis zu den Diözesen, von den Pfarren bis zu den Ordensgemeinschaften -
dazu auf, ihr Leben im Sinne der Solidarität mit den Armen aufrichtig
umzugestalten. Zugleich danke ich den Missionaren, die mit ihrer
liebevollen Gegenwart und ihrem demütigen Dienst in Schulen,
Gesundheitszentren, Leprastationen, Häusern für behinderte und alte
Menschen, Institutionen für die Förderung der Frau und ähnlichem für
die ganzheitliche Entwicklung der Person und der Gesellschaft arbeiten.
Ich danke den Priestern, Ordensleuten und Laien für ihre Hingabe und
ermutige die freiwilligen Mitarbeiter der privaten Organisationen, die
sich diesen Werken der Nächstenliebe und der menschlichen Förderung
widmen. Es sind in der Tat Werke der Nächstenliebe, die Zeugnis ablegen
für die Seele jeglicher missionarischen Aktivität: die Liebe, die
Beweggrund der Mission ist und bleibt und zugleich »das einzige
Kriterium, nach dem zu handeln oder zu unterlassen, zu ändern oder zu
bewahren ist. Sie ist das Prinzip, das alles Handeln leiten, und das Ziel,
auf das es sich ausrichten muß. Was mit Blick auf die Liebe oder
inspiriert von ihr geschieht ist nie zu gering und immer gut«.(116)
KAPITEL VI
DIE VERANTWORTLICHEN UND MITARBEITER DER SEELSORGE IN DEN MISSIONEN
61. Es gibt kein Zeugnis ohne Zeugen und keine Mission ohne Missionare.
Jesus hat Menschen als seine Zeugen und Apostel auserwählt und
ausgesandt, damit sie an seiner Mission mitwirkten und sein Heilswerk
fortsetzten: »Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz
Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1, 8).
Die Zwölf sind die ersten Arbeiter der universalen Mission: Die Apostel
stellen ein »kollegiales Subjekt« der Mission dar; sie sind von Jesus
erwählt, bei ihm zu bleiben, und »zu den verlorenen Schafen des Hauses
Israel« (Mt 10, 6) gesandt. Diese Kollegialität verhindert nicht, daß
in der Gruppe einzelne Persönlichkeiten hervorragen, wie etwa Jakobus,
Johannes und vor allem Petrus, dessen Person von solcher Bedeutung ist,
daß sie den Ausdruck »Petrus und die anderen Apostel« rechtfertigt (Apg
2, 14.37). Dank ihm öffnet sich der Horizont für die universale Mission,
in der im weiteren Paulus hervorragt, der nach dem Willen Gottes zur
Mission unter den Heiden gerufen und gesandt wurde (vgl. Gal 1, 15-16).
In der ersten Phase des missionarischen Aufbruchs finden wir neben den
Aposteln andere, demütige Mitwirkende, die nicht vergessen werden
dürfen; es sind die Personen, Gruppen und Gemeinden. Ein typisches
Beispiel einer Ortskirche ist die Gemeinde von Antiochien, die das
Evangelium annimmt und es weiterträgt, indem sie ihre Missionare zu den
Heiden sendet (vgl. Apg 13, 2-3). Die Urkirche lebt die Mission als
gemeinsame und gemeinschaftliche Aufgabe, kennt aber »besondere
Gesandte« oder »Missionare, geweiht für die Heiden«, wie Paulus und
Barnabas.
62. Was von den Anfängen des Christentums an für die universale Mission
unternommen wurde, behält seine Gültigkeit und Dringlichkeit bis zum
heutigen Tag. Die Kirche ist ihrer Natur nach missionarisch, da der
Auftrag Christi nicht bedingt und äußerlich ist, sondern das Herz der
Kirche betrifft. Daraus folgt, daß die gesamte und jede einzelne Kirche
zu den Völkern gesandt ist. »Damit der missionarische Eifer unter ihren
Landsleuten gedeihe«, sollen sie daran teilhaben, daß die jungen Kirchen
selber »möglichst bald tatsächlich an der universalen Mission der
Kirche teilnehmen und Missionare aussenden, die in aller Welt das
Evangelium verkünden, selbst wenn sie im eigenen Bereich noch unter
Priestermangel leiden«.(117) Viele handeln schon danach, und ich ermutige
sie lebhaft zum Weitermachen.
In dieser wesentlichen Verbundenheit der Gesamtkirche mit den Teilkirchen
entfaltet sich die wahre und volle Missionstätigkeit. »In einer Welt,
die durch schrumpfende Entfernungen immer kleiner wird, müssen sich die
kirchlichen Gemeinschaften untereinander zusammenschließen, Energie und
Mittel austauschen und sich gemeinsam einsetzen für die eine und
gemeinsame Aufgabe, das Evangelium zu verkünden und zu leben... Die
sogenannten jungen Kirchen ... brauchen die Kraft der alten während diese
das Zeugnis und die Energie der jüngeren nötig haben, sodaß die
einzelnen Kirchen aus dem Reichtum der anderen Kirchen schöpfen
können«.(118)
Die Erstverantwortlichen der Missionsarbeit
63. Wie der auferstandene Herr dem Apostelkollegium mit Petrus an der
Spitze den Auftrag zur Weltmission übertragen hat, so liegt diese
Verantwortung vor allem auf dem Kollegium der Bischöfe mit dem Nachfolger
Petri an deren Spitze.(119) Im Bewußtsein dieser Verantwortung sehe ich
es in den Begegnungen mit den Bischöfen als meine Pflicht an, sowohl in
bezug auf die Neuevangelisierung als auch auf die Weltmission, sie mit
ihnen zu teilen. Ich habe mich über die Straßen der Welt auf den Weg
gemacht, »um das Evangelium zu verkünden, um "die Brüder im
Glauben zu stärken", um die Kirche zu trösten, um dem Menschen zu
begegnen. Es sind Reisen des Glaubens... Es sind darüber hinaus
Gelegenheiten zu einer Wanderkatechese, zur Verkündigung der frohen
Botschaft und des apostolischen Lehramtes im vollen Umfang, auf allen
Ebenen und rund um den ganzen Erdkeis«.(120)
Die Mitbrüder im Bischöflichen Amt sind mit mir unmittelbar für die
Evangelisierung der Welt verantwortlich, sei es als Mitglieder des
Bischofskollegiums, sei es als Hirten ihrer Ortskirchen. Dazu erklärt das
Konzil: »Die Sorge, das Evangelium überall auf Erden zu verkündigen,
geht die ganze Körperschaft der Hirten an. Ihnen allen zusammen hat
Christus den Auftrag gegeben«.(121) Es betont auch, daß die Bischöfe
»nicht nur für die bestimmte Diözese, sondern für das Heil der ganzen
Welt die Weihe empfangen« haben.(122) Diese kollegiale Verantwortung hat
praktische Auswirkungen. So muß »die Bischofsynode... unter den
Obliegenheiten von allgemeiner Bedeutung der Missionstätigkeit als der
wichtigsten und heiligsten Aufgabe der Kirche besondere Aufmerksamkeit
schenken«.(123) Die gleiche Verantwortung spiegelt sich - in
verschiedenem Maß - in den Bischofskonferenzen und in deren Einrichtungen
auf kontinentaler Ebene wider. Deshalb haben sie einen eigenen Beitrag zum
Missionseinsatz anzubieten.(124)
Auch die Pflicht zur Mission eines jeden Bischofs als Oberhirte einer
Ortskirche ist groß. Ihm fällt die Aufgabe zu, »als Haupt und
einigendes Zentrum des diözesanen Apostolates die Missionstätigkeit
voranzutreiben, zu lenken und zu koordinieren ... Überdies möge er Sorge
tragen, daß die apostolische Tätigkeit nicht auf die schon Bekehrten
beschränkt bleibe, sondern daß ein angemessener Anteil der Mitarbeiter
und der Mittel für die Evangelisierung der Nichtchristen bestimmt
werde«.(125)
64. Jede Ortskirche muß sich großzügig den Bedürfnissen der anderen
öffnen. Die Zusammenarbeit der Kirchen in echter Gegenseitigkeit, die sie
bereit macht zu geben und zu empfangen, ist auch eine Quelle der
Bereicherung für alle und betrifft die verschiedenen Bereiche des
kirchlichen Lebens. In dieser Hinsicht bleibt die Erklärung der Bischöfe
von Puebla vorbildlich: »Endlich ist die Stunde für Lateinamerika
gekommen ... sich über seine Grenzen hinaus ad gentes zu wenden. Gewiß,
wir selbst haben noch Bedarf an Missionaren, aber wir müssen etwas von
unserer Armut geben«.(126)
Mit diesem Geist lade ich die Bischöfe und die Bischofskonferenzen ein,
großzügig zu verwirklichen, was in den »Richtlinien« vorgesehen ist,
die die Kongregation für den Klerus für die Zusammenarbeit der
Ortskirchen und für eine bessere Verteilung des Klerus in der Welt
erstellt hat.(127)
Die Sendung der Kirche ist umfassender als die »Communio zwischen den
Kirchen«; sie muß sich über die Hilfe für die Neuevangelisierung
hinaus auch und vor allem von ihrem ausgesprochenen Missionscharakter
bestimmen lassen. Ich appelliere an alle Kirchen, an die jungen und die
alten, daß sie diese meine Sorge teilen, indem sie sich um eine Zunahme
der Missionsberufe und die Überwindung der verschiedenen Schwierigkeiten
bemühen.
Missionare und Institute ad gentes
65. Unter den Arbeitern in der Missionspastoral nehmen - wie in der
Vergangenheit - immer noch jene Menschen und Institutionen einen Platz von
grundlegender Bedeutung ein, denen das Dekret Ad gentes ein besonderes
Kapitel mit dem Titel »Die Missionare« widmet.(128) Diesbezüglich
drängt sich eine gründliche Reflexion auf, die vor allem die Missionare
selbst betrifft. Sie könnten durch die Veränderungen in den Missionen
dazu verleitet sein, den Sinn ihrer eigenen Berufung nicht mehr zu
verstehen und nicht mehr zu wissen, was die Kirche heute von ihnen
eigentlich erwartet.
Bezugspunkt sind jene Worte des Konzils: »Obwohl jedem Jünger Christi
die Pflicht obliegt, nach seinem Teil den Glauben auszusäen, beruft
Christus der Herr aus der Schar der Jünger immer wieder solche, die er
selbst will, damit sie bei ihm seien und er sie zur Verkündigung bei den
Völkern aussende. Deshalb regt er durch den Heiligen Geist, der seine
Gnadengaben, wie er will, zum allgemeinen Nutzen austeilt, im Herzen
einzelner die Berufung zum Missionar an und erweckt gleichzeitig im Herzen
der Kirche Institute, welche die Pflicht der Verkündigung des
Evangeliums, die der gesamten Kirche obliegt, auf sich nehmen«.(129)
Es handelt sich also um eine »besondere Be- rufung«, die nach dem
Beispiel der Apostel geformt ist. Sie zeigt sich in der Ganzheit des
Einsatzes für den Dienst der Evangelisierung: es ist ein Einsatz, der die
ganze Person und das Leben des Missionars einbezieht und von ihm eine
grenzenlose Hingabe der Kräfte und der Zeit verlangt. Die mit einer
solchen Berufung beschenkt sind, »gehen, von der rechtmäßigen
Autorität gesandt, in gläubigem Gehorsam zu jenen, die fern von Christus
sind, und sie widmen sich ausschließlich dem Werk, das sie als Diener des
Evangeliums übernommen haben«.(130) Die Missionare sollen stets darüber
nachdenken, wie sie der ihnen geschenkten Gabe entsprechen können und
ihre theologische und apostolische Weiterbildung pflegen.
