| Neulich
sagte der Papst zum Thema Evangelisierung... |
Der von Gott bestellte Wächter muß wohl bedenken,
wem er etwas sagt. Denn ein Tadel, der vielleicht von dem einen angenommen
wird, prallt an dem andern ab; ja sogar bei ein und demselben kann das
Wort je nach den Umständen verschiedene Wirkung haben.
Er muß auch überlegen, wann er etwas sagt. Manchmal wird eine Mahnung,
die aufgeschoben wurde, später gut aufgenommen. In anderen Fällen
verliert sie ihre Kraft, weil sie früher hätte ausgesprochen werden
sollen und die rechte Stunde verfehlt ist. Auch wie er es sagt, muß
bedacht werden; denn ein Wort, das dem einen hilft, verletzt vielleicht
den anderen. So schreibt Paulus an Titus: "Du sollst mit allem
Nachdruck lehren", aber an Timotheus schreibt er: "Verkünde das
Wort, ermahne in geduldiger Belehrung."
Warum betont er bei dem einen den Nachdruck, bei dem andern die Geduld?
Weil er weiß, daß der eine eine nachgiebige, der andere eine heftige
Veranlagung hat. Dem Wort des Nachgiebigen muß durch Autorität und
Nachdruck die nötige Festigkeit gegeben werden. Der Heftige aber muß
durch Geduld gezügelt sein. Sonst wird er im falschen Augenblick
aufbrausen und den Gesunden verletzen, statt den Verwundeten zu heilen.
Es ist auch wichtig, wieviel er sagt. Denn der eine kann nicht viel
vertragen. Bei ihm würde es Widerwillen erregen, wenn des Tadelns und
Mahnens kein Ende wäre. Besonders den Schwachen darf er nur wenig sagen
und nur, was sie zu fassen vermögen, freilich so, daß es sie zu echter
Umkehr führt.
Papst Gregor der Große (540 - 604), Heiliger und
Kirchenlehrer
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