Heut in aller Herrgottsfrüh war ich los, halb verschlafen noch, aber mit dieser Vorfreude, die man nur spürt, wenn man weiß, dass’s rauf auf den Berg geht. Die Sonne hat sich erst langsam durch die Wolken gedrückt, und die Luft war noch frisch, so dass mir gleich beim ersten Anstieg der Atem kurz weggeblieben ist. Aber irgendwie liebe ich das, dieses Gefühl, dass der Körper aufwacht und der Kopf langsam frei wird. Braucht man nämlich echt ab und zu, damit man wieder runterkommt vom Alltagsstress.
Der Weg hinauf zur Preinerwand war heute fast leer, vielleicht weil’s Sonntag war und viele lieber länger schlafen. Ich hab’s genossen. Kein Lärm, kein Handyempfang, nur das Knirschen der Steine unter den Schuhen und ab und zu vielleicht mal ein Vogelruf. Ich hab mich ein paar Mal umgedreht und gestaunt, wie schnell sich die Welt da unten verkleinert.
Oben beim Kreuz auf 1783 Metern war dann alles still. Nur der Wind, der leicht an den Stahlseilen gezupft hat. Das Kreuz selbst, schlicht, aus Metall, voller Aufkleber und Spuren von anderen, die vor mir hier waren. Wirkt echt fast wie ein Tagebuch aus Edelstahl. Muss ich echt sagen. Da steht so viel Geschichte drin, ohne dass ein Wort geschrieben ist.

Ich bin da gesessen, hab den Blick schweifen lassen, über die Felsen, über die Täler, über die Wolken, die sich an den Spitzen gestaut haben. Und irgendwie hab ich mir gedacht, denn egentlich braucht man gar nicht so viel, um glücklich zu sein. Nur ein bisschen Zeit, gute Schuhe und einen klaren Kopf. Muss ich bald wieder machen.