66. Weiters müssen die Missions-Institute alle notwendigen Hilfsquellen
nützen, indem sie ihre Erfahrung und Kreativität in Treue zu ihrem
ursprünglichen Charisma zur Entfaltung bringen, um die Kandidaten
angemessen vorzubereiten und sicherzustellen, daß ihre Mitglieder ihre
geistlichen, moralischen und physischen Energien erneuern.(131) Sie sollen
sich als lebendiger Teil der kirchlichen Gemeinschaft fühlen und mit ihr
geeint arbeiten. Denn, »jedes Institut ist für die Kirche geboren und
dazu angehalten, diese mit seinen eigenen Merkmalen, entsprechend einem
besonderen Geist und einer besonderen Sendung zu bereichern«. Über diese
Treue zum ursprünglichen Charisma haben die Bischöfe selbst zu
wachen.(132)
Die Missions-Institute sind im allgemeinen aus den Kirchen mit alter
Tradition hervorgegangen und sind - historisch betrachtet - Werkzeuge der
Kongregation Propaganda Fide zur Ausbreitung des Glaubens und zur
Gründung neuer Kirchen gewesen. Sie nehmen heute in steigender Zahl
Kandidaten aus den jungen Kirchen auf, die sie selber gegründet haben,
während neue Institute gerade in den Ländern entstanden sind, die
früher nur Missionare erhalten haben, heute aber solche aussenden. Diese
doppelte Tendenz ist zu begrüßen. Sie erweist die Gültigkeit und die
Aktualität der spezifischen Berufung zur Mission dieser Institute, die
noch immer »absolut notwendig« sind:(133) nicht nur wegen des
missionarischen Wirkens ad gentes aus ihrer Tradition heraus, sondern auch
wegen der Belebung der Mission sowohl in den Kirchen des alten
Christentums als auch in jenen viel jüngeren.
Die besondere Berufung der Missionare auf Lebenszeit behält ihre volle
Gültigkeit: Sie verkörpert das Beispiel des missionarischen Einsatzes
der Kirche, die immer auf die radikale und ganzheitliche Hingabe
angewiesen ist, auf neue und kühne Impulse. Die Missionare und die
Missionarinnen, die ihr ganzes Leben dem Zeugnis des Auferstandenen unter
den Völkern geweiht haben, sollen sich deshalb nicht von Zweifeln, von
Unverständnis, Zurückweisung und Verfolgung einschüchtern lassen. Sie
sollen die Gnade ihres besonderen Charismas wachrufen und ihren Weg mit
Mut wieder aufnehmen, in dem sie die niedrigsten und schwierigsten Posten
im Geist des Glaubens, des Gehorsams und in Gemeinschaft mit den eigenen
Hirten bevorzugen.
Diözesanpriester fiir die Weltmission
67. Als Mitarbeiter des Bischofs sind die Priester kraft des
Weihesakramentes aufgerufen, die Sorge für die Mission mit ihm zu teilen.
»Die geistliche Gabe, die die Priester in der Weihe empfangen haben,
bereitet sie nicht auf eine begrenzte und enge Sendung vor, sondern auf
eine umfassende und allgemeine Heilssendung im weitesten Sinn, "bis
an die äußersten Grenzen der Erde"; denn jeder priesterliche Dienst
hat an der weltumfassenden Sendung Anteil, die Christus den Aposteln
anvertraut hat.«(134) Infolgedessen muß schon die Ausbildung der
Kandidaten für das Priestertum das Ziel haben, ihnen »jenen wahrhaft
katholischen Geist zu vermitteln, der sie daran gewöhnt, über die
Grenzen der eigenen Diözese, der Nation oder des Ritus hinauszuschauen,
um so auf die Bedürfnisse der Weltmission einzugehen und überall für
die Verkündigung des Evangeliums bereit zu sein«.(135) Alle Priester
müssen ein missionarisches Herz und eine missionarische Mentalität
haben. Sie müssen offen sein für die Bedürfnisse der Kirche und der
Welt; sie müssen auch die Fernstehenden beachten und vor allem die
nichtchristlichen Gruppen in ihrer eigenen Umgebung. Im Gebet und
besonders im eucharistischen Opfer mögen sie die Sorge der ganzen Kirche
für die ganze Menschheit mittragen.
Besonders die Priester, die sich in Gebieten einer christlichen Minderheit
befinden, sollten von einzigartigem Eifer und missionarischem Engagement
bewegt sein: der Herr vertraut ihnen nicht bloß die Seelsorge für die
christliche Gemeinde an, sondern auch und vor allem die Evangelisierung
jener Mitbürger, die nicht zu seiner Herde gehören. Sie »werden sich
dem Heiligen Geist und dem Bischof ganz konkret zur Verfügung zu stellen
versuchen, um zur Verkündigung des Evangeliums jenseits der Grenzen ihres
Landes ausgesandt zu werden. Das erfordert von ihnen nicht bloß eine
ausgereifte Berufung, sondern auch eine ungewöhnliche Fähigkeit, sich
vom eigenen Vaterland, dem eigenen Volk und der eigenen Familie
loszulösen, sowie eine besondere Eignung, sich mit Klugheit und Ehrfurcht
in die Kulturen einzuleben«.(136)
68. In der Enzyklika Fidei Donum hat Papst Pius XII. mit prophetischer
Sicht die Bischöfe ermutigt, einige ihrer Priester für einen
zeitweiligen Dienst den Kirchen Afrikas freizustellen, indem er die schon
vorhandenen Initiativen approbierte. 25 Jahre später wollte ich die
große Neuerung dieses Dokumentes unterstreichen, »das die territoriale
Dimension des priesterlichen Dienstes überwinden und ihn der ganzen
Kirche zuzuweisen half«.(137) Heute bestätigen sich die Gültigkeit und
die Fruchtbarkeit dieser Erfahrung: in der Tat, die sogenannten
Fidei-Donum-Priester machen in einzigartiger Weise das Band der Einheit
zwischen den Kirchen offenbar. Sie leisten für die bedürftigen
kirchlichen Gemeinden einen kostbaren Beitrag und erfahren ihrerseits von
ihnen Frische und Lebendigkeit des Glaubens. Freilich ist es nötig, daß
der Missionsdienst des Diözesanpriesters gewissen Kriterien und
Bedingungen entspricht. Man sollte Priester schicken, die aus den Besten
ausgewählt wurden und die für die besondere Arbeit, die sie erwartet,
geeignet und richtig vorbereitet sind.(138) Sie müssen sich in die neue
Umgebung der Kirche, die sie aufnimmt, mit offenem und brüderlichem Geist
einfügen und unter der Autorität des Bischofs mit den Ortspriestern ein
einziges Presbyterium bilden.(139) Ich wünsche mir, daß der Geist des
Dienstes bei den Priestern der alten Kirche wachse und auch bei denen der
jüngeren Kirchen weiter gefördert werde.
Die missionarische Fruchtbarkeit der Weihe
69. Die Berufungen der Institute des geweihten Lebens gehören zum
unerschöpflichen und vielfältigen Reichtum des Geistes. Ihre Mitglieder
sind von dem Augenblick an, wo sie sich kraft ihrer Weihe dem Dienst der
Kirche anbieten, zum Auftrag verpflichtet, ihre Arbeit in besonderer Weise
als Missionsarbeit zu leisten, in einem dem Institut entsprechenden
Stile.(140) Die Geschichte bestätigt die großen Verdienste der
Ordensfamilien bei der Ausbreitung des Glaubens und der Bildung neuer
Kirchen: von den alten monastischen Einrichtungen zu den mittelalterlichen
Orden bis zu den neuzeitlichen Kongregationen.
a) Dem Konzil folgend, lade ich die Institute des kontemplativen Lebens
ein, Kommunitäten bei den jungen Kirchen zu errichten, um »unter den
Nicht-Christen ein herrliches Zeugnis der Majestät und der Liebe Gottes
wie auch der Einheit in Christus zu geben«.(141) Diese Anwesenheit in der
nichtchristlichen Welt ist überall wohltuend, besonders in jenen
Gegenden, wo die Religionen das kontemplative Leben in der Askese und bei
der Suche des Absoluten besonders hochschätzen.
b) Die Institute des aktiven Lebens verweise ich auf das überaus weite
Feld der tätigen Liebe, der Verkündigung des Evangeliums, der
christlichen Erziehung, der Kultur und der Solidarität mit den Armen und
Benachteiligten, mit den Randgruppen und Unterdrückten. Diese Institute
mögen sich - unabhängig davon, ob sie einen direkt missionarischen Zweck
anstreben oder nicht - nach ihren Möglichkeiten und ihrer Verfügbarkeit
fragen, ihr eigene Arbeit auszuweiten auf die Verbreitung des Reiches
Gottes hin. Dieses Anliegen wurde in jüngster Zeit von nicht wenigen
Instituten aufgegriffen. Aber ich möchte, daß es um eines authentischen
Dienstes willen noch besser beachtet und verwirklicht werde. Die Kirche
muß die großen Werte des Evangeliums, deren Trägerin sie ist, bekannt
machen. Niemand bezeugt diese Werte wirksamer als der, der ein geweihtes
Leben in Keuschheit, Armut und Gehorsam, in der Ganzhingabe an Gott und in
voller Verfügbarkeit gelobt, um den Menschen und der Gesellschaft nach
dem Beispiel Christi zu dienen.(142)
70. Ein besonderes Wort der Anerkennung richte an die Missionsschwestern,
deren jungfräuliches Leben für das Reich Gottes vielfältige Früchte
einer geistlichen Mutterschaft trägt. Gerade die Sendung ad gentes bietet
ihnen ein überaus weites Feld, »sich aus Liebe voll und ungeteilt
hinzugeben«.(143) Das Beispiel und der Arbeitseifer einer ehelos
gebliebenen Frau, die ihr Leben der Liebe zu Gott und dem Nächsten,
insbesondere dem Ärmsten geweiht hat, ist als Zeichen des Evangeliums
für jene Völker und Kulturen unentbehrlich, wo die Frau noch einen
weiten Weg bezüglich ihrer menschlichen Förderung und Befreiung
zurücklegen muß. Ich wünsche mir, daß viele junge, christliche Frauen
es anziehend finden, sich Christus großzügig anzubieten und daß sie aus
ihrer Weihe die Kraft und die Freude schöpfen, ihn unter jenen Völkern
zu bezeugen, die ihn noch nicht kennen.
Alle Laien sind Kraft der Taufe Missionare
71. Die Päpste der jüngeren Zeit haben die Bedeutung der Rolle der Laien
in der Missionsarbeit sehr hervorgehoben.(144) In der Apostolischen
Exhorte Christifideles laici habe auch ich »die ständige
Sendungsaufgabe, das Evangelium denen zu verkünden, die Christus, den
Erlöser des Menschen, noch nicht kennen - und das sind Millionen und
Abermillionen von Männern und Frauen« sowie die entsprechende
Verpflichtung der gläubigen Laien ausdrücklich behandelt.(145) Es ist
die Sendung des ganzen Volkes Gottes; auch wenn die Gründung einer neuen
Kirche die Eucharistie und daher den priesterlichen Dienst erfordert, ist
die Mission, die sich ja in verschiedenen Formen entfaltet, durchaus eine
Aufgabe aller Gläubigen.
