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Barbara Ebner
DAS
EHESAKRAMENT IM VERSTÄNDNIS DER KIRCHE
Um das Sakrament der Ehe im kirchlichen Sinne richtig zu verstehen, ist es
wichtig, den Schöpfungsplan Gottes in Bezug auf Ehe und Familie zu
kennen.
Gottes Wesen ist die Liebe, er hat den Menschen aus Liebe erschaffen - als
sein Abbild. Er hat den Menschen zur Liebe bestimmt - Liebe ist die
angeborene Grundberufung eines jeden Menschen. Das hat auch die Hl. Thérèse
v. Lisieux erkannt. Als Sie ihre Berufung, die Liebe, erkannt hat, rief
sie laut aus:
"Inmittem dem Herzen meiner Mutter, der Kirche, möchte ich die Liebe
sein!"
Der Mensch ist ein Mikrokosmos. Er vereinigt in sich Geist und Körper. So
ist er die Krönung der Schöpfung, die ein Ausdruck der Herrlichkeit
Gottes ist, dazu angelegt, an dieser Herrlichkeit teilzuhaben.
Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Ihre gegenseitige
Liebe kann zu einem Bild der unverbrüchlichen absoluten Liebe werden, mit
der Gott den Menschen liebt. Ihre Liebe ist in den Augen des Schöpfers
gut, ja sehr gut. (vgl. Gen 1,31)
Die eheliche Liebe wird von Gott gesegnet und dazu bestimmt, fruchtbar zu
sein und sich im gemeinsamen Werk der Verantwortung für die Schöpfung zu
verwirklichen:
"Gott segnete sie, und sprach zu ihnen: ‚Seid fruchtbar und
vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch'"
(vgl. Gen 1,28).
Die Ehe gehört also zum Schöpfungsplan Gottes, Gott selbst ist der
Urheber der Ehe! - Ist das nicht total genial? Das was die verschiedensten
Kulturen, Gesellschaftsstrukturen und Geisteshaltungen als ihre Erfindung
halten, ist in Wirklichkeit der ureigenste Plan unseres Schöpfers.
Umso mehr müssen sich die Eheleute auch bemühen, diesem Schöpfungsplan
zu entsprechen, um sozusagen ihren Schöpfer nicht zu enttäuschen. Die
eheliche Gemeinschaft ist auf gegenseitige Liebe und Fortpflanzung
hingeordnet und ihre wesentlichen Eigenschaften sind
Die Ehe ist eine Art, wie der Mensch
seiner Bestimmung, seiner Berufung entsprechen kann.
Durch Christus wissen wir, dass es auch noch eine zweite Form gibt, wie
der Mensch seiner Berufung entsprechen kann. Nämlich, dass er aus Liebe
zu Gott auf die Ehe verzichtet und sich ganz, mit Leib und Seele, in den
Dienst des Herrn stellt.
DIE STÖRUNG DER SCHÖPFUNGSORDNUNG DURCH DIE SÜNDE
Durch die Sünde ist die Ordnung, so wie sie von Gott gedacht war, in
Unordnung geraten, und das gilt auch in Bezug auf Ehe und Familie. Um das
zu beweisen, brauchen wir uns nur einmal in unserer näheren Umgebung
umzusehen: Ehen werden geschieden, in Familien wird gestritten was in
einigen Fällen sogar bis zum Tod führen kann, zwischen den Eheleuten
sind Zwietracht, Herrschsucht, Eifersucht und Untreue nichts Seltenes
geworden.
Der Bruch mit Gott zieht in weiterer Folge den Bruch der ursprünglichen
Gemeinschaft von Mann und Frau nach sich. Die schöne Berufung von Mann
und Frau, fruchtbar zu sein, sich zu vermehren und sich die Erde zu
unterwerfen, wird durch die Schmerzen des Gebärens und durch die Mühe
des Broterwerbs belastet.
Aber die Schöpfungsordnung bleibt trotzdem bestehen, auch wenn sie durch
die Sünde schwer belastet ist. Denn Gott hat den Menschen nicht
verlassen. Ganz im Gegenteil: ER hat seinen Sohn gesandt und den Heiligen
Geist. Mit der Hilfe Gottes kann der Mensch sein Ziel erreichen, er muss
sich aber immer bewusst sein, dass er der Erlösung bedarf. Mann und Frau
brauchen die Gnade, damit die durch die Sünde geschlagenen Wunden wieder
heilen können - und Gott in seiner unendlichen Barmherzigkeit und Liebe
wird diese Gnade nie verweigern. Denn ohne diese Hilfe wird es Mann und
Frau nicht gelingen, jene Lebenseinheit zustande zu bringen, zu der Gott
sie "am Anfang" geschaffen und berufen hat.
DAS SAKRAMENT DER EHE
In der Ehe schließen sich Mann und Frau zu einem Bund für das ganze
Leben zusammen. Und sie haben sich ein sehr hohes Ziel für dieses
Zusammenleben gesteckt, nämlich lieben lernen. Sie versprechen einander
die Treue bis zum Tod, zwischen dem Brautpaar entsteht ein unauflösliches
Eheband, das durch Gott höchst persönlich besiegelt wird. Mann und Frau
werden dadurch wieder zu einer Einheit, zu einem Fleisch. Durch die
Eheschließung erhält der Weg zu Gott für den Mann, für die Frau einen
konkreten Namen.
Die Unauflöslichkeit der Ehe kommt dann zustande, wenn das Ehesakrament gültig
gespendet wurde. Die Sakramente hinterlassen in der Seele dessen, der sie
empfängt, eine unauslöschliche Spur. Derjenige der getauft wurde, ist für
immer getauft, derjenige der gefirmt wurde, wurde für immer gefirmt - und
die Eheleute, die sich gegenseitig das Sakrament der Ehe spenden, tun dies
auch für immer!
Der heilige Paulus nennt das Ehesakrament sogar ein großes Geheimnis,
weil es die Beziehung Christi zur Kirche darstellt. Mann und Frau sollen füreinander
da sein, so wie Christus für die Kirche da ist. Und das ist ein ganz
besonders großer Auftrag an die Eheleute, denn Christus hat für seine
Kirche sein Leben hingegeben und gibt sich ihr als Speise dar.
(vgl. Geistlicher Rundbrief: Die
sakramentale Gnade der Ehe von Bischof DDr. Klaus Küng)
(be)
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