Dominus Iesu

Kardinal König zur Erklärung Dominus Iesu

Nach Auffassung des Wiener Alterzbischofs Kardinal Franz König sind die Auseinandersetzungen um das Vatikandokument
vor allem auf ein "Sprachproblem" zurückzuführen: Das gemeinsame Glaubensbekenntnis der Christen stehe im Gegensatz
zum Toleranzbegriff des gegenwärtigen Sprachgebrauchs, so König gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur. Der
moderne Toleranzbegriff gehe davon aus, dass es keine letztverbindliche Wahrheit gebe. Aussagen wie "Universalität des
Heils durch Christus" wirkten deshalb auf die Medien provozierend, meinte König.

Quelle: Radiovatican, Tagesmeldungen 9. und 10. Sept. 2000

Kardinal Ratzinger zu den Reaktionen auf die  Erklärung Dominus Iesu

Der Präfekt der Vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, hat die scharfe Kritik an dem jüngsten Vatikandokument „Dominus Iesus" zurückgewiesen. Das eigentliche Thema der Erklärung sei in den öffentlichen Reaktionen von wenigen Ausnahmen abgesehen vollständig ignoriert worden. Das erklärte der Kardinal in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ratzinger reagierte damit erstmals auf die Kontroversen, die rund um „Dominus Iesus" entstanden sind. Papst Johannes Paul II. sei es bei dem Dokument vor allem darum gegangen, auf dem Höhepunkt des Heiligen Jahres ein – so Ratzinger wörtlich – großes, feierliches Bekenntnis zum Herrsein Jesu Christi abzulegen". Die Erklärung sollte nach den Worten des Kardinals eine Einladung an alle Christen sein, sich diesem Bekenntnis neu anzuschließen. Er frage sich, warum viele Kommentatoren an diesem Schwerpunkt des Textes vorbeigelesen hätten, so Ratzinger. Seiner Ansicht nach handelt es sich bei dem Wirbel um das Dokument auch um ein Kommunikationsproblem. Die im Text benutzte klassische Lehramtssprache sei anders als die Sprache der Massenmedien. Deshalb dürfe man den Text aber nicht herabsetzen, sondern müsse ihn übersetzen. Die Fragen zur Ökumene und dem Kirchenverständnis, über die jetzt alle redeten, bildeten nur einen kleinen Teil des Dokuments. Sie erschienen notwendig, so Ratzinger wörtlich, um die Gegenwärtigkeit Christi und seine wirksame Präsenz in der Geschichte anzudeuten. Zugleich betonte der Präfekt der Glaubenskongregation, dass die existierenden Kirchen nicht auf gleiche Weise Kirche seien. Ratzinger wörtlich: „In diesem Sinne beleidigen wir doch niemanden, wenn wir sagen, dass die faktischen evangelischen Kirchentümer nicht im gleichen Sinne Kirche sind, wie die katholische selbst es sein will" – Zitatende. Der Kardinal wies Kritik zurück, die Glaubenskongregation habe das Dokument ohne Rücksprache mit anderen Vatikanbehörden erstellt. Sowohl der Päpstliche Rat für die Einheit der Christen, als auch der Rat für den interreligiösen Dialog hätten mitgewirkt.

Quelle: Radiovatican, Tagesmeldungen 23. Sept. 2000