Die Teilnahme der Laien an der Ausbreitung des Glaubens seit den ersten
Zeiten des Christentums steht sowohl auf der Ebene der einzelnen
Gläubigen und Familien als auch auf der ganzen Gemeindeebene eindeutig
fest. Schon Papst Pius XII. rief dies in Erinnerung, als er in seiner
ersten Missionsenzyklika auf die bewegte Geschichte der Laienmission
aufmerksam machte.(146) In der Neuzeit hat es nicht an der aktiven
Mitarbeit von Laien-Missionaren gefehlt.
Wie könnten wir die wichtige Rolle vergessen, die diese gespielt haben?
Wie ihre Arbeit in den Familien, in den Schulen, im politischen, sozialen,
kulturellen Leben und vor allem ihren Unterweisung in der christlichen
Lehre? Im Gegenteil, wir müssen - zu ihrer großen Ehre - anerkennen,
daß eine Reihe von Kirchen nur dank des Wirkens der Laien-Missionare und
-Missionarinnen entstehen konnte.
Das Zweite Vatikanum hat diese Tradition bestätigt. Es hat den
missionarischen Charakter des ganzen Volkes Gottes erläutert, besonders
das Apostolat der Laien.(147) Und es hat den besonderen Beitrag
unterstrichen, den sie in der Missionsarbeit zu leisten berufen sind.(148)
Daß alle Gläubigen diese Verantwortung mittragen, ist nicht nur eine
Frage der apostolischen Wirksamkeit, sondern ist eine Pflicht und ein
Recht, das in der Taufwürde gründet, wodurch »die gläubigen Laien
ihren bestimmten Anteil haben an dem dreifachen Amt Jesu Christi - dem
priesterlichen, prophetischen und königlichen«.(149) Sie sind daher
»allgemein verpflichtet und haben das Recht, sich sowohl als Einzelne als
auch in Vereinigungen dafür einzusetzen, daß die Heilsverkündigung von
jedem Menschen an jedem Ort erkannt und angenommen werde; diese
Verpflichtung bindet sie noch mehr in jenen Situationen, in denen die
Menschen das Evangelium nicht hören und Christus nicht kennen können, es
sei denn durch ihre Vermittlung«.(150)
Außerdem haben sie wegen ihres ihnen eigenen weltlichen Charakters die
besondere Berufung, »das Reich Gottes zu suchen, indem sie sich mit den
zeitlichen Dingen befassen und sie auf Gott hin ausrichten«.(151)
72. Die Bereiche missionarischer Präsenz und Wirksamkeit der Laien sind
sehr breit gestreut. »Das erste Feld... ist die weite und komplizierte
Welt der Politik, der sozialen Wirklichkeit, der Wirtschaft...«(152) auf
lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Innerhalb der Kirche bieten
sich verschiedene Arten des Dienstes, der Funktionen, der Ämter und
Formen der Hinführung zum christlichen Leben an. Ich denke dabei an eine
Neuheit in der jüngsten Zeit in nicht wenigen Kirchen: an die große
Entfaltung von »kirchlichen Bewegungen«, die von einer starken
missionarischen Kraft geprägt sind. Wenn sie sich in Demut in das Leben
der Ortskirchen einfügen und von Bischöfen und Priestern herzlich in die
Diözesan- und Pfarrstrukturen aufgenommen werden, bilden diese Bewegungen
ein wahres Gottesgeschenk für die Neuevangelisierung und die
Missionsarbeit im eigentlichen Sinn des Wortes. Ich empfehle daher, sie zu
propagieren und einzubeziehen, um vor allem unter den Jugendlichen dem
christlichen Leben und der Evangelisierung aus einer pluralistischen Sicht
der Vereins- und Ausdrucksformen wieder neue Kraft zu verleihen.
In der Missionstätigkeit müssen die verschiedenen Formen des Laientums
aufgewertet und deren Natur und Zielrichtung beachtet werden:
missionarische Laienvereinigungen, christliche Organe des internationalen
freiwilligen Dienstes, kirchliche Bewegungen, Gruppen und Vereine
verschiedener Art, sie alle seien in der Mission ad gentes und in der
Zusammenarbeit mit den Ortskirchen engagiert. Auf diese Weise wird das
Wachstum »jenes reifen und verantwortlichen Laientums« begünstigt,
dessen »Formung in den jungen Kirchen als wesentliches und
unverzichtbares Element der Plantatio Ecclesiae angesehen wird«.(153)
Die Arbeit der Katecheten und die Verschiedenheit der Ämter
73. Zu den Laien, die Verkündiger werden, zählen vorrangig die
Katecheten. Das Missions-Dekret definiert sie als »jene lobwürdige
Schar, die sich um das Missionswerk unter den Völkern sehr verdient
gemacht hat ... Von apostolischem Geist bewegt, leisten sie unter großen
Opfern einen einzigartigen und unersetzbaren Beitrag zur Ausbreitung des
Glaubens und der Kirche«.(154) Nicht ohne Grund haben die Kirchen von
altersher die Zahl der Katecheten vermehrt und die Katechese intensiviert,
wenn sie eine neue Evangelisierung begannen. »Es sind die Katecheten in
den Missionsgebieten, die in ganz besonderer Weise diesen Titel "Katecheten"
verdienen. Heute blühende Kirchen hätten ohne sie nicht aufgebaut werden
können«.(155)
Auch bei der Vermehrung der kirchlichen und außerkirchlichen Dienste
bleibt das Katecheten-Amt mit seinem ihm eigenen Charakter immer wichtig:
die Katecheten sind spezialisierte Arbeiter, direkte Zeugen, unersetzbare
Verkündiger. Sie bilden die Grundkraft der christlichen Gemeinden,
besonders in den jungen Kirchen. Ich habe dies auf meinen Missionsreisen
schon öfters gesagt und festgestellt. Der neue Kodex des Kirchenrechts
anerkennt ihre Aufgaben, Qualitäten und Erfordernisse.(156)
Man darf jedoch nicht vergessen, daß die Arbeit der Katecheten wegen der
gegenwärtigen kirchlichen und kulturellen Veränderungen immer
schwieriger und anspruchsvoller wird. Deshalb gilt weiterhin, was schon
das Konzil angeregt hat: es braucht eine sorgfältigere theoretische und
pädagogische Vorbereitung, die ständige spirituelle und apostolische
Erneuerung, und es ist notwendig, den Katecheten »einen angemessenen
Lebensstandard und eine soziale Sicherheit zu garantieren«.(157) Es ist
auch wichtig, die Errichtung und Stärkung von regionalen, nationalen und
internationalen - von den Bischofskonferenzen approbierten -
Katecheten-Schulen zu fördern, die offiziell von letzteren anerkannte
Titel verleihen können.(158)
74. Neben den Katecheten sind die anderen Formen des Dienstes für das
Leben der Kirche und für die Mission zu erwähnen und die übrigen
Personengruppen: die Förderer des Gebets, des Gesanges und der Liturgie,
die Leiter kirchlicher Basisgemeinden und Bibelrunden, die Beauftragten
der Caritas, die Verwalter der Kirchen-Einkünfte, die Leiter
verschiedener apostolischer Vereinigungen, die Religionslehrer in den
Schulen. Alle gläubigen Laien sollen der Kirche einen Teil ihrer Zeit
widmen, indem sie ein überzeugtes Glaubensleben führen.
Die Kongregation für die Evangelisierung der Völker und die übrigen
Strukturen der Missionstätigkeit
75. Die Verantwortlichen und die Mitarbeiter der Missionspastoral sollen
sich in der Gemeinschaft vereint fühlen, die den mystischen Leib
kennzeichnet. Dafür hat Christus beim Letzten Abendmahl gebetet: »Wie
du, Vater, in mir bist und ich in dir, so seien auch sie in uns eins,
damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast« (Joh 17, 21). Der Grund
der Fruchtbarkeit der Mission besteht genau darin.
Aber die Kirche ist auch eine sichtbare und organische Gemeinschaft;
deshalb macht die Mission auch eine äußere und geordnete Einheit mit
verschiedener Verantwortung und Ämtern erforderlich, in der Weise, daß
alle Glieder »in voller Einmütigkeit ihre Kräfte auf den Aufbau der
Kirche richten«.(159)
»Es ist Aufgabe der Missions-Kongregation, in der ganzen Welt das Werk
der Evangelisierung der Völker und der Zusammenarbeit in der Mission zu
leiten und zu koordinieren, unter Wahrung des Rechts der Kongregation für
die orientalischen Kirchen«.(160) Das heißt, »es ist ihre Aufgabe, sich
um Missionare zu bemühen und sie entsprechend der Vordringlichkeit der
Bedürfnisse zu verteilen ..., einen organischen Aktionsplan
auszuarbeiten, Leitlinien und entsprechende Prinzipien für die
Evangelisierung zu erlassen und den Anfangsimpuls zu setzen«.(161) Ich
kann diese weisen Bestimmungen nur bestätigen: um die Mission ad gentes
neu zu beleben, ist ein Animations-, Leitungs- und Koordinierungs-Zentrum
nötig, d.i. die Kongregation für die Evangelisierung. Ich lade die
Bischofskonferenzen und ihre Organe, die Höheren Ordensoberen, die
Kongregationen und Institute, die Laien-Organe, also alle, die in der
Missionsarbeit engagiert sind, ein, mit der genannten Kongregation
verlässlich zusammenzuarbeiten. Sie besitzt die nötige Autorität, um
die Missionsarbeit und Zusammenarbeit auf Weltebene zu programmieren und
zu leiten.
Eben diese Kongregation, die eine lange und ruhmreiche Geschichte hat,
soll auch eine Hauptrolle einnehmen auf der Ebene der Reflexion und der
Aktionsprogramme, derer die Kirche bedarf, um sich der Mission in ihren
verschiedenen Formen entschiedener zuzuwenden. Zu diesem Zweck muß die
Kongregation enge Beziehungen zu den anderen Ämtern des Heiligen Stuhls,
zu den Ortskirchen und den Missionswerken pflegen. In einer Ekklesiologie
der Gemeinschaft ist die ganze Kirche missionarisch; gleichzeitig erweisen
sich aber besondere Berufungen und Institutionen für die Arbeit ad gentes
als unverzichtbar. Die Führungs- und Koordinierungsrolle der
Missionskongregation bleibt sehr wichtig, um gemeinsam die großen Fragen
von allgemeinem Interesse anzugehen, unter Wahrung der eigenen
Zuständigkeiten jeder Autorität und Struktur.
76. Für die Ausrichtung und Koordinierung der Missionstätigkeit auf
nationaler und regionaler Ebene haben die Bischofskonferenzen und ihre
verschiedenen Gruppierungen große Bedeutung. Von ihnen verlangt das
Konzil, daß sie »schwerwiegendere Fragen und dringende Probleme in
gemeinsamer Beratung behandeln, ohne jedoch die örtlich gegebenen
Unterschiede zu vernachlässigen«.(162) Das gilt auch für das
komplizierte Problem der Inkulturation. Tatsächlich gibt es schon eine
große und regelrechte Aktion auf diesem Gebiet und die Früchte sind
sichtbar. Es ist eine Aktion, die intensiviert und mit der anderer Organe
derselben Konferenzen besser abgestimmt werden muß, damit die Sorge für
die Mission nicht auf einen bestimmten Sektor oder eine Gruppe begrenzt
bleibe, sondern von allen gemeinsam wahrgenommen werde.
Alle betroffenen Organe und Institutionen, die sich um die Missionsarbeit
kümmern, sollen ihre Anstrengungen und Initiativen sinnvollerweise
verbinden. Ebenso mögen sich die Konferenzen der Höheren Oberen in ihrem
Bereich bemühen, in Kontakt mit den Bischofskonferenzen, entsprechend den
festgelegten Weisungen und Normen(163) und indem sie auch auf gemischte
Kommissionen zurückgreifen.(164) Schließlich sind auch Treffen und
Formen der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Missionsinstituten in
bezug auf die Ausbildung und das Studium(165) oder auf die Durchführung
einer apostolischen Aktion wünschenswert.
KAPITEL VII
DIE ZUSAMMENARBEIT IN DER MISSIONSTÄTIGKEIT
77. Als Glieder der Kirche aufgrund der Taufe sind alle Christen für die
Missionstätigkeit mitverantwortlich. Die Teilnahme der Gemeinden und der
einzelnen Gläubigen an diesem Recht und dieser Pflicht bezeichnen wir als
»Zusammenarbeit in der Mission«.
Eine solche Zusammenarbeit hat ihre Wurzeln und lebt aus der persönlichen
Einheit mit Christus. Nur wenn alle mit ihm eins sind wie die Reben mit
dem Weinstock (vgl. Joh 15, 5), können gute Früchte hervorgebracht
werden. Ein heilig geführtes Leben ermöglicht es jedem Christen, in der
Mission der Kirche fruchtbar zu sein: »Das Heilige Konzil lädt alle zu
einer tiefen, inneren Erneuerung ein, auf daß sie, aufgrund eines
lebendigen Bewußtseins der eigenen Verantwortlichkeit für die
Verbreitung des Evangeliums, ihren Anteil an der Missionstätigkeit ad
gentes übernehmen«.(166)
Die Teilnahme an der Weltmission beschränkt sich daher nicht auf einige
wenige Aktivitäten, sondern ist das Zeichen des gereiften Glaubens und
eines christlichen Lebens, das Früchte trägt. So weitet der Gläubige
die Grenzen seiner Liebe aus und kümmert sich um die, die weit weg sind
ebenso wie um die, die nahe sind: er betet für die Missionen und um
Missionsberufe, er unterstützt die Missionare und verfolgt ihre Arbeit
mit Interesse; und wenn sie zurückkehren, nimmt er sie mit jener Freude
auf, mit der die ersten christlichen Gemeinden von den Aposteln die
Wundertaten erfuhren, die Gott durch ihre Predigt gewirkt hatte (vgl. Apg
14, 27).
Gebet und Opfer für die Missionare
78. Unter den Formen der Teilnahme kommt der geistlichen Zusammenarbeit
der erste Platz zu: Gebet, Opfer, Zeugnis des christlichen Lebens. Das
Gebet muß den Weg der Missionare begleiten, damit die Verkündigung des
Wortes durch die göttliche Gnade wirksam werde. Der hl. Paulus bittet in
seinen Briefen die Gläubigen oft um ihr Gebet für ihn, damit er das
Evangelium mit Vertrauen und Freimut zu verkünden in der Lage sei.
Mit dem Gebet muß notwendigerweise das Opfer verbunden werden. Der
heilbringende Wert jedes angenommenen und Gott in Liebe aufgeopferten
Leidens hat seinen Ursprung im Opfer Christi, der die Glieder seines
mystischen Leibes aufruft, sich mit seinem Leiden zu vereinigen und sie im
eigenen Fleisch zu vollenden (vgl. Kol 1, 24). Das Opfer des Missionars
muß von jenem aller Gläubigen geteilt und unterstützt werden.
Deshalb lege ich denen, die ihren pastoralen Dienst unter Kranken leisten,
ans Herz, diese über den Wert des Leides zu unterweisen und sie zu
ermutigen, es Gott für die Missionare aufzuopfern. Mit einem solchen
Opfer werden auch die Kranken selber zu Missionaren, wie einige unter
ihnen und für sie entstandene Bewegungen unterstreichen. Auch die Feier
des Pfingstfestes - des Beginnes der Missionskirche - wird in manchen
Gemeinden als »Tag des Leidens für die Missionen« gefeiert.
Hier bin ich Herr, ich bin bereit!
Sende mich!(vgl. Jes 6, 8)
79. Die Zusammenarbeit drückt sich vor allem in der Förderung der
Missionsberufe aus, welche ein unentbehrliches Element sind.
Diesbezüglich wird die Gültigkeit der verschiedenen Formen des
missionarischen Einsatzes anerkannt, aber zugleich muß die Priorität der
totalen und lebenslangen Hingabe an die Missionsarbeit aufs Neue betont
werden, besonders in den Missionsinstituten sowie in den Männer- und
Frauen-Kongregationen. Die Förderung der Missionsberufe ist das Herz der
Zusammenarbeit: Die Verkündigung des Evangeliums erfordert Verkündiger,
die Ernte braucht Arbeiter, Mission geschieht vor allem durch Männer und
Frauen, die sich lebenslang dem Dienst des Evangeliums geweiht haben und
bereit sind, in die ganze Welt zu gehen, um allen das Heil zu bringen.
Ich möchte somit diese Sorge um Missionsberufe in Erinnerung rufen und
allen ans Herz legen. Im Wissen um die allgemeine Verantwortung der
Christen für die Missionsarbeit und den Fortschritt der armen Völker
einen Beitrag zu leisten, müssen wir uns alle fragen, warum in manchen
Nationen zwar die materiellen Spenden wachsen, die Missionsberufe aber zu
verschwinden drohen, Berufe, die der wahre Maßstab der Hingabe an die
Mitmenschen sind. Berufungen zum Priester- und Ordensstand sind ein
sicheres Zeichen der Lebendigkeit einer Kirche.
80. Wenn ich an dieses schwierige Problem denke, appelliere ich mit
besonderem Vertrauen und mit Zuneigung an die Familien und die
Jugendlichen. Die Familien und vor allem die Eltern mögen sich dessen
bewußt sein, daß sie »einen besonderen Beitrag für das
Missionsanliegen der Kirche zu leisten haben, indem sie unter ihren
Söhnen und Töchtern Missionsberufe pflegen«.(167)
Ein intensiv gepflegtes Gebetsleben, ein wirklichkeitsnaher Sinn für den
Dienst am Nächsten und eine großmütige Teilnahme an den kirchlichen
Aktivitäten bieten den Familien günstige Voraussetzungen für Berufe
unter der Jugend. Wenn die Eltern bereit sind, ihr Einverständnis zu
geben, daß eines ihrer Kinder in die Mission gehen will, wenn sie Gott um
eine solche Gnade gebeten haben, wird er sie mit Freude belohnen an dem
Tag, an dem ihr Sohn, ihre Tochter dem Ruf des Herrn folgen wird.
Die Jugendlichen selbst bitte ich, das Wort Christi zu hören, der ihnen -
wie schon Simon Petrus und Andreas am Ufer des Sees - zuruft: Folgt mir
nach, ich werde euch zu Menschenfischern machen! (vgl. Mt 4, 19) Mögen
sie den Mut haben, wie Jesaja zu antworten: »Siehe, Herr, ich bin bereit!
Sende mich!« (Jes 6, 8). Sie werden ein faszinierendes Leben vor sich
haben und eine wirkliche Genugtuung dabei verspüren, den Brüdern und
Schwestern die Frobe Botschaft zu verkünden und sie auf den Weg des
Heiles zu führen.
»Geben ist seliger als nehmen« (Apg 20, 35)
81. Die materiellen und wirtschaftlichen Bedürfnisse der Missionare sind
zahlreich: es handelt sich nicht nur um die Ausstattung der Kirche mit den
notwendigsten Strukturen (Kapellen, Schulen für Katecheten und
Seminaristen, Wohnungen), sondern auch um den Unterhalt der Werke der
Caritas, der Erziehung und der Entfaltung der Menschen, also um ein
Aktionsfeld, das besonders in den armen Ländern unendlich groß ist. Die
Missionskirche gibt das, was sie empfängt, sie verteilt an die Armen, was
ihre mit materiellen Gütern besser ausgestatteten Kinder ihr großzügig
zur Verfügung stellen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit all jenen
danken, die dem Missionswerk unter Opfern Spenden zukommen lassen: ihr
Verzicht und ihre Anteilnahme sind unentbehrlich beim Aufbau der Kirche
und für das Zeugnis der Liebe.
Bei der materiellen Unterstützung ist es wichtig, auf den Geist zu
achten, mit dem man gibt. Dazu ist eine Überprüfung des eigenen
Lebensstiles vonnöten. Die Missionen erwarten nicht einfach eine Hilfe,
sondern das Teilen bei der Verkündigung und in der Liebe zu den Armen.
Alles, was wir von Gott empfangen haben - das Leben wie die materiellen
Güter - ist nicht als unser Eigentum, sondern ist uns zur Nutzung
gegeben. Die Großzügigkeit des Gebens wird immer aus dem Glauben heraus
zu erhellen und zu inspirieren sein. Nur dann ist geben seliger als
nehmen.
Der Weltmissionssonntag, der zur Sensibilisierung des Anliegens der
Mission, aber auch für die Sammlung von Hilfsmitteln eingerichtet wurde,
ist ein wichtiges Datum im Leben der Kirche; denn er zeigt, wie man
schenken soll: In der Feier der Eucharistie, d.h. als Gabe für Gott, und
für alle Missionen der Welt.
Neue Formen missionarischer Zusammenarbeit
82. Die Zusammenarbeit wird heute um neue Formen erweitert, die nicht nur
die wirtschaftliche Unterstützung, sondern auch die direkte Teilnahme
einschließen. Neue Situationen in Verbindung mit der Tatsache der großen
Mobilität erfordern von den Christen einen echten Missionsgeist.
Der internationale Tourismus ist inzwischen ein Massenphänomen. Er ist
ein positives Faktum gegenseitiger kultureller Bereicherung, wenn er mit
Rücksichtnahme praktiziert wird. Man vermeide Prahlerei und Verschwendung
und suche menschlichen Kontakt. Von den Christen wird vor allem das
Bewußtsein gefordert, immer Zeugen des Glaubens und der Liebe Christi zu
sein. Auch die unmittelbare Kenntnis des Missionslebens und neuer
christlicher Gemeinden kann die Erfahrung bereichern und den Glauben
stärken. Besuche in den Missionen, vor allem durch Jugendliche, die für
einen Dienst dorthin gehen und um eine tiefe Erfahrung christlichen Lebens
zu machen, sind lobenswert.
Berufliche Gründe bringen heute zahlreiche Christen junger Gemeinden in
Gebiete, wo das Christentum unbekannt und manchmal verbannt und verfolgt
ist. Dasselbe erleben Gläubige aus Ländern mit alter christlicher
Tradition, die zeitweilig in nichtchristlichen Ländern arbeiten. Diese
Umstände bieten gewiß eine Gelegenheit, den Glauben zu leben und zu
bezeugen. In den ersten Jahrhunderten hat sich das Christentum vor allem
deshalb ausgebreitet, weil die Christen auf ihren Reisen oder in ihren
Niederlassungen in anderen Regionen, wo Christus noch nicht verkündigt
worden war, ihren Glauben mutig bezeugten und dort die ersten Gemeinden
gründeten.
Immer zahlreicher sind die Bürger aus Missionsländern und die
Angehörigen nichtchristlicher Religionen, die sich aus Gründen des
Studiums und der Arbeit, oder durch schwierige politische oder
wirtschaftliche Verhältnisse in deren Herkunftsorten gezwungen, in
anderen Nationen niederlassen. Die Anwesenheit dieser Bürger in den
Ländern der alten Christenheit ist für die kirchlichen Gemeinden eine
Herausforderung und drängt sie zu deren Aufnahme, zum Dialog, zum Dienst,
zum Zusammenleben, zum Zeugnis und zur direkten Verkündigung.
Tatsächlich bilden sich auch in den christlichen Ländern humanitäre und
kulturelle Gruppen, die zu einer Mission ad gentes aufrufen. Die
Ortskirchen sollten sich auch mit Hilfe von Leuten, die aus den Ländern
der Immigranten kommen, und mit zurückgekehrten Missionaren mit Großmut
und Offenheit um diese Situationen kümmern.
Die Zusammenarbeit kann ebenso das Engagement der Verantwortlichen aus
Politik, Wirtschaft, Kultur und Presse umfassen, darüberhinaus Experten
der verschiedenen internationalen Organisationen. Es wird in der modernen
Welt immer schwieriger, geographische oder kulturelle Grenzen abzustecken:
es gibt eine wachsende gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Völkern,
und das fordert zum christlichen Zeugnis und zur Evangelisierung heraus.
Anregungen und Hinführung des Volkes Gottes zur Mission
83. Die Hinführung zur Mission ist eine Aufgabe der Ortskirche unter
Mithilfe der Missionare und ihrer Institute, aber ebenso von Leuten der
jungen Kirchen. Diese Arbeit darf nicht nebenbei, sondern muß ganz
zentral das christliche Leben bestimmen. Der Missionsgedanke kann für die
Neuevangelisierung der christlichen Völker selbst eine große Hilfe sein.
Das Zeugnis der Missionare bewahrt seine Anziehungskraft auch bei den
Fernstehenden und den Nichtgläubigen und vermittelt christliche Werte.
Die Ortskirchen sollen daher die Hinführung zur Mission als wesentliches
Element ihrer Pastoral in den Pfarreien, in Vereinigungen und Gruppen,
besonders in Jugendgruppen einbeziehen.
Diesem Zweck dienen besonders Informationen durch Missionszeitschriften
und verschiedene audiovisuelle Mittel. Ihre Rolle ist insofern von großer
Bedeutung, als sie vom Leben der Weltkirche, von den Stimmen und
Erfahrungen der Missionare und der Ortskirchen, in denen diese arbeiten,
Kenntnis vermitteln. Die Missionsinstitute sollten in den jüngeren
Kirchen, die noch nicht in der Lage sind, sich mit einer Presse und
anderen Mitteln auszurüsten, Personal und Ausrüstung für diese
Initiativen bereitstellen.
Zu entsprechender Bildungsarbeit aufgerufen sind Priester und ihre
Mitarbeiter, Erzieher und Lehrer, Theologen, besonders aber die
Professoren von Seminarien und Zentren für Laienerziehung. Theologischer
Unterricht kann und darf von der Weltmission der Kirche, von der Ökumene,
vom Studium der großen Religionen und der Missiologie nicht absehen. Ich
empfehle, daß vor allem in Seminaren und Bildungshäusern für
Ordensmänner und -frauen ein solches Studium durchgeführt wird und daß
Studenten und Studentinnen sich auf den verschiedenen Gebieten der
Missiologie spezialisieren.
Die Arbeit der Hinführung soll immer an ihren spezifischen Zielen
orientiert werden. Das bedeutet: das Volk Gottes über die allgemeine
Mission der Kirche informieren und bilden, Missionsberufe pflegen, auf die
Zusammenarbeit bei der Evangelisierung hinwirken. Denn man darf keineswegs
ein verengtes Bild der Missionsarbeit zeichnen, als ob diese
hauptsächlich eine Unterstützung der Armen, ein Beitrag zur Befreiung
der Bedrängten, die Förderung des Fortschritts, die Verteidigung der
Menschenrechte wäre. Die Missionskirche ist auch an diesen Fronten
engagiert; aber ihre primäre Aufgabe ist eine andere: die Armen haben
Hunger nach Gott und nicht bloß nach Brot und Freiheit, und die
Missionstätigkeit muß zuerst das Heil in Christus bezeugen und
verkünden, indem sie Ortskirchen gründet, die dann ihrerseits
Instrumente der Befreiung in jeder Hinsicht sind.
Die besondere Verantwortung der Päpstlichen Missionswerke
84. Bei diesem Werk der Hinführung haben die Päpstlichen Missionswerke
eine besondere Aufgabe, wie ich in den Botschaften zum Weltmissionssonntag
schon öfters betont habe. Die vier Werke - der Glaubensverbreitung, des
Hl. Apostels Petrus, das Kindermissionswerk und der Missions-Bund - haben
als gemeinsame Aufgabe, den Geist der Weltmission im Volk Gottes zu
fördern. Der Missions-Bund hat als unmittelbares und spezielles Ziel die
Sensibilisierung und Missions-Ausbildung von Priestern, Ordensmännern und
-frauen, die sich ihrerseits der Ausbildung in den christlichen Gemeinden
widmen. Darüber hinaus hat er den Zweck, die anderen Werke zu
unterstützen, deren Mitte er ist.(168) »Das Leitwort muß dabei sein:
Alle Kirchen für die Bekehrung der ganzen Welt«.(169)
Als Werke des Papstes und des Bischofskollegiums nehmen sie auch im
Bereich der Ortskirchen »zurecht den ersten Platz ein; denn sie sind
Mittel, um sowohl den Katholiken von klein auf einen die Welt umfassenden,
missionarischen Geist einzugießen, als auch um eine angemessene Sammlung
von Hilfen zugunsten aller Missionen zu erwirken, entsprechend dem
Bedürfnis einer jeden«.(170) Ein weiteres Ziel der Missionswerke ist die
Weckung von Missionsberufen auf Lebenszeit, sowohl in den alten als auch
in den jungen Kirchen. Ich empfehle wärmstens, daß sie ihren Dienst der
Animation immer mehr auf dieses Ziel hin ausrichten.
In der Ausübung ihrer Tätigkeit hängen die Missionswerke auf Weltebene
von der Kongregation für die Evangelisierung ab, auf Ortsebene von den
Bischofskonferenzen und von den Bischöfen der einzelnen Kirchen, in
Zusamrnenarbeit mit schon bestehenden Förderungsstrukturen. Sie mögen
den Geist der Universalität und des Dienstes für die Mission in die
katholische Welt tragen, ohne den es keine echte Zusammenarbeit gibt.
Der Mission nicht nur geben, sondern auch von ihr empfangen
85. An der Mission mitwirken, heißt fähig zu sein, nicht nur zu geben,
sondern auch zu empfangen. Alle Teilkirchen, junge wie alte, sind
aufgerufen, für die Weltmission zu geben und zu empfangen, und keine darf
sich in sich selbst verschließen. Doch »kraft der Katholizität - sagt
das Konzil - bringen die einzelnen Teile ihre eigenen Gaben den übrigen
Teilen und der ganzen Kirche hinzu, so daß das Ganze und die einzelnen
Teile zunehmen aus allen, die Gemeinschaft miteinander halten und zur
Fülle in Einheit zusammenwirken... Daher bestehen schließlich zwischen
den verschiedenen Teilen der Kirche die Bande einer innigen Gemeinschaft
der geistigen Güter, der apostolischen Arbeiter und der zeitlichen
Hilfsmittel«.(171)
Ich fordere alle Kirchen und die Bischöfe, Priester, Ordensleute und
Gläubigen dazu auf, sich der Universalität der Kirche zu öffnen, indem
sie jede Form von Partikularismus, Exklusivität oder
Selbstgenügsamkeitsgefühl vermeiden. Auch wenn die Ortskirchen in ihrem
Volk und ihrer Kultur verwurzelt sind, müssen sie dennoch konkret an
dieser universalistischen Bedeutung des Glaubens festhalten, und zwar
dadurch, daß sie geistliche Gaben, pastorale Erfahrungen mit
Erstverkündigung und Evangelisierung, apostolisches Personal und
materielle Hilfsmittel an die anderen Kirchen weitergeben bzw. von diesen
empfangen.
Die Neigung, sich zu verschließen, kann in der Tat stark sein: Die alten
Kirchen, die sich um die Neuevangelisierung bemühen, sind der Meinung,
nunmehr Mission daheim betreiben zu sollen, und laufen Gefahr, dadurch,
daß sie den Missionsinstituten, den Ordenskongregationen und den anderen
Kirchen nur widerwillig die Berufe zugestehen, den Elan im Hinblick auf
die nichtchristliche Welt zu bremsen. Aber wenn wir freigebig von dem
Unseren geben, werden wir empfangen, und schon heute sind die jungen
Kirchen, von denen viele eine wunderbare Blüte an Berufungen erleben, in
der Lage, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen in die alten Kirchen zu
entsenden.
Andererseits fühlen sie das Problem der eigenen Identität, der
Inkulturation, der Freiheit eines Wachsens ohne Einflüsse von außen, was
die Konsequenz nach sich ziehen kann, den Missionaren die Türen zu
verschließen. Diesen Kirchen sage ich: Weit davon entfernt, euch zu
isolieren, nehmt die Missionare und Hilfsmittel von den anderen Kirchen an
und entsendet sie eurerseits in die Welt. Gerade wegen der Probleme, die
euch bedrängen, müßt ihr in ständiger Verbindung mit euren Brüdern
und Schwestern im Glauben stehen. Macht mit jedem legitimen Mittel die
Freiheit geltend, auf die ihr ein Recht habt, und bedenkt, daß die
Jünger Christi »Gott mehr gehorchen« müssen »als den Menschen« (Apg
5, 29).
Gott bereitet dem Evangelium einen neuen Frühling
86. Wenn man die heutige Welt oberflächlich betrachtet, ist man nicht
wenig betroffen von den negativen Tatsachen, die zum Pessimismus führen
können. Aber dieses Gefühl ist nicht gerechtfertigt: wir glauben an
Gott, den Vater und Herrn, an seine Güte und Barmherzigkeit. Unmittelbar
vor Anbruch des dritten Jahrtausends der Erlösung ist Gott dabei, einen
großen christlichen Frühling zu bereiten, dessen Morgenröte man schon
ahnend erkennen kann. Tatsächlich gibt es sowohl in der nichtchristlichen
Welt als auch in der alten Christenheit eine fortschreitende Annäherung
der Völker an die Ideale und Werte des Evangeliums, die zu fördern sich
die Kirche bemüht. In der Tat zeigt sich heute seitens der Völker ein
neues Zusammengehen hinsichtlich dieser Werte: die Absage an Gewalt und
Krieg; die Achtung der menschlichen Person und ihrer Rechte; der Wunsch
nach Freiheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit; die Überwindung von
Rassismen und Nationalismen; die Bejahung der Würde und Aufwertung der
Frau.
Die christliche Hoffnung bestärkt uns darin, uns mit allen Kräften für
die Neuevangelisierung und für die Weltmission einzusetzen, indem sie uns
beten läßt, wie Jesus uns gelehrt hat: »Dein Reich komme, dein Wille
geschehe wie im Himmel, so auf der Erde« (Mt 6, 10).
Die Zahl der Menschen, die auf Christus warten, ist noch immer unendlich
groß: Die menschlichen und kulturellen Räume, die von der Verkündigung
des Evangeliums noch gar nicht erreicht worden sind oder wo die Kirche nur
schwach präsent ist, sind so ausgedehnt, daß sie die Einheit aller ihrer
Kräfte erfordern. Mit der Vorbereitung auf die Feier des Jubeljahres
Zweitausend engagiert sich die ganze Kirche noch mehr für einen neuen
missionarischen Advent. Wir müssen in uns den apostolischen Eifer
nähren, das Licht und die Freude des Glaubens an andere weiterzugeben,
und zu diesem Ideal müssen wir jeden von uns und das ganze Volk Gottes
erziehen.
Wir können nicht ruhig vor uns hinleben, wenn wir an die Millionen von
Brüdern und Schwestern denken, die, wenn auch durch das Blut Christi
erlöst, doch leben, ohne von der Liebe Gottes zu wissen. Sowohl für den
einzelnen Gläubigen wie für die ganze Kirche muß das missionarische
Anliegen das erste sein, weil es die ewige Bestimmung der Menschen
betrifft und auf den geheimnisvollen und barmherzigen Plan Gottes
antwortet.
KAPITEL VIII
DIE MISSIONARISCHE SPIRITUALITÄT
87. Die missionarische Aktivität erfordert eine besondere Spiritualität,
die jeden Jünger Christi, insbesondere aber alle jene angeht, die Gott zu
Missionaren berufen hat.
Sich vom Geist leiten lassen
Diese Spiritualität kommt vor allem in einem Leben in voller Fügsamkeit
gegenüber dem Geist zum Ausdruck; sie verpflichtet dazu, sich innerlich
von ihm formen zu lassen, um Christus immer ähnlicher zu werden. Man kann
nicht Zeugnis geben von Christus, ohne sein Bild widerzuspiegeln, das in
uns lebendig wird durch die Gnade und das Wirken des Geistes. Die
Fügsamkeit gegenüber dem Geist verpflichtet sodann dazu, die Gaben der
Festigkeit und der Unterscheidung anzunehmen, die wesentliche Züge eben
dieser Spiritualität sind.
Sinnbildhaft ist der Fall der Apostel, die trotz ihrer Liebe zum Meister
und obwohl sie seinem Ruf großzügig Folge leisteten, sich während
seines öffentlichen Auftretens als unfähig erwiesen, seine Worte zu
begreifen, und ihm nur widerstrebend auf dem Weg des Leidens und der
Demütigung folgten. Der Geist wird sie in mutige Zeugen Christi und
erleuchtete Verkünder seines Wortes verwandeln: der Geist wird sie über
die beschwerlichen und neuen Wege der Mission geleiten.
Auch heute ist die Mission schwierig und komplex wie in der Vergangenheit
und erfordert den Mut und das Licht des Geistes: Wir erleben oft das Drama
der christlichen Urgemeinde, die sah, wie ungläubige und feindliche
Kräfte »sich verbündeten gegen den Herrn und seinen Gesalbten« (Apg 4,
26). Wie damals, so gilt es auch heute darum zu beten, daß Gott uns die
Offenheit schenke, das Evangelium zu verkünden, und es gilt, die
geheimnisvollen Wege des Geistes zu erforschen und sich von ihm in die
ganze Wahrheit führen zu lassen (vgl. Joh 16, 13).
Das Geheimnis Christi, des »Gesandten«, leben
88. Ein wesentliches Merkmal der missionarischen Spiritualität ist die
innige Gemeinschaft mit Christus: Die Mission kann nur dann verstanden und
gelebt werden, wenn wir uns auf Christus als den berufen, der gesandt
worden ist, das Evangelium zu verkünden. Paulus beschreibt diese
Haltungen: »Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus
Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie
Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und
den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte
sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz« (Phil 2, 5-8).
Hier wird das Geheimnis der Menschwerdung und der Erlösung als totale
Selbstentäußerung beschrieben, die Christus dazu führt, den Zustand des
Menschseins ganz zu leben und dem Plan des Vaters bis zum Äußersten
nachzukommen. Es handelt sich um eine tiefe Entsagung, ja
Selbstentleerung, die jedoch von Liebe durchdrungen und Ausdruck der Liebe
ist. Die Mission durchläuft denselben Weg und hat ihren Zielpunkt am
Fuße des Kreuzes.
Vom Missionar wird verlangt, »sich selbst und allem, was er bislang als
sein angesehen hat, zu entsagen, um allen alles zu werden«:(172) in der
Armut, die ihn frei macht für das Evangelium, im Abstand zu Personen und
Gütern seiner Umgebung, um zum Bruder derer zu werden, zu denen er
gesandt ist, um ihnen Christus, den Erlöser, zu bringen. Das ist das
Ziel, auf welches die Spiritualität der Missionare hinausläuft: »Den
Schwachen wurde ich ein Schwacher... Allen bin ich alles geworden, um auf
jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums
willen« (1 Kor 9, 22-23).
Gerade weil er »gesandt« ist, erfährt der Missionar die stärkende
Gegenwart Christi, der ihn in jedem Augenblick seines Lebens begleitet:
»Fürchte dich nicht!.... denn ich bin bei dir« (Apg 18, 9-10), und ihn
im Herzen jedes Menschen und jedes Volkes erwartet.
Die Kirche und die Menschen lieben, wie Jesus sie geliebt hat
89. Die missionarische Spiritualität ist auch gekennzeichnet von der
apostolischen Liebe, der Liebe Christi, der gekommen ist, »um die
versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln« (Joh 11, 52), des Guten
Hirten, der seine Schafe kennt, der nach ihnen sucht und sein Leben für
sie hingibt (vgl. Joh 10). Wer missionarischen Geist besitzt, spürt die
glühende Liebe Christi für die Seelen und liebt die Kirche, wie Christus
sie geliebt hat.
Der Missionar wird angetrieben vom »Eifer für die Seelen«, der sich
seinerseits an der Liebe Christi inspiriert, die in Aufmerksamkeit,
Zärtlichkeit, Mitleid, Annahme, Verfügbarkeit und Interesse für die
Probleme der Menschen besteht. Die Liebe Christi geht tief: Er, der
»wußte, was im Menschen ist« (Joh 2, 25 ), liebte alle, indem er ihnen
die Erlösung anbot, und litt, wenn dieses Heil von ihnen verworfen wurde.
Der Missionar ist der Mensch der Liebe: um jedem Bruder zu verkünden,
daß er von Gott geliebt wird und selbst lieben kann, muß er seine Liebe
zu allen dadurch bezeugen, daß er sein Leben für den Nächsten hingibt.
Der Missionar ist der »Weltbruder«, er trägt in sich den Geist der
Kirche, seine Offenheit und sein Interesse für alle Völker und alle
Menschen, besonders für die geringsten und ärmsten. Als solcher
überwindet er die Grenzen und Trennungen von Rasse, Kaste, Ideologie: er
ist ein Zeichen der Liebe Gottes in der Welt, einer Liebe, die weder
irgendjemanden ausschließt noch bevorzugt.
Schließlich muß er wie Christus die Kirche lieben: »Christus hat die
Kirche geliebt und sich für sie hingegeben« (Eph 5, 25). Diese Liebe bis
zur Hingabe des Lebens ist für ihn ein Anhaltspunkt. Nur eine tiefe Liebe
zur Kirche vermag den Eifer des Missionars stärken: Sein täglicher
Antrieb ist - wie der hl. Paulus sagt - »die Sorge für alle Gemeinden«
(2 Kor 11, 28). Für jeden gilt: »Die Treue zu Christus kann nicht von
der Treue zu seiner Kirche getrennt werden«.(173)
Der wahre Missionar ist der Heilige
90. Die Berufung zur Mission stammt an sich aus der Berufung zur
Heiligkeit. Jeder Missionar ist nur dann ein echter Missionar, wenn er
sich auf den Weg der Heiligkeit einläßt: »Die Heiligkeit ist
fundamentale Bedingung und unverzichtbare Voraussetzung für die
Erfüllung der Heilssendung der Kirche«. (174)
Die universale Berufung zur Heiligkeit ist eng mit der universalen
Berufung zur Mission verbunden: jeder Gläubige ist zur Heiligkeit und zur
Mission berufen. Dies war auch der dringende Wunsch des Konzils: »Möge
das Licht Christi ... durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der
Kirche widerscheint, alle Menschen erleuchten, indem sie das Evangelium
allen Geschöpfen verkündet«.(175) Die missionarische Spiritualität der
Kirche ist ein Weg zur Heiligkeit.
Der erneuerte Drang zur Mission unter den Völkern erfordert
heiligmäßige Missionare. Es genügt weder die pastoralen Methoden zu
erneuern noch die kirchlichen Kräfte besser zu organisieren bzw. zu
koordinieren oder etwa die biblischen und theologischen Glaubensgrundlagen
mit größerer Klugheit zu erforschen: es gilt, ein neues »glühendes
Verlangen nach Heiligkeit« unter den Missionaren und in der ganzen
christlichen Gemeinschaft zu wecken, besonders unter den engsten
Mitarbeitern der Missionare.(176)
Denken wir, liebe Brüder und Schwestern, an den missionarischen Schwung
der ersten Christengemeinden. Trotz der Armseligkeit der damaligen
Transport- und Kommunikationsmittel erreichte die Verkündigung des
Evangeliums in kurzer Zeit die Grenzen der Welt. Und dabei handelte es
sich um die Religion eines am Kreuz gestorbenen Menschen, »für Juden ein
empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit« (1 Kor 1, 23)! Zugrunde
liegt diesem missionarischen Dynamismus die Heiligkeit der ersten Christen
und der ersten Gemeinden.
91. Ich wende mich deshalb an die Getauften der jungen Gemeinden und der
jungen Kirchen. Ihr seid heute die Hoffnung dieser unserer zweitausend
Jahre alten Kirche: da ihr jung im Glauben seid, müßt ihr wie die ersten
Christen sein und Enthusiasmus und Mut ausstrahlen in selbstloser Hingabe
an Gott und an die Brüder: mit einem Wort, ihr sollt euch auf den Weg der
Heiligkeit einlassen. Nur so könnt ihr Zeichen Gottes in der Welt sein
und in euren Ländern die missionarischen Großtaten der Urkirche neu
beleben. Und ihr werdet auch Sauerteig für die älteren Kirchen sein.
Die Missionare sollen ihrerseits über die Pflicht zur Heiligkeit
nachdenken, die die Gabe der Berufung von ihnen fordert, indem sie sich
täglich im Geist erneuern und auch ihre doktrinelle und pastorale
Ausbildung auf den neuesten Stand bringen. Der Missionar muß ein »in
Beschaulichkeit Tätiger« sein. Antwort auf die Probleme findet er im
Licht des Wortes Gottes und im persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet.
Der Kontakt mit Vertretern der wichtigsten nichtchristlichen Traditionen,
insbesondere mit jenen Asiens, hat mich darin bestärkt, daß die Zukunft
der Mission großenteils von der Kontemplation abhängt. Wenn der
Missionar nicht kontemplativ ist, kann er Christus nicht glaubwürdig
verkünden. Er ist ein Zeuge der Gotteserfahrung und muß wie die Apostel
sagen können: »Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir
auch euch: das Wort des Lebens« (1 Joh 1, 1-3).
Der Missionar ist der Mensch der Seligpreisungen. Jesus unterweist die
Zwölf, ehe er sie aussendet, das Evangelium zu verkünden, indem er ihnen
die Wege der Mission aufzeigt: Armut, Sanftmut, Annahme von Leiden und
Verfolgung, Verlangen nach Gerechtigkeit und Frieden, Liebe, also die im
apostolischen Leben verwirklichten Seligpreisungen (vgl. Mt 5, 1-12).
Indem er die Seligpreisungen lebt, erfährt der Missionar und beweist mit
seinem Leben, daß das Reich Gottes schon gekommen ist und daß er es
schon angenommen hat. Das Wesensmerkmal jedes echten missionarischen
Lebens ist die innere Freude, die aus dem Glauben kommt. In einer von so
vielen Problemen verängstigten und bedrängten Welt, die zum Pessimismus
neigt, muß der Verkünder der »Frohbotschaft« ein Mensch sein, der in
Christus die wahre Hoffnung gefunden hat.
SCHLUSS
92. Noch nie hatte die Kirche so wie heute die Möglichkeit, das
Evangelium durch das Zeugnis und das Wort allen Menschen und allen
Völkern zukommen zu lassen. Ich sehe ein neues Missionszeitalter
heraufdämmern, das zu einem hellen Tag, reich an Früchten, werden wird,
wenn alle Christen, besonders die Missionare und die jungen Kirchen, mit
Hochherzigkeit und Heiligkeit auf die Appelle und Herausforderungen
unserer Zeit antworten.
Wie die Apostel nach der Himmelfahrt Christi, so muß sich die Kirche im
Abendmahlssaal versammeln »mit Maria, der Mutter Jesu« (Apg 1, 14), um
den Geist zu erflehen und Kraft und Mut für die Erfüllung des
Missionsauftrages zu erhalten. Auch wir, mehr noch als die Apostel,
müssen vom Geist verwandelt und geführt werden.
An der Schwelle des dritten Jahrtausends ist die ganze Kirche eingeladen,
das Geheimnis Christi dadurch tiefer zu leben, daß sie voll Dankbarkeit
am Heilswerk mitarbeitet. Das tut sie mit Maria und wie Maria, ihrer
Mutter und ihrem Vorbild. Und sie, Maria, ist das Vorbild jener
mütterlichen Liebe, von der alle beseelt sein müssen, die in der
apostolischen Sendung der Kirche zur Wiedergeburt der Menschen mitwirken.
Daher schreitet die Kirche, durch die Gegenwart Christi bestärkt, in der
Zeit voran auf die Vollendung der Geschichte zu und geht ihrem Herrn
entgegen, der kommt. Aber auf dieser Pilgerschaft geht sie denselben Weg,
den auch die Jungfrau Maria zurückgelegt hat.(177)
Der »Mittlerschaft Marias, die ganz auf Christus bezogen und auf die
Offenbarung seiner Heilsmacht ausgerichtet ist«,(178) vertraue ich die
Kirche und besonders diejenigen an, die sich für die Verwirklichung des
Missionsauftrags in der heutigen Welt einsetzen. Wie Christus seine
Apostel im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
ausgesandt hat, so sende ich mit der Erneuerung dieses Auftrags euch allen
den Apostolischen Segen im Namen eben dieser Heiligsten Dreifaltigkeit.
Amen.
Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 7. Dezember, dem 25. Jahrestag der
Verkündigung des Konzilsdekretes Ad gentes, des Jahres 1990, dem 13. Jahr
meines Pontifikates.
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1 Vgl. PAUL VI., Botschaft zum Weltmissionstag 1972: »Wie viele interne
Spannungen, die manche Ortskirchen und lokalen Institutionen schwächen
und zerreißen, würden verschwinden angesichts der festen Überzeugung,
daß das Heil der Ortsgemeinden durch die Mitwirkung an der
Missionstätigkeit erworben wird, "damit diese bis an die Grenzen der
Erde ausgeweitet werden kann"« (Insegnamenti X 1972], 522).
2 Vgl. BENEDIKT XV., Apostol. Schreiben Maximum illud (30. November 1919):
AAS 11 (1919), 440-455; PIUS X., Enzyklika Rerum Ecclesiae (28. Februar
1926): AAS 18 1926], 65-83; PIUS XII., Enzyklika Evangelii praecones (2.
Juni 1951): AAS 43 (1951), 497-528; Enzyklika Fidei donum (21. April 1957)
AAS 49 (1957), 225-248; JOHANNES XXIII., Enzyklika Princeps pastorum (28.
November 1959) AAS 51 (1959), 833-864.
3 Enzyklika Redemptor hominis (4. März 1979), Nr. 10: AAS 71 (1979),
274f.
4 Ebd, a.a.O., 275.
5 Nizänisch-konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis: DS 150.
6 Enzyklika Redernptor hominis, Nr. 13: a.a.O., 283.
7 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in
der Welt von heute Gaudium et spes, Nr 2.
8 Ebd, Nr. 22.
9 Enzyklika Dives in misericordia (30. November 1980), Nr. 7: AAS 72
(1980), 1202.
10 Predigt bei der Eucharistiefeier in Krakau, 10. Juni 1979: AAS 71
(1979), 873.
11 Vgl. JOHANNES XXIII., Enzyklika Mater et Magistra (15. Mai 1961), IV:
AAS 53 (1961), 451-453.
12 Erklärung über die Religionsfreiheit Digmtatis humanae, Nr. 2.
13 PAUL Vl., Apostoi. Schreiben Evangelii nuntiandi (8. Dezember 1975),
Nr. 53: AAS 68 (1976), 42
14 Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae, Nr. 2.
15 Vgl. Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr.
14-17; Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 3.
16 Vgl. dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 48;
Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et
spes, Nr. 43; Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes,
Nr. 7.21 .
17 Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 13.
18 Ebd, Nr. 9.
19 Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et
spes, Nr. 22.
20 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche
Lumen gentium, Nr. 14.
21 Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 1: a.a.O., 1177.
22 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche
Lumen gentium, Nr. 5
23 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in
der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 22.
24 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die
Kirche Lumen gentium, Nr 4.
25 Ebd., Nr. 5.
26 Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 16: a.a.O., 15.
27 Ansprache bei Eröffnung der m Sitzungsperiode des II. Vatikanischen
Konzils, 14. September 1964: AAS 56 ( 1964), 810.
28 PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 34: a.a.O., 28.
29 Vgl. INTERNATIONALE THEOLOGISCHE KOMMISSION, Ausgewahlte Themen der
Ekklesiologie zum 20. Jahrestag des Abschlusses des II Vatikanischen
Konzils (7. Oktober 1985), Nr. 10: »Die eschatologische Natur der Kirche:
Reich Gottes und Kirche«.
30 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in
der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 39.
31 Enzyklika Dominum et vivificantem ( 18. Mai 1986), Nr. 42: AAS 78
(1986), 857.
32 Ebd, Nr. 64: a.a.O., 892.
33 Dieser Ausdruck entspricht dem griechischen parresia, der auch
Begeisterung, Stärke bezeichnet; vgl. Apg 2, 29; 4, 13 29 31; 9, 27 28;
13, 46; 14, 3; 18, 26; 19, 8 26; 28, 31.
34 Vgl. PAUL Vl., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi; Nr. 41-42:
a.a.O., 31-33.
35 Enzyklika Dominum et vivificantem, Nr. 53: a.a.O., 874f.
36 Vgl. Il. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 3. 11. 15; Pastoralkonstitution über die Kirche in
der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 10-11. 22. 26. 38. 41. 92-93 .
37 II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in der
Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 10. 15. 22.
38 Ebd., Nr. 41.
39 Vgl Enzvklika Dommum et vivificantem, Nr. 54: a.a.O., 875f.
40 II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in der
Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 26.
41 Ebd, Nr. 38 vgl. Nr. 93.
42 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die
Kirche Lumen gentium, Nr. 17; Ddcret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 3. 15.
43 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 4.
44 Vgl. Enzyklika Dominum et vivificantem, Nr. 53: a.a.O, 874.
45 Ansprache an Vertreter der nichtchrisdichen Rdigionen in Madras, 5.
Februar 1986: MS 78 (1986), 767; vgl. Botschaft an die Völker Asiens in
Manila, 21. Februar 1981, 2-4: AAS 73 (1981), 392f; Ansprache an die
Vertreter der nichtchrisdichen Rdigionen in Tokyo, 24. Februar 1981, 3-4:
Insegnamenti IV/I (1981), 507f.
46 Ansprache an die Kardinäle, die Päpsdiche Familie und die Römische
Kurie und Prälatur, 22 Dezember 1986, 11: MS 79 (1987), 1089.
47 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die
Kirche Lumen gentium, Nr. 16.
48 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in
der Welt von heute Gudium et spes, Nr. 45; vgl. Enzvklika Dominum et
vivificantem, Nr. 54: a.a.O., 876.
49 Il. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 10.
50 Nachsynodales Apostol. Schreiben Christifideles laici (30. Dezember
1988), Nr. 35 AAS 81 (1989), 457.
51 Vgl. Il. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 6.
52 Vgl. ebd.
53 Ebd, Nr. 6. 23, vgl. 27
54 Vgl. PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangeln nuntiandi, Nr. 18-20:
a.a.O., 457.
55 JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Christifideles
laici, Nr. 35: a.a.O., 457.
56 Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi; Nr. 80: a.a.O., 73.
57 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 6.
58 Apostol. Schreiben Euangelii nuntiandi, Nr. 80: a.a.O. 73.
59 Vgl. Dekret über die Missionstätigkeit det Kirche Ad gentes, Nr. 6.
60 Vgl. ebd, Nr. 20.
61 Vgl. Ansprache an die Teilnehmer des VI. Symposions des Rates der
Europäischen Bischofskonferenzen, 11. Oktober 1985: AAS 78 (1986),
178-189; dtsch.: Der Apostolische Stuhl (DAS), 1985, S. 1548- 1560.
62 Apostol. Schreiben Euangelii nuntiandi, Nr. 20: a a O, 19.
63 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 5; dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen
gentium, Nr. 8.
64 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Erklärung über die Religionsfreiheit
Dignitatis hurnanae, Nr. 3-4, 14; PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii
nuntiandi, Nr. 79-80: a.a.O., 71-75; JOHANNES PAUL II., Enzyklika
Redernptor hominis, Nr. 12: a.a.O, 278-281.
65 Apostol. Schreiben Maximum illud: a.a.O. 446.
66 PAUL Vl., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi Nr. 62: a.a.O. 52.
67 Vgl De praescriptione haereticorum XX: CCL I, 201f.
68 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 9; vgl. Kap. II, 10-18.
69 Vgl. PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nunnandi; Nr. 41: a.a.O.,
31f.
70 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die
Kirche Lumen gentium, Nr. 28. 35. 38; Pastoralkonstitution über die
Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 43; Dekret über die
Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 11-12.
71 Vgl. PAUL VI., Enzvklika Populorum progressio (26. März 1967), Nr. 21.
42: AAS 59 (1967), 267f. 278.
72 PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 27: a.a.O., 23.
73 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 13.
74 Vgl. PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 15: a.a.O.,
13-15; II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes., Nr. 13-14.
75 Vgl. Enzyklika Dominum et vivificantem, Nr. 42.64: a.a.O., 857-859.
892-894.
76 Vgl. PAUL Vl., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 60: a.a.O.,
50f.
77 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die
Kirche Lumen gentium, Nr. 6-9.
78 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 2; vgl. dogmatische Konstitution über die Kirche
Lumen gentium, Nr. 9.
79 Vgl. Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Kap. m
19-22.
80 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstatigkeit der Kirche
Ad gentes, Nr. 15.
81 Ebd, Nr. 6.
82 Ebd, Nr. 15; vgl. Dekret uber den Ökumenismus Umtatis redintegratio,
Nr. 3
83 Vgl. Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 58: a.a.O., 46-49.
84 Außerordentliche Versammlung 1985, Schlußbericht, II, C 6.
85 Ebd, II, D 4.
86 Vgl. Apostol. Schreiben Catechesi tradendae (16. Oktober 1979), Nr. 53:
AAS 71 (1979), 1320; Enzyklika Slawrum Apostoli (2. Juni 1985), Nr. 21:
AAS 77 (1985), 802f.
87 Vgl. PAUL Vl., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 20: a.a.O.,
18f.
88 Vgl. Ansprache an die Bischöfe von Zaire in Kinshasa, 3. Mai 1980,
4-6: AAS 72 (1980), 432-435; Ansprache an die Bischöfe von Kenya in
Nairobi, 7. Mai 1980, 6: AAS 72 (1980), 497; Ansprache an die Bischöfe
Indiens in Delhi, 1. Februar 1986, 5: AAS 78 (1986), 748f.; Predigt in Kar
tagena, 6. Juli 1986, 7-8: AAS 79 (1987), 105f.; vgl. auch Enzyklika
Slawrum Apostoli, Nr . 2 1 -22: a. a. O., 802 -804.
89 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 22.
90 Vgl. ebd
91 Vgl. PAUL Vl., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi; Nr. 64: a.a.O.,
55.
92 Die Teilkirchen »haben die Aufgabe, das Wesendiche der Botschaft des
Evangeliums sich tief zu eigen zu machen und es ohne den geringsten Verrat
an seiner wesendichen Wahrheit in eine Sprache zu übersetzen, die diese
Menschen verstehen, um es dann in dieser Sprache zu verkünden...
'Sprache' aber darf hier weniger im semantischen oder literarischen Sinn
aufgefaßt werden, sondem vielmehr andhropologisch und kulturell« (Ebd
Nr. 63: a.a.O. 53).
93 Vgl. Ansprache bei der Generalaudienz vom 13. April 1988: Insegnamenti
XI/1 ( 1988), 877-881.
94 Apostol. Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), Nr. 10, wo
besonders von der Inkulturation »im Bereich der Ehe und Familie« die
Rede ist: AAS 74 (1982), 91.
95 Vgl. PAUL Vl., Apostol. Schreiben Evangelu nantiandi, Nr. 63-65:
a.a.O., 53-55.
96 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche
Lumen gentium, Nr. 17.
97 PAUL Vl., Ansprache an die Teilnehmer am Symposion der afrikanischen
Bischöfe in Kampala, 31. Juli 1969, 2: AAS 61 (1969), 577.
98 PAUL VI., Anspracher Eröffnung der II. Sitzungsperiode des II.
Vatikanischen Konzils, 29. September 1963: AAS 55 (1963), 858; vgl. II.
VATIKANISCHES KONZIL, Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den
nichtchristlichen Religionen Nostra aetate, Nr. 2; dogmatische
Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 16; Dekret über die
Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 9; PAUL VI., Apostol.
Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 53: a.a.O., 41f.
99 Vgl PAUL VI., Enzyklika Ecclesiam suam (6. August 1964): AAS 56 (1964),
609-659; II. VATIKANISCHES KONZIL, Erklärung über das Verhältnis der
Kirche zu den nichtchristlichen Religionen Nostra aetate; Dekret uber die
Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 11. 41. SEKRETARIAT FÜR DlE
NICHTCHRISTEN, Die Haltung der Kirche gegenuber den Anhangern anderer
Religionen - Überlegungen und Richtlinien zu Dialog und Mission (4.
September 1984): AAS 76 (1984), 816-828.
100 Brief an die Bischöfe Asiens anläßlich der 5. Vollversammlung der
Vereinigung ihrer Bischofskonferenzen (23. Juni 1990), 4: L'Osservatore
Romano, 18. Juli 1990.
101 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche
Lumen gentium, Nr. 14; vgl. Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche
Ad gentes, Nr. 7.
102 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über den Ökumenismus Unitatis
redintegratio, Nr. 3; vgl. Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche
Ad gentes, Nr. 7.
103 Vgl. Enzyklika Redemptor hominis, Nr. 12: a.a O., 279.
104 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 11. 15.
105 II. VATIKANISCHES KONZIL, Erklärung über das Verhältnis der Kirche
zu den nichtchristlichen Religionen Nostra aetate, Nr. 2.
106 Nachsynodales Apostol. Schreiben Christifideles laici, Nr. 35: a.a.O.,
107 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 41.
108 Enzyklika Sollicitudo rei socialis (30. Dezember 1987), Nr. 41: AAS 80
(1988), 570f.
109 Dokumente der m. Vollversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in
Puebla (1979), (3760) 1145.
110 Ansprache an die Priester und Ordensleute in Jakarta, 10. Oktober
1989, 5: L'Osservatore Romano, 11. Oktober 1989.
111 Vgl. PAUL Vl., Enzyklika Populorum progressio, Nr. 14-21. 40-42:
a.a.O., 264-268. 277f.; JOHANNES PAUL II., Enzykika Sollicitudo rei
socialis, Nr. 27-41: a.a.O. 547-572.
112 Vgl. Enzyklika Sollicitudo rei socialis, Nr. 28: a.a.O., 548-550.
113 Vgl. Ebd, Kap. IV, 27-34: a.a.O., 547-560; PAIJL VI., Enzyklika
Populorum progressio, Nr. 19-21. 41-42: a.a.O., 266-268. 177f.
114 Ansprache an die Bewohner des Elendsviertels Vidigal in Rio de
Janeiro, 2. Juli 1980, 4: AAS 72 (1980), 854.
115 Dokumente der III. Vollversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe
in Puebla (1979), (3757) 1142.
116 ISAAK VON STELLA, Predigt 31: PL 194, 1793.
117 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 20.
118 Nachsynodales Apostol. Schreiben Christifideles laici, Nr. 35: a.a.O.,
458.
119 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätig keit
der Kirche Ad gentes, Nr. 38.
120 Ansprache an die Mitglieder des HI. Kollegiums und an alle Mitarbeiter
der Römischen Kurie, der Vatikanstadt und des Vikariats von Rom, 28. Juni
1980, 10: Insegnamenti III, 1 (1980), 1887.
121 Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 23.
122 Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 38.
123 Ebd, Nr 29
124 Vgl. ebd, Nr. 38.
125 Ebd, Nr 30
126 Dokumente der m. Vollversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in
Puebla (1979), 2941 (368).
127 Vgl. Direktive für die Förderung der gegenseitigen Zusammenarbeit
der Teilkirchen und insbesondere für die geeignetere Verteilung des
Klerus Postquam Apostoli (25. März 1980): AAS 72 (1980), 343-364.
128 Vgl. Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Kap.
IV, Nr. 23-27.
129 Ebd., Nr. 23.
130 Ebd.
131 Ebd, Nr. 23. 27.
132 Vgl. HL. KONGREGATION FÜR DIE ORDENSLEUTE UND DIE SÄKULARINSTITUTE
und HL. KONGREGATION FÜR DIE BISCHÖFE, Direktiven für die gegenseitigen
Beziehungen zwischen den Bischöfen und den Ordensleuten in der Kirche
Mutuae relationes ( 14. Mai 1978), 14 b: AAS 70 (1978), 482; vgl. Nr. 28:
a.a.O., 490.
133 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 27.
134 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über Dienst und Leben der Priester
Presbyterorum ordinis, Nr. 10; Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 39.
135 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Ausbildung der Priester
Optatam totius, Nr. 20. Vgl. »Guide de vie pastorale pour les pretres
diocesains des Eglises qui dependent de la Congregation pour
l'Evangelisation des Peuples«, Rom 1989.
136 Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Kongregation für
die Evangelisierung der Völker (14. April 1989), 4: AAS 81 (1989), 1140.
137 Botschaft zum Weltmissionstag 1982: Insegnamenti V/2 (1982), 1879;
dtsch: DAS, 1982, S. 1396-1402.
138 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes Nr. 38, HL. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktive
Postquam Apostoli Nr 24-25: a.a.O., 361.
139 Vgl. HL. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktive Postquam Apostoli,
Nr. 29: a.a.O., 362f., II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die
Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 20.
140 Vgl. CIC, can. 783.
141 Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 40.
142 Vgl. PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 69: a.a.O.,
58f.
143 Apostol. Schreiben Muliens dignitatem (15. August 1988), Nr. 20: AAS
80 (1988), 1703.
144 Vgl. PnJS XII., Enzyklika Evangelii praecones: a.a.O., 510ff;
Enzyklika Fidei donum: a.a.O., 228ff.; JOHANNES XXIII., Enzyklika Princeps
Pastorum: a.a.O., 855ff.; PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi
Nr. 70-73: a.a.O., 59-63.
145 Nachsynodales Apostol. Schreiben Chnstifileles laici, Nr. 35: a.a.O.,
457.
146 Vgl. Enzykdika Evangelii praecones: a.a.O., 510-514.
147 Vgl. Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 17.
33.
148 Vgl. Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr.
35-36. 41
149 Nachsynodales Apostol. Schreiben Christifideles laici, Nr. 14: a.a.O,
410.
150 CIC, can. 225, 1; vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über das
Laienapostolat Apostolicam actuositatem, Nr. 6. 13.
151 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche
Lumen gentium, Nr. 31; vgl. CIC, can. 225, 2.
152 PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 70: a.a.O., 60.
153 Nachsynodales Apostol. Schreiben Christifideles laici, Nr. 35: a.a.O.,
458.
154 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 17.
155 JOHANNES PAUL II., Apostol. Schreiben Catechesi tradendae, Nr. 66:
a.a.O., 1331.
156 Vgl. can. 785,1.
157 Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes Nr. 17.
158 Vgl. Vollversammlung der Kongregation für die Evangelisierung der
Völker 1969 zum Thema »Katecheten« und die entsprechende
»Instruktion« vom April 1970: Bibliografia missionaria 34 (1970),
197-212, und Sacra Congregatio de Propaganda Fide Memoria Rerum, III/2
(1976), 821-831.
159 Il. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 28.
160 Apostol. Konstitution Pastor Bonus (28. Juni 1988), 85: AAS 80 (1988),
881; vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit
der Kirche Ad gentes, Nr. 29.
161 Il. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 29; vgl. JOHANNES PAUL II., Apostol. Konstitution
Pastor Bonus, 86: a.a.O., 882.
162 Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 31.
163 Vgl. ebd, Nr. 33.
164 Vgl. PAUL VI., Motu proprio Ecclesiae Sanctae (6. August 1966), II,
43: AAS 58 (1966), 782.
165 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 34; PAUL VI., Motu proprio Ecclesiae Sanctae, III,
22: a.a.O., 787.
166 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 35; vgl. CIC, cann. 211. 781.
167 Apostol. Schreiben Familiaris consortio, Nr. 54: a.a.O., 147.
168 Vgl. PAUL VI.. Apostol. Schreiben Graves et increscentes (5. September
1966): AAS 58 (1966), 750-756.
169 P. MANNA, Le nostre "Chiese" e la propagazizone del Vangelo,
Trentola Ducenta 1952 S. 35.
170 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 38.
171 Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 13.
172 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der
Kirche Ad gentes, Nr. 24.
173 II. VATIKANISOHES KONZIL, Dekret über Dienst und Leben der Priester
Presbyterorum ordinis, Nr. 14.
174 Nachsynodales Apostol. Schreiben Christifideles laici, Nr. 17:
a.a.O.., 419.
175 Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 1.
176 Vgl. Ansprache an die Vollversammlung des Lateinamerikanischen
Bischofsrates (CELAM) in Port-au-Prince, 9. März 1983: AAS 75 (1983),
771-779, dtsch: DAS, 1983, S. 378-386. Predigt zur Eröffnung der vom
CELAM vorgesehenen neunjährigen Vorbereitungszeit auf das
500-JahrJubiläum der Evangelisierung Lateinamerikas in Santo Domingo, 12.
Oktober 1984: Insegnamenti VII/2 (1984), 885-897; dtsch. in: DAS, 1984, S.
821-831.
177 Enzyklika Redemptoris Mater (25. März 1987), Nr. 2: AAS 79 (1987),
362f.
178 Ebd, Nr. 22: a.a.O., 390.